Hans Klein (Pathologe)

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Hans Klein (* 18. November 1912 in Heiligenwald; † 21. November 1984 in Heidelberg) war ein deutscher Pathologe und Hochschullehrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klein, promovierter Pathologe, war unter Berthold Ostertag Oberarzt am Berliner Rudolf-Virchow-Krankenhaus.[1] Gemeinsam mit Ostertag obduzierte er Kinder, die in der Kinderfachabteilung der Städtischen Nervenklinik für Kinder und Jugendliche Wiesengrund (Berlin-Wittenau) im Rahmen der Kinder-Euthanasie ermordet wurden.[2] 1939 wurde er Mitglied der SS.[3] Ab 1944 war Klein als leitender Pathologe an der Klinik SS-Sanatorium Hohenlychen tätig, wohin er aus dem Virchow-Krankenhaus abkommandiert worden war.[1] Im Januar 1945 nahm Klein in Hohenlychen histologische Untersuchungen an den Lymphknoten von 20 jüdischen Kindern vor, die Opfer der TBC-Versuche des Mediziners Kurt Heißmeyers im KZ Neuengamme waren. Diese Kinder wurden in der Nacht zum 21. April 1945 am Bullenhuser Damm zur Vertuschung des Verbrechens erhängt.[4] Klein kooperierte wissenschaftlich auch mit Hans Nachtsheim.

Nach Kriegsende habilitierte er sich 1949 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg mit der Schrift Das Pelger-Gen und seine Manifestierung. I. Die Pelger-Anomalie der Leukocyten und die pathologische Anatomie des neugeborenen Homocygoten Pelger-Kaninchens: Ein Beitrag zum Formenkreis der fetalen Chondrodystrophie und wurde dort Lehrbeauftragter. Ab 1961 lehrte Klein an der Universität Heidelberg als außerplanmäßiger Professor, wurde 1965 Abteilungsvorstand am Heidelberger Institut für Gerichtliche Medizin und gehörte dem Wissenschaftsrat an.[1] Klein wurde nach Kriegsende juristisch nicht belangt.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 314.
  2. Hans-Walter Schmuhl (Hrsg.): Rassenforschung an Kaiser-Wilhelm-Instituten vor und nach 1933, Göttingen 2003, S. 337.
  3. Alexander von Schwerin: Experimentalisierung des Menschen : Der Genetiker Hans Nachtsheim und die vergleichende Erbpathologie 1920-1945. Göttingen, Wallstein 2004, ISBN 3-89244-773-X, S. 266.
  4. Hans-Walter Schmuhl (Hrsg.): Rassenforschung an Kaiser-Wilhelm-Instituten vor und nach 1933, Göttingen 2003, S. 247.
  5. Günther Schwarberg: Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm, Göttingen 1988, S. 176.