Hans Karl Peterlini

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Hans Karl Peterlini (* 12. März 1961 in Bozen) ist ein Südtiroler Bildungsforscher sowie zeitgeschichtlich und bildungswissenschaftlich orientierter Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peterlini wuchs im Südtiroler Unterland auf und legte die humanistischen Matura in Bozen ab. Er ist der Bruder des Politikers Oskar Peterlini.

Seine ersten beruflichen Erfahrungen sammelte er von Jugend an im Südtiroler Journalismus, zuerst bei der Tageszeitung Dolomiten. 1982 wechselte zum Südtiroler Wochenmagazin ff, dessen Chefredakteur er 1990 wurde. Danach gründete er mit Hubertus Czernin und der Familie Lentsch das Konkurrenzblatt Südtirol Profil und nach dessen Einstellung wurde er wieder Chefredakteur der ff. Seine wichtigsten Themen waren die Gewaltrisiken und Befriedungschancen in der jüngeren Südtiroler Zeitgeschichte, verbunden mit der Frage, wie Menschen über ihre kulturellen Muster und ethnischen Feindseligkeiten hinauswachsen könnten. Daraus entstanden seine ersten Bücher über den Südtirol-Terrorismus sowie das Generationenporträt Wir Kinder der Südtirol-Autonomie. 2004 zog er sich vom Journalismus zurück und studierte Pädagogik mit psychoanalytischer Ausrichtung an der Universität Innsbruck, um seine Schwerpunktthemen aus einer wissenschaftlichen Position neu zu bearbeiten. Seine 2006 eingereichte Diplomarbeit Die Sprengung von Macht und Ohnmacht untersuchte psychoanalytisch die Motive hinter den Südtirol-Anschlägen von 1961 bis 1988.[1] Dem Studienabschluss folgten akademische Zusatzausbildungen (psychotherapeutisches Propädeutikum, zwischenmenschliche Kommunikation und Coaching). 2010 promovierte er an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen mit einer Dissertation zum Thema Heimat als Verdichtung politischer Identität in Südtirol, die auch auf Italienisch unter dem Titel Capire l’altro (den Anderen verstehen) veröffentlicht wurde. 2014 erlangte er mit der in Innsbruck eingereichten Habilitationsschrift Lernen und Macht. Paradigmata der Bildung in Schule, Kultur, Politik die Lehrbefähigung im Fach Bildungswissenschaften und Lernforschung.[2] Mit dem Studienjahr 2014/2015 wurde er auf den Lehrstuhl Allgemeine Erziehungswissenschaft und Interkulturelle Bildung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt berufen.

In seinen Publikationen beschäftigte er sich mit den Ursachen und Bewältigungsmöglichkeiten politischer, gesellschaftlicher und kulturell bedingter Konflikte. Dazu gehören neben der theoretischen Reflexion auch die Arbeit mit Theater, so den Stücken Heimat (1999, Theater in der Altstadt, Meran) und Regen übers Land (Theater an der Etsch, 2010) sowie den Forumtheaterprojekten Wer rettet die Helden? (2010) und Mez per Sort (2012). Zusammen mit Marion Piffer (für Kunst) und Bernhard Kathan (für Objekte) war Peterlini (kleine Erzählungen) 2009 Kurator der überregionalen Landesausstellung Labyrinth::Freiheit auf der Festung Franzensfeste. Der Schwerpunkt in den jüngeren Publikationen liegt auf Lernen und Bildung in transkulturellen und transnationalen Räumen.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003 Preis des österreichischen Bundeskanzleramtes beim Lienzer Literaturwettbewerb im Gedenken an Christoph Zanon für seinen Text über ein Tirol, das es nicht gibt.

Bibliografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lernen und Macht. Prozesse der Bildung zwischen Autonomie und Abhängigkeit. Innsbruck-Bozen-Wien: Studienverlag (2016), ISBN 978-3-7065-5486-2
  • Hrsg. (zusammen mit Massimiliano Boschi und Adel Jabbar) Jenseits von Kain und Abel. Zehn Punkte fürs Zusammenleben – neu gelesen und kommentiert. In memoriam Alexander Langer 1995-2015. Meran-Klagenfurt/Celovec: Alpha Beta und Drava, Edizioni Alpha Beta Verlag Meran (2015), ISBN 978-88-7223-235-4
  • Noi figli dell'autonomia. Alto Adige/Südtirol oltre il disorientamento etnico. Traduzione dal tedesco Umberto Gandini. Meran: Edizioni Alpha Beta Verlag (2013), ISBN 978-88-7223-208-8
  • Capire l'altro. Piccoli racconti per fare memoria sociale, FrancoAngeli Mailand (2012), ISBN 978-8-8568-4495-5
  • 100 Jahre Südtirol. Geschichte eines jungen Landes, Haymon Innsbruck (2012), ISBN 978-3-7099-7031-7
  • (zusammen mit Lynne Chisholm) Aschenputtels Schuh. Jugend und interkulturelle Kompetenz in Südtirol/Alto Adige. Forschungsbericht über einen verkannten Reichtum, Edizioni Alpha Beta Verlag Meran (2012), ISBN 978-88-7223-202-6 (auch in italienischer Sprache unter dem Titel "La scarpetta di Cenerentola")
  • Hrsg. Lernen ist Leben. Chancen und Grenzen des Lernens in Weiterbildung und Bibliotheken. Mit Beiträgen u.a. von Lale Akgün, Adriana Altares, Rudolf Egger, Stefan Vater, Edizioni Alpha Beta Verlag Meran (2012), ISBN 978-88-7223-192-0
  • Hrsg. (zusammen mit Martin Peer) Qualität des Lernens. Das System der Weiterbildung in Südtirol von den Pionierzeiten zu EFQM, Edizioni Alpha Beta Verlag Meran (2011), ISBN 978-88-7223-201-9
  • Heimat zwischen Lebenswelt und Verteidigungspsychose. Politische Identitätsbildung am Beispiel Südtiroler Jungschützen und -marketenderinnen, Studienverlag Innsbruck (2010), ISBN 978-3-7065-5029-1
  • Feuernacht. Südtirols Bombenjahre. Hintergründe, Schicksale, Bewertungen, Edition Raetia (2010), ISBN 978-88-7283-390-2
  • (zusammen mit Astrid Kofler) Bauernleben in Südtirol. Zwölf Porträts, Haymon (2010), ISBN 978-3-85218-639-9
  • (zusammen mit Michael Forcher) Südtirol in Geschichte und Gegenwart, Haymon (2010), ISBN 978-3-85218-636-8
  • Freiheitskämpfer auf der Couch. Psychoanalyse der Tiroler Verteidigungskultur von 1809 bis zum Südtirol-Konflikt, Studienverlag Innsbruck (2010), ISBN 978-3-7065-4814-4
  • Tirol - Notizen einer Reise durch die Landeseinheit, Haymonverlag Innsbruck (2008), ISBN 978-3-85218-575-0
  • Hrsg. (zusammen mit Hannes Obermair) und Hauptautor: Universitas Est. Essays und Dokumente zur Bildungsgeschichte in Tirol/Südtirol: Edition Raetia (2008), ISBN 978-88-7283-316-2
  • Hans Dietl. Biographie eines Südtiroler Vordenkers und Rebellen, Edition Raetia (2007), ISBN 978-88-7283-299-8
  • Hrsg.: Silvius Magnago. Das Vermächtnis, Edition Raetia (2007), ISBN 978-88-7283-300-1
  • Südtirols Bombenjahre. Von Blut und Tränen zum Happyend Edition Raetia (2005), ISBN 9788872832417
  • Wir Kinder der Südtirol-Autonomie, Folio Verlag (2003), ISBN 978-3-85256-230-8
  • zusammen mit Astrid Kofler: Graffiti in Tirol, Haymon (1999), ISBN 3-85218-342-1
  • Bomben aus zweiter Hand. Zwischen Gladio und Stasi: Südtirols missbrauchter Terrorismus, Edition Raetia (1993, 4. Auflage), ISBN 88-7283-021-4

Essays und Buchbeiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werkzeuge der Konvivialität. Friedensarbeit im Zeitalter von Entgrenzung, Migration und neuen Bedürfnissen nach geschützten Heimaten. In: Boschi, Massimiliano/Peterlini, Hans Karl/Jabbar, Adel (Hg.): Jenseits von Kain und Abel. Zehn Punkte fürs Zusammenleben – neu gelesen und kommentiert. In memoriam Alexander Langer 1995–2015. Meran-Klagenfurt/Celovec: Alpha Beta und Drava (2015), 37-53.
  • "Can the subaltern speak?" Yes, they can – aber wie? Minderheiten und Gewalt im Spannungsfeld von Macht und Ohnmacht am Beispiel Südtirol In: Grote, Georg/Obermair, Hannes/Rautz, Günther (Hg.): „Un mondo senza stati è un mondo senza guerre“. Politisch motivierte Gewalt im regionalen Kontext. (Eurac book 60). Bozen: Europäische Akademie (2013), 111-136.
  • Die Wege des Lernens sind unergründlich. Reflexionen über Bildungsverläufe und Lernen. Ein biographischer Versuch. In: Kofler, Doris/Peterlini, Hans Karl/Videsott, Gerda (Hg.): Brückenbau(e)r. Festschrift für/Miscellanea per/Publicazion en onour de/Article collection in honour of Siegfried Baur. Meran: Edizioni Alpha Beta Verlag (2013), 34-52.
  • Lebenswege eines Guerillero. Zur Einführung in die Biographie des Siegfried Steger. In: Steger, Siegfried: Die Puschtra Buibm. Flucht ohne Heimkehr. Bozen: Arob, 6-16.
  • Wir und die Anderen. Einst verklärt oder beargwöhnt, jetzt eine Pflichtübung im Knigge des politisch korrekten Unterrichts: interkulturelle Kompetenz zwischen Rahmenrichtlinien, Überforderungen und Lebenspraxis. In: forum schule heute, 4 (2013), 18-20.
  • Dissidentenberichte aus Tirol. Biographische Fragmente politischer Fremdheit zwischen Prag, Brixen, Trient, Salurn. In: Obermair, Hannes/Risse, Stephanie/Romeo Carlo (Hg.): Regionale Zivilgesellschaft in Bewegung/Cittadini innanzi tutto. Festschrift für/scritti in onore di Hans Heiss. Wien-Bozen: Folio (2012), 424-442.
  • Die Subversivität des Lernens. Weiterbildung zwischen individuellen Möglichkeiten und strukturellen Bedingungen – Auslotungen des "Modells Südtirol" im internationalen Long-Life-Learning-Diskurs In: Peer, Martin/Peterlini, Hans Karl: Qualität des Lernens. Das System der Weiterbildung in Südtirol von den Pionierjahren bis zu EFQM. Edizioni Alpha Beta Verlag: Meran (2012), 9-25.
  • Das Hohelied der Einheit. Mythos Identität am Beispiel Tirol/Südtirol – eine psychoanalytisch orientierte Dekonstruktion In: Oberhauser, Claus/Knapp Wolfgang (Hg.): Hinter den Kulissen. Beiträge zur historischen Mythenforschung. Innsbruck: Innsbruck University Press (2012), 213-235.
  • Dall’angoscia al ben-essere. Interculturalità tra legami etnocentrici e aperture dell’identità – rapporto da una ‘frontiera’ di confine In: PedagogiaPiùDidattica, 2 (2011), 25-32.
  • Methode und Urteil. Die Feuernacht in den Deutungen der Geschichtswissenschaft In: Geschichte und Region/Storia e regione 1 (2011), Faschismus an den Grenzen – Il fascismo di confine, hg. von Mezzalira, Giorgio/Obermair, Hannes im Auftrag der Arbeitsgruppe „Geschichte und Region/Storia e regione“ und des Südtiroler Landesarchivs. Innsbruck-Wien-Bozen: Studienverlag, 135-154.
  • Das Unbehagen in der Geschichte. 50 Jahre Feuernacht – eine Auseinandersetzung In: Politika11. Jahrbuch für Politik/Annuario di Politica/Anuer de pulitica, hg. von Günther Pallaver im Auftrag der Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft. Bozen: Raetia (2011), 397-426.
  • Daheim ist nicht immer daheim. Die Glaubers – eine tirolisch-tschechisch-jüdische Familie In: Hans Glauber. Utopie des Konkreten, hg. vom Ökoinstitut Südtirol. Bozen: Raetia (2011), 28-36.
  • Eine Topographie des Erinnerns. Südtirol im 20. Jahrhundert In: Ertl, Thomas (Hg.): Der Ötzi pflückt das Edelweiß. Bausteine Tiroler Identität. Innsbruck: Tyrolia (2011), 128-149.
  • Heimat-Homeland between life world and defence psychosis. Intercultural learning and unlearning in an ethnocentric culture: long-term study on the identity formation of junior ‘Schützen’ (shooters). In: Procedia Social and Behavioral Sciences, 5 (2010), 59-68.
  • Wie sag’ ich’s meiner Edelfeder? Coaching im Kreativberuf Journalismus – mit besonderer Berücksichtigung von Kritikgespräch und Fehlerkultur. In: Schmidt-Lellek, Christoph J./Schreyögg, Astrid (Hrsg.), Praxeologie des Coaching. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008, pag. 183-194.
  • Lehrjahre einer Minderheit: Südtirols Autonomie zwischen Chancen und Wachstumsschmerzen, in: Die Region Trentino Südtirol im XX. Jahrhundert. Bd. I. Politik und Institutionen. Hg. Von Ferrandi, Giuseppe / Pallaver, Günther. Museo Storico in Trento: Trient 2007, S. 263–298.
  • "Hinter der Tür sind alle Worte." Ein Werkstattgespräch mit dem Schriftsteller Joseph Zoderer, kommentiert von Karl Stockreiter aus der Sicht der Lacan’schen Psychoanalyse. In: Quart Heft für Kultur Tirol, 8, 32-43.
  • Eine Heimatbegehung. Bozen, Dr.-Streiter-Gasse. In: Dietmar Larcher et al. „Fremdgehen. Fallgeschichten zum Heimatbegriff“ (Drava / Alpha Beta 2005).
  • Die unendliche Gegenwärtigkeit des Zauns: in: Der Zaun. Innsbruck: Haymon (2005).
  • Schreiben in einem eingeklemmten Land, in Aus der Norm, Arunda (1998).

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mez per sort, für die Gruppe Krah - Forumtheater Südtirol, Aktionstage politische Bildung 2012
  • Regen übers Land, Theater an der Etsch, Neumarkt (2010)
  • Projekt Wer rettet die Helden? mit den Stücken Schneefall und Sperrstunde, Forumtheater A.H.10, Auer, Bozen, Brixen, Bruneck, Eppan, St. Ulrich, Lana, Schlanders (2010)
  • Heimat, Theater in der Altstadt, Meran (1998)
  • Herzstückl, Dekadenz, Brixen (1997)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diplomarbeit von Hans Karl Peterlini (Universität Innsbruck, 2006)
  2. Habilitationsschrift von Hans Karl Peterlini (Universität Innsbruck, 2014)