Hans Landsberger

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Hans Landsberger (* 20. August 1890 in Berlin; † 8. Januar 1941 im Camp de Gurs[1], Frankreich) war ein deutscher Komponist und Stummfilmkomponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landsberger besuchte in Berlin das Gymnasium und anschließend auch die dortige Universität. Anschließend schrieb er sich für den 30. April 1914 an der Universität Rostock ein[2] und begann im anstehenden Sommersemester mit einem Musikstudium. 1920 wurde er ebendort mit einer Doktorarbeit unter dem Titel „Die weltlichen Kantaten G. Ph. Telemans“ promoviert.[3]

Noch im selben Jahr 1920 kehrte Landsberger nach Berlin zurück und knüpfte Kontakte zur Zelluloidbranche. In nur zwei Jahren komponierte er Kinomusiken zu vier Filmen, von denen zwei Produktionen legendären Charakter besitzen: Ernst Lubitschs Kostümdrama Anna Boleyn, bei dem Landsberger auch die musikalische Leitung übernahm, und Paul Wegeners Klassiker des phantastischen Kinos Der Golem, wie er in die Welt kam. Beide Originalkompositionen galten als verschollen. Im Jahr 2018 entdeckte der Stummfilmpianist Richard Siedhoff die Originalmusik von Der Golem, wie er in die Welt kam und rekonstruierte sie für kleines und großes Orchester.[4] Die Fassung für kleines Orchester fand Ihre Uraufführung am 3. September 2020 im Deutschen Nationaltheater Weimar unter der umsichtigen wie punktgenauen Leitung von Burkhard Götze im Rahmen vom Kunstfest Weimar und der jährlichen Stummfilmretrospektive des Lichthaus Kinos Weimar.[5][6][7]

Bereits 1921, nach seiner Partitur zu dem berühmten Leinwandkammerspiel Hintertreppe, verließ Hans Landsberger die Welt des Films wieder. Seine Aktivitäten in den letzten beiden Lebensjahrzehnten liegen derzeit vollkommen im Dunkeln. Offensichtlich ließ sich Landsberger schließlich in Baden nieder von wo er als einer von etwa 6550 deutschen Juden, gemäß einem Führerbefehl die Juden in Baden, der Pfalz und im Saarland betreffend, im Oktober 1940 über das zurückgewonnene Elsass ins Lager Camp de Gurs in Südfrankreich deportiert wurde, um auf diese Weise den deutschen Südwesten, wie es hieß, „judenfrei“ zu bekommen.[8] Dort starb Dr. Hans Landsberger, möglicherweise durch eigene Hand, zum Jahresbeginn 1941 unter derzeit ungeklärten Umständen.

Filmografie (komplett)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Totenliste Camp de Gurs
  2. Immatrikulation Landsbergers
  3. Dissertation Landsbergers
  4. Richard Siedhoff - News. Abgerufen am 7. Juli 2020.
  5. Der Golem, wie er in die Welt kam. Abgerufen am 7. Juli 2020.
  6.  Kunstfest Weimar 2020 – Programm. Abgerufen am 7. Juli 2020.
  7. Verschollene »Golem«-Originalmusik erlebt »neue« Uraufführung. Abgerufen am 20. August 2020 (deutsch).
  8. Deportationen der Juden aus Baden - Pfalz - Saarland im Oktober 1940 nach Gurs