Hans Gasparitsch

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Hans Gasparitsch (* 30. März 1918 in Stuttgart; † 13. April 2002 in Stuttgart) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Gasparitsch wuchs als einziges Kind des Ehepaars Johannes und Elisabeth Gasparitsch ab 1920 im Kanonenweg 174 in Ostheim auf. 1930 und 1931 nahm er an internationalen Sommerzeltlagern der sozialistischen Kinderfreunde-Bewegung teil. Die Realschule musste er abbrechen, nachdem sein Vater das Schulgeld nicht mehr bezahlen konnte. Dieser hatte zunächst in einer Schuhfabrik gearbeitet und sich, nachdem er arbeitslos geworden war, 1926 als Schuster in der Rotenbergstraße 106 selbstständig gemacht, was aber nicht genügend Geld einbrachte. Hans Gasparitsch begann daraufhin 1932 eine Lehre zum Schriftsetzer. Im selben Jahr feierte er seine Jugendweihe.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten bildete sich in Gasparitschs Freundeskreis, der sich zunächst als Wandergruppe formiert hatte, eine Widerstandsgruppe, deren Leitung Fritz Brütsch, alias Kolka übernahm: die Stuttgarter „Gruppe G“, was „Gemeinschaft“ bedeutete. Von den Mitgliedern wurden unter anderem Flugblätter gegen Hitler hergestellt und verteilt. Die offiziellen Einrichtungen der Arbeiterbewegung und -kultur waren zu diesem Zeitpunkt bereits verboten und beschlagnahmt.

Ludwig von Hofers Rossebändiger

Am 14. März 1935 schrieb Hans Gasparitsch, der in der Gruppe G den Tarnnamen „Micha“ trug, auf die Sockel der Rossebändiger-Statuen im Unteren Schlossgarten in roter Farbe „Hitler = Krieg“ und „Rot Front“. Ohne es zu merken, bekleckerte er dabei seine Kleidung mit der roten Farbe. Dadurch wurde er überführt, als er eine Stunde nach der Tat noch einmal in den Schlossgarten zurückkehrte, um sein Werk zu betrachten. Gasparitsch wurde zunächst etwa ein Jahr lang immer wieder von der Gestapo im Hotel Silber verhört und am 25. März 1936 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis auf dem Oberen Kuhberg in Ulm verurteilt. Etwa 20 junge Leute im Alter zwischen 14 und 26 Jahren wurden in diesem Prozess wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt; ein Fotoalbum im Haus Gasparitsch hatte der Polizei die Spuren gewiesen. Durch die vorangegangene Untersuchungshaft verkürzte sich die Haftzeit Gasparitschs auf 18 Monate. Nach dieser Zeit wurde er aber nicht, wie erwartet, am 26. Oktober 1937 entlassen, sondern in verschiedenen KZs inhaftiert. Zunächst kam er bis zum 15. November 1937 in „Schutzhaft“ im KZ Welzheim, dann nach Dachau. Vom 27. September 1939 bis zum 2. März 1940 war er im KZ Flossenbürg,[1] danach wieder in Dachau, ehe er wegen einer Denunziation am 18. Juli 1944 ins KZ Buchenwald verlegt wurde. Mitgefangene bewahrten den jungen Mann vor einem Todeskommando im Steinbruch; unter Willi Bleicher arbeitete er in der „Effektenkammer“ und übernahm nach der Flucht der meisten SS-Wachmannschaften vor den anrückenden Amerikanern am 11. April 1945 mit anderen Mitglieder des Lagerwiderstandes die Kontrolle über das Lager, bevor die 3. US-Armee eintraf. Am 19. April 1945 leistete er mit anderen Überlebenden den Schwur von Buchenwald, im Mai kehrte er nach Stuttgart zurück, wo er bis 1948 bei der amerikanischen Militärverwaltung mit Entnazifizierungsuntersuchungen beschäftigt war. 1946 heiratete er Lilly Frank. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

1947 gehörte Gasparitsch zu den Gründern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in Südwestdeutschland. 1949/50 holte er in der DDR das Abitur nach; danach studierte er Journalismus in Leipzig. Von 1953 bis 1956 war er Redakteur des KPD-Organs „Volksstimme“ in Stuttgart. Nach dem KPD-Verbot 1956 wurden die Zeitungen „Volksstimme“ und „Badisches Volksecho“ ebenfalls verboten. Bei anderen Zeitungen konnte er wegen seiner politischen Haltung nicht Fuß fassen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er daher zusammen mit seiner Frau Lilly mit einem Milchladen; nebenbei absolvierte er von 1960 bis 1967 ein Fernstudium der Architektur. Danach arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 1980 als Bauingenieur.

1960 brachte Hans Gasparitsch zusammen mit drei weiteren Mitgliedern der Widerstandsgruppe das Buch „Die Schicksale der Gruppe G“ heraus. Es wurde in der DDR verlegt. Gasparitsch publizierte hier unter dem Pseudonym Fritz Kaspar.[2] 1994 kam dieses Buch, um Bildmaterial erweitert, auch in der Bundesrepublik Deutschland heraus. Hier trug es den Titel „Hanna, Kolka, Ast und andere...“[3]

Gasparitsch veranstaltete zahlreiche Führungen in den Gedenkstätten Oberer Kuhberg, Dachau und Buchenwald sowie in Stuttgart. Dem Trägerverein des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg stand er lange Zeit vor. Außerdem besuchte er immer wieder Schulen und Universitäten, um über seine Erlebnisse zu berichten. Ferner war er an zahlreichen Antikriegs- und Antiaufrüstungsdemonstrationen beteiligt. 1993 trat er in Bonn in seiner KZ-Häftlingskleidung aus der NS-Zeit auf, um gegen eine Änderung des Asylrechts zu demonstrieren.

Am 26. Mail 2000 wurde ihm in Anerkennung seines antifaschistischen Engagements das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Hans Gasparitschs Nachlass wird im Stadtarchiv Stuttgart aufbewahrt.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Gasparitsch auf www.gedenkstaettenpaedagogik-bayern.de nennt Mai statt März
  2. Fritz Kaspar: Die Schicksale der Gruppe G. Nach Aufzeichnungen und Briefen. Berlin, Verlag Neues Leben 1960, ²1985.
  3. Fritz Kaspar: Hanna, Kolka, Ast und andere. Stuttgarter Jugend gegen Hitler. Mit einem Geleitwort von Peter Steinbach. Tübingen und Stuttgart, Silberburg Verlag 1994, ISBN 3-87407-194-4.
  4. Jugendliche kämpfen gegen das NS-Regime - Zeitzeugenbericht