Hans Langmantl

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Hans Langmantl, ca. 1925

Hans Langmantl (eigentlich Johannes der Täufer Langmantl), (* 10. Mai 1903 in München; † 17. Februar 1956 in Grünstadt) war ein Bürger von Grünstadt und NS-Opfer. Er wurde 1935 als „staatsgefährlich“ eingestuft, da er „bewußt nur in jüdischen Geschäften kaufe“ (Haftbefehl vom 2. September 1935), später zur Wehrmacht eingezogen und auch dort verfolgt bzw. wegen „Befehlsverweigerung“ angeklagt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Langmantl und Ehefrau Henriette Langmantl geb. Leick

Hans Langmantl war in München geboren und stammte aus einer alten Müllerfamilie, die seit Generationen auf der Teufelsmühle in Dünzling, Niederbayern, ansässig ist. Er selbst erlernte ebenfalls den Müllerberuf und ging als „Lohnmüller“ auf die Wanderschaft, wobei er in den 1920er Jahren nach Mannheim – damals ein Zentrum für Großmühlen-, aber auch in das linksrheinische Bayern, die Pfalz und weiter bis nach Frankreich kam. In der Pfalz lernte er bei der beruflichen Tätigkeit auf der Dörrmühle in Bubenheim (Pfalz) seine von dort stammende Ehefrau Henriette (geb. Leick) kennen. Sie heirateten 1926 und zogen ins nahe Grünstadt, wo schon Verwandte der Frau lebten. Hier siedelte sich das Paar an und die Nachkommen leben noch heute (2010) dort.

Hans Langmantl und seine Frau waren sehr sozial eingestellt und praktizierende Katholiken; im Grünstadter Kloster der Mallersdorfer Schwestern war er ein gern und oft gesehener Helfer. Wegen Mangel an entsprechenden Stellen arbeitete Langmantl in Grünstadt nicht mehr als Müller, sondern als Schreiner in der jüdischen Möbelfabrik Seelenberger. Er war außerdem Aktivist und Vorsitzender des „Arbeiterschachklubs Grünstadt“.

Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drohschreiben der NSDAP-Ortsgruppe Grünstadt gegen Hans Langmantl, 1933
Schutzhaftbefehl des Bezirksamtes Frankenthal (Pfalz) gegen Hans Langmantl, 1935

Schon vor 1933 warnte Hans Langmantl sowohl im Familien- als auch im Freundeskreis stets vor Hitler und seiner Bewegung. Seine Devise war: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“ Da er in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund nahm, blieb es nicht aus, dass er schon kurz nach der „Machtergreifung“ denunziert wurde. Am 6. November 1933 sandte die NSDAP-Ortsgruppe Grünstadt ein Schreiben an Hans Langmantl, worin mit einer Meldung an den „nächsthöheren Vorgesetzten“ gedroht wurde, da er „sich gegen unseren Führer Adolf Hitler beleidigend geäußert“ habe. Daraufhin versucht man, ihn mit „Zuckerbrot und Peitsche“ als Parteimitglied anzuwerben. Grünstadter Bürger boten ihm sogar an, die Bezahlung einer Uniform samt Ausstattung komplett zu übernehmen, wenn er in die SS eintrete, da er ein groß gewachsener Mann mit gutem Leumund sei. Diese Ansinnen schlug er vehement aus und opponierte in seinem Umfeld weiter, oftmals mit ganz einfachen Dingen, wie mit weiterem Einkauf in jüdischen Geschäften, wo er schon immer kaufte, oder mit öffentlicher Schmückung des Schwesternhauses in der Neugasse in Grünstadt anlässlich der Fronleichnamsprozession.

Ebenso war Langmantl nicht bereit, bei seinem Arbeitgeber, dem Juden Albert Seelenberger,[1][2] zu kündigen, da dieser immer sehr anständig zu ihm gewesen sei. Schließlich erließ das Bezirksamt Frankenthal unter Datum vom 2. September 1935 einen Schutzhaftbefehl gegen ihn, da er „bis heute seine staatsfeindliche Gesinnung in keiner Weise geändert“ habe. Das bringe „er bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck“, insbesondere auch dadurch, dass „er und seine Ehefrau bewusst nur in jüdischen Geschäften“ kaufen und sich dadurch in den „Gegensatz zum nationalsozialistischen Wollen“ stellen würden. Langmantl wurde verhaftet und nach Frankenthal verbracht. Einige Tage später entließ man ihn jedoch, nachdem seine Ehefrau alle Hebel in Bewegung gesetzt und persönlich beim Bezirksamtmann (Landrat) vorgesprochen hatte. Hans Langmantl wurde unter Gestapo-Aufsicht gestellt.[3]

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Langmantl als Soldat zur Wehrmacht eingezogen. Bei der Musterung in Mainz fragte man ihn, ob er besondere Wünsche habe. Langmantl bekundete, er sei mit allem zufrieden, aber man solle ihn bitte nicht zu einer berittenen Truppe einteilen, da er Angst vor Pferden habe. Trotzdem oder deshalb musste er den ganzen Krieg über als Reiter zubringen. Am 5. Dezember 1940 trat er in Mainz bei der 1. Schwadron der Fahr-Ersatz-Abteilung Nr. 12 ein, im Kriege stand er vom 27. März 1941 bis 30. November 1944 beim Armee-Pferdepark Nr. 528, ab 1. Dezember 1944 bis zu seiner Gefangennahme auf der Halbinsel Hela in Ostpreußen beim Nachschubbataillon Nr. 582. Ab seiner Einstellung bei der Wehrmacht im Dezember 1940, wobei er im Juli 1941 bereits an die Ostfront abrückte, hatte er bis Januar 1945 nicht einen einzigen Tag Urlaub. Als seine Frau in Grünstadt sich deshalb einen Rechtsanwalt nahm und eine Eingabe machte, erhielt sie den Bescheid, dass Hans Langmantl keinen Urlaub bekommen würde, da er „politisch unzuverlässig“ sei.

Im Dezember 1944 wurde das Wohnhaus von Langmantl im Zentrum von Grünstadt nach einem Fliegerangriff stark beschädigt. Als Fliegergeschädigter konnte man ihm den für diesen Fall zustehenden Urlaub nicht mehr verweigern, sodass ihm ein Urlaubsschein vom 7. bis 28. Januar 1945 ausgestellt wurde. Während der Kriegszeit war dies sein einziger Urlaub. Danach kehrte er sofort wieder an die Ostfront zurück. Dort hatte man bereits ein erneutes Verfahren wegen Befehlsverweigerung gegen ihn eingeleitet, da er auf dem Rückzug für die Truppe ein Schaf requirieren sollte und sich die russische (oder polnische) Besitzerin vor ihm auf den Boden kniete und darum bat, es nicht zu tun, da ansonsten ihr Kind verhungern müsse. Er brachte es nicht übers Herz das Schaf zu beschlagnahmen und ging unverrichteter Dinge weg. Aufgrund einer erneuten Denunziation wurde das Verfahren wegen Befehlsverweigerung eingeleitet, wobei ihn der rasche militärische Zusammenbruch vermutlich vor Schlimmerem bewahrte.

Hans Langmantl geriet im Februar 1945 in sowjetische Gefangenschaft, flüchtete und ging zu Fuß von Ostpreußen bis nach Mannheim, wo er am 12. September 1945 eintraf. Als Kriegsverwundung trug er erfrorene Zehen davon. Nach dem Krieg lebte er mit seiner Familie weiter in Grünstadt und starb am 17. Februar 1956 an seinem Arbeitsplatz bei der Schamottestein Firma Fliesen am plötzlichen Herztod. Seine Frau Henriette Langmantl (geb. Leick) überlebte ihn um 28 Jahre und starb 1983 in Grünstadt. Beide sind auf dem städtischen Friedhof beigesetzt. Langmantl gehörte nie der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Lampert: Grünstadt einst und jetzt. Walter Lampert, Emil Sommer Verlag, Grünstadt, 1988, S. 120, 121 u. 139 (mit Abdruck der Dokumente).
  • Gerhard Willeke: Geschichte des deutschen Arbeiterschach. Alfa Druck, Göttingen 2002, ISBN 3-935586-00-0, S. 235–240 u. 299–301 (mit Foto und Dokumentenabdruck).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans Langmantl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zu Albert Seelenberger
  2. Genealogische Webseite zu Albert Seelenberger
  3. Seine Akte der Gestapostelle Neustadt an der Weinstraße wurde später im Landesarchiv Speyer archiviert.