Hans Krebs (Politiker)

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Hans Krebs
Hans Krebs (vor dem Mikrofon, Herbst 1938), Aufnahme aus dem Bundesarchiv

Hans Krebs (* 26. April 1888 in Iglau; † 15. Februar 1947 in Prag) war ein österreichisch-deutscher Publizist sowie deutschnationaler und später nationalsozialistischer Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Krebs war der Sohn eines Iglauer Tuchmachers und Gastwirts. In seiner Heimatstadt besuchte er die Volksschule und Oberrealschule. Er engagierte sich in der deutschnationalen Arbeiterbewegung und wurde früh Mitglied der Deutschen Arbeiterpartei im böhmischen Aussig.[1] Für die Partei betätigte er sich auch als Redakteur in Aussig, Wien und Iglau. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Angehöriger der k.u.k. Armee teil.[2]

Nach Kriegsende schloss er sich der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP) in der Tschechoslowakei an, deren Hauptgeschäftsführer er wurde.[3] Er übernahm zudem die Hauptschriftleitung der Nationalsozialistischen Korrespondenz in Böhmen.[1] Von 1925 bis 1933 saß er als DNSAP-Abgeordneter in der tschechoslowakischen Nationalversammlung. Von 1930 bis 1932 war er zudem Landesobmann des Volkssportverbandes der Partei. Im Zuge des sogenannten „Volkssportprozesses“ hob das Parmalent 1933 seine Abgeordnetenimmunität auf und Krebs wurde von den tschechoslowakischen Strafverfolgungsbehörden verhaftet. Es gelang ihm jedoch zu fliehen und ins nationalsozialistische Deutsche Reich abzusetzen.[4]

In Deutschland fungierte er Pressereferent des Reichsinnenministerium und Reichshauptstellenleiter für die NSDAP (Mitgliedsnr. 86) tätig. Vom 29. März 1936 bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 gehörte Krebs außerdem dem Berliner Reichstag als Abgeordneter der NSDAP mit einem Mandat für den Wahlkreis 3 (Berlin-Ost) an. Hitler verlieh ihm den Rang eines Gauleiters der NSDAP. Krebs gehörte auch der SS (SS-Nr. 292.802) an, 1940 wurde er zum SS-Brigadeführer ernannt.

Krebs beteiligte sich als Exponent der deutschen NSDAP an der Zerstörung der Tschechoslowakei. So war er nach dem Münchner Abkommen 1938 an der Annexion des Sudetenlandes beteiligt, als es von Deutschland besetzt wurde. Von 1938 bis 1945 war er Regierungspräsident in Aussig im späteren Reichsgau Sudetenland.[4] In die Zeit seiner Verantwortung fielen das Novemberpogrom und die Zerstörung der Aussiger Synagoge. Unter Krebs wurden später die Juden in Vernichtungslager deportiert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Krebs 1947 in Prag mit weiteren ehemaligen Abgeordneten angeklagt. Vom tschechoslowakischen Volksgerichtshof wurde er wegen Hochverrats zum zum Tode verurteilt und hingerichtet.[4]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krebs war Verfasser zahlreicher Bücher und Artikel. 1937 veröffentlichte er zusammen mit Emil Lehmann das Buch Sudetendeutsche Landeskunde.

Nach Kriegsende wurden alle seine Schriften in der sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[5]

  • Katechismus der deutschen Arbeiterbewegung Österreichs. Hedeler, Leipzig 1917
  • Macht und Recht. Eine geschichtspolitische Betrachtung. Sudetendeutscher Verlag, Reichenberg (Böhmen), 1922
  • Der Kahr-Freitag. 1923
  • Hg. zus. mit Otto Prager des Buches: Weltfront. Eine Sammlung von Aufsätzen antisemitischer Führer aller Völker. Weltfront-Verlag, Aussig 1926. Beiträge u.a. von Alfred Rosenberg; Tibor von Eckhardt und Theodor Fritsch
  • Paneuropa oder Mitteleuropa?. Franz-Eher-Verlag, München 1931
  • Masaryk und der deutsche Nationalsozialismus. Über die Grundsätze und Ziele der D. N. S. A. P. in den Sudetengebieten und die Hitlerbewegung im Deutschen Reiche. Deutsche nationalsozialistische Arbeiterpartei, Abg. Hans Krebs, Kleine Wallstr. 12 : N. S. P.-Verl., Aussig 1931
  • Der Kampf um die sudetendeutsche Autonomie. Grosse Wallstr. 15 : N. S. P.-Verl., Aussig 1933.
  • (mit Emil Lehmann) Wir Sudetendeutschen!. Runge, Berlin 19383.
  • Kampf in Böhmen. Volk und Reich Verlag, Berlin 19384.
  • mit Siegfried Zoglmann: Sudetendeutschland marschiert. Verlag für soziale Ethik und Kunstpflege Dr. Friedrich Osmer, Berlin 1938
  • „Sudetendeutschland marschiert“, in Erich Kühne (Hrsg.): Sudetendeutscher Schicksalskampf. Die maßgebende Darstellung der sudetendeutschen Not in ihren Grundlagen, Zusammenhängen und Auswirkungen. Leipzig 1938 S. 53-62.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Deutsche Biographische Enzyklopädie: Band 6: Kraatz – Menges., München 2006, S. 44
  2. Goldinger: Krebs Hans. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 240.
  3. Michael Schwartz: Funktionäre mit Vergangenheit. Das Gründungspräsidium des Bundes der Vertriebenen und das "Dritte Reich." Oldenbourg, München 2013, S. 224
  4. a b c Mads Ole Balling: Zur soziokulturellen Struktur der deutschen Abgeordneten in der Tschechoslowakei und anderen ostmitteleuropäischen Staaten 1919−1945. In: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, Band 36, Nummer 1, 1995, S. 54
  5. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-k.html
  6. genaue Inhalts- und Autorenangabe in: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburgs. Bd. 1, S. 397, Berlin 2007, ISBN 3-11-019338-8