Hans Lehner (Archäologe)

Hans Lehner, mit vollständigem Namen Johannes Evangelist Franz Xaver Lehner, (* 3. Juni 1865 in Sigmaringen; † 21. Februar 1938 in Bonn) war ein deutscher provinzialrömischer Archäologe und Museumsleiter.
Jugend und Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hans Lehner wurde als Sohn des fürstlich hohenzollernschen Hofrats, Bibliothekars und Museumsdirektors Friedrich August von Lehner (1824–1878) und der Hermine Lehner, geborene Baron, geboren.[1] Über seine Kindheit und Schul- und Studienzeit ist nur wenig bekannt. Er studierte Archäologie und Kunstgeschichte, möglicherweise an Universität Leipzig und mit Sicherheit an der Universität Straßburg, wo er 1889 unter Adolf Michaelis mit der Arbeit Über die athenischen Schatzverzeichnisse des vierten Jahrhunderts promoviert wurde.[2] Nach Absolvierung des Philosophischen Staatsexamens 1890/1891 wurde er 1891 Gymnasiallehrer in Straßburg.[3][4][5]
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits ein Jahr später, 1892 wurde Lehner im Alter von nur 27 Jahren zum stellvertretenden Direktors des Rheinischen Landesmuseums Trier ernannt, da der erste Direktor Felix Hettner für seine Aufgaben in der Reichs-Limeskommission fünf Jahre lang beurlaubt worden war. Achließend, von 1898 bis 1899 wurde er kommissarischer Leiter des Altertumsmuseums Wiesbaden als Nachfolger des nach Berlin abgerufenen Ludwig Pallats. Als Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission (RLK) war er von 1898 bis 1900 mit den Ausgrabungen am Kastell Kemel und an den Kleinkastellen „Auf dem Pohl bei Kemel“ betraut, die er 1901 publizierte.[6] Nachdem er bereits seit 1896 korrespondierendes Mitglied gewesen war, wurde er am „Winckelmannstag“ (dem 9. Dezember) 1899 zum ordentlichen Mitglied des Kaiserlich-Deutschen Archäologischen Instituts ernannt.
Am 1. April 1899 wurde Hans Lehner von insgesamt 37 Bewerbern zum Direktor des Provinzialmuseums Bonn berufen, eine Funktion, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1930 ausübte. Damit verbunden war auch eine Honorarprofessur für Rheinische Archäologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Von Anfang an bis zu seinem Dienstende betrieb er eine konsequente Publikationstätigkeit, zu der die jährlichen Ausgrabungsberichte in den Bonner Jahrbüchern gehörten, und den Ausbau des Museums zur führenden Institution ihrer Art im Rheinland, wozu auch eine deutliche Vergrößerung des Museums durch einen Erweiterungsbau diente, der 1909 eingeweiht wurde. Er organisierte das Museum als grundsätzlich multiperiodische Einrichtung, deren Präsentationsspektrum von der Urgeschichte bis in die Neuzeit reichte, jedoch einen eindeutig provinzialrömischen Schwerpunkt besaß. Durch diese Schwerpunktsetzung und das Bestreben, das Museum zur weisungsbefugten Behörde aufzubauen, kam es ab den 1920er Jahren zu gewissen Konflikten mit den anderen regionalen und lokalen Museen des Rheinlands. In Lehners Dienstzeit fielen die für die provinzialrömische Archäologie des Rheinlands bedeutsamen langjährigen (1905–1914 und 1925–1930) Ausgrabungen im Legionslager Vetera bei Xanten.[7] Die praktische Feldarbeit überließ Lehner zumeist erfahrenen Mitarbeitern wie Joseph Hagen.
Hans Lehner verstarb plötzlich und unerwartet im Alter von 72 Jahren und wurde auf dem Bonner Südfriedhof bestattet. Das ehemalige Familiengrab ist heute nicht mehr erhalten.[3][4][5]
Mitgliedschaften und Funktionen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1896: Korrespondierendes Mitglied des Kaiserlich-Deutschen Archäologischen Instituts
- 1898: Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission
- 1899: Ordentliches Mitglied des Kaiserlich-Deutschen Archäologischen Instituts, seit 1918 Archäologisches Institut des Deutschen Reiches
- 1911: Mitglied der Römisch-Germanischen Kommission
- Mitglied des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande
- Mitglied des West- und Süddeutschen Verbands für Altertumsforschung
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Über die athenischen Schatzverzeichnisse des vierten Jahrhunderts. Georgi, Bonn 1890.
- Die römische Stadtbefestigung von Trier. In: Westdeutsche Zeitschrift 15, 1896, S. 211–266.
- Führer durch das Provinzialmuseum zu Trier. Lintz, Trier 1897.
- Führer durch das Altertumsmuseum Wiesbaden. Bechtold, Wiesbaden 1899.
- Antunnacum. In: Bonner Jahrbücher 107, 1901, S. 1–36 (Digitalisat).
- Das Kastell Kemel (= Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches, Abt. B, Bd. 1, Kastell Nr. 7). Petters, Heidelberg 1901.
- Die Einzelfunde von Novaesium. In: Bonner Jahrbücher 111/112, 1904, S. 243–418 (Digitalisat).
- Führer durch das Provinzialmuseum in Bonn 2: Die mittelalterliche und neuere Abteilung. Georgi, Bonn 1913 (Digitalisat).
- Führer durch das Provinzialmuseum in Bonn 1: Die antike Abteilung. Cohen, Bonn 1915 (Digitalisat).
- Die antiken Steindenkmäler des Provinzialmuseums in Bonn. Cohen, Bonn 1918 (Digitalisat).
- Der Tempelbezirk der Matronae Vacallinehae bei Pesch. In: Bonner Jahrbücher 125, 1919, S. 74–162 (Digitalisat).
- Orientalische Mysterienkulte im römischen Rheinland. In: Bonner Jahrbücher 129, 1924, S. 36–91 (Digitalisat).
- Das Römerlager Vetera bei Xanten. Ein Führer durch die Ausgrabungen des Bonner Provinzialmuseums. Röhrscheid, Bonn 1926.
- Vetera. Die Ergebnisse der Ausgrabungen des Bonner Provinzialmuseums bis 1929. De Gruyter, Berlin & Leipzig 1930 (Digitalisat).
- (mit Walter Bader): Baugeschichtliche Untersuchungen am Bonner Münster. In: Bonner Jahrbücher 136/137, 1932, S. 1–126 (Digitalisat).
- Vetera bei Xanten. Schwann, Düsseldorf 1936.[4]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans-Eckart Joachim: Der Bonner Archäologe und Museumsleiter Hans Lehner. In: Bonner Jahrbücher 210/211 2010/2011. Zabern, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-8053-4629-0, S. 3–22 (Digitalisat).
- Franz Oelmann: Zur Erinnerung an Hans Lehner. In: Bonner Jahrbücher 143/144, 1938/39, S. 304–317 (Digitalisat) mit Schriftenverzeichnis.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lehner, Hans (1865-1938) auf Propylaeum Vitae der Universität Heidelberg
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Hans Lehner: Dr. Friedrich August Lehner, Fürstlich Hohenzollernscher Hofrat, Bibliothekar und Museumsdirektor 1864–1894. In: Zollerheimat 2, 1933, Nr. 4, S. 24–27 (Digitalisat).
- ↑ Hans Lehner: Über die athenischen Schatzverzeichnisse des vierten Jahrhunderts. Georgi, Bonn 1890.
- 1 2 Hans-Eckart Joachim: Der Bonner Archäologe und Museumsleiter Hans Lehner. In: Bonner Jahrbücher 210/211 2010/2011. Zabern, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-8053-4629-0, S. 3–22 (Digitalisat).
- 1 2 3 Franz Oelmann: Zur Erinnerung an Hans Lehner. In: Bonner Jahrbücher 143/144, 1938/39, S. 304–317 (Digitalisat) mit Schriftenverzeichnis.
- 1 2 Lehner, Hans (1865-1938) auf Propylaeum Vitae der Universität Heidelberg, abgerufen am 14. August 2026.
- ↑ Hans Lehner: Das Kastell Kemel (= Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches, Abt. B, Bd. 1, Kastell Nr. 7). Petters, Heidelberg 1901.
- ↑ Hans Lehner: Das Römerlager Vetera bei Xanten. Ein Führer durch die Ausgrabungen des Bonner Provinzialmuseums. Röhrscheid, Bonn 1926; Vetera. Die Ergebnisse der Ausgrabungen des Bonner Provinzialmuseums bis 1929. De Gruyter, Berlin & Leipzig 1930 (Digitalisat); Vetera bei Xanten. Schwann, Düsseldorf 1936.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lehner, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Provinzialrömischer Archäologe und Museumsleiter |
| GEBURTSDATUM | 3. Juni 1865 |
| GEBURTSORT | Sigmaringen |
| STERBEDATUM | 21. Februar 1938 |
| STERBEORT | Bonn |
- Provinzialrömischer Archäologe
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Bonn
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums Trier
- Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission
- Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)
- Museumsleiter (Deutschland)
- Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts
- Geboren 1865
- Gestorben 1938
- Deutscher
- Mann