Hans Körbel

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Hans Körbel (* 2. Juni 1909 in Höchst am Main; † 7. März 1947 in Hameln) war ein deutscher Arzt. Als leitender Betriebsarzt des Volkswagenwerkes in der Zeit des Nationalsozialismus war er für den Tod zahlreicher Kinder von Zwangsarbeitern verantwortlich.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Körbel, ein promovierter Mediziner, war ab 1943 als leitender Betriebsarzt auch für die Betreuung der Kinder von Zwangsarbeitern zuständig. Zugleich war er SS-Sturmbannführer. Bis Juni 1944 waren die Kinder, meist Säuglinge, in der KdF-Stadt bei Fallersleben – ab 1945 Wolfsburg – untergebracht, danach im Kinderlager Rühen etwa zwölf Kilometer außerhalb der Stadt. Aufgrund katastrophaler hygienischer Verhältnisse starben in dem Lager über 300 Kinder, kaum ein Kind überlebte.

Körbel besuchte das Lager anfangs täglich. Später erschien er nur noch wöchentlich, um die Totenscheine auszustellen. Er unternahm nichts gegen die Ursachen der Sterbefälle. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er von den britischen Besatzungsbehörden verhaftet und im Juni 1946 in einem Kriegsverbrecherprozess in Helmstedt wegen willful neglect („vorsätzlicher Vernachlässigung“) zum Tode verurteilt.[1] 1947 wurde er im Zuchthaus Hameln durch den Strang hingerichtet. Zahlreiche Deutsche hatten zuvor um Gnade für Körbel gebeten. Ein evangelischer Pastor behauptete, dass sich Körbel „aufopferungsvoll um die Kinder bemüht“ habe und ein „Regimegegner“ gewesen sei.[2]

Körbel war das einzige Mitglied der Führungsriege des Volkswagenwerkes, das zum Tode verurteilt wurde.[3]

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schriftsteller Horst Mönnich schrieb in seinem 1951 erschienenen Buch Die Autostadt, dass Körbel „unschuldig in den Tod gehetzt“ worden sei.[2]

Der in Wolfsburg lebende Brite John Murdoch verfasste das Theaterstück Die Kinder des Dr. Körbel. Es wird gelegentlich in Wolfsburg und anderen Orten von Murdochs Theatergruppe aufgeführt.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verbrechen in Kinderheimen. In: Salzburger Volkszeitung, 1. Juli 1946, S. 2 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/svz
  2. a b Hartwig Hohnsbein: Porsche & Piëch haben gesiegt. In: Ossietzky. 10/2008, archiviert vom Original am 1. Januar 2015; abgerufen am 7. März 2022.
  3. Stephan Krull: Die Vergangenheit ist nicht vorbei: Volkswagen und die Autostadt Wolfsburg vor dem 75. Gründungstag. (pdf; 514 kB) In: Sozialismus. 4/2012, 27. März 2012, S. 53–56, hier S. 56, abgerufen am 30. Dezember 2014.
  4. Zugabe: Kulturverein gründet Theater AG. In: Wolfsburger Allgemeine Zeitung. 22. August 2014, abgerufen am 7. März 2022.