Hans Luder (Hüttenmeister)

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Hans Luder und Margarethe, geborene Lindemann (1459–1531)

Hans Luder, auch Hans Luther (* 1459 in Möhra; † 29. Mai 1530 in Mansfeld) war ein deutscher Unternehmer. Er war Hüttenmeister in der Grafschaft Mansfeld, Bergmann, Grubenbesitzer und späterer Ratsherr sowie Vater des Reformators Martin Luther, der die Namensform mit „th“ erst um 1517 annahm.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war der erste Sohn einer gut situierten Großbauernfamilie in Möhra. Sein Vater war der Heine Luder (* um 1430) und die Anna Margaretha Luder, geborene Ziegler (* 1434). Hans Luder hatte zwei Brüder den Veit Luder (* um 1460) und den (Klein-)Heinz Luder (* 1478). Als ältester Sohn hatte er jedoch keinen Anspruch auf den Erbbauernhof der Familie, sein jüngerer Bruder erbte den Hof. (Klein-)Heinz Luder wurde mit einem Steueranschlag von 203 Schock Groschen veranschlagt. Er gehörte damit zu den sieben reichsten Bauern in Möhra.[2]

Die Familie führte ihren Nachnamen in unterschiedlichen Varianten: Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther. Damit führte sie sich auf den seit etwa 1302 in Möhra ansässigen Ritter Wigand von Lüder zurück, der aus dem Adelsgeschlecht von Lüder aus Großenlüder stammte.[3] Auch dieser Ort wurde abwechselnd Luodera, Lutra, Luttura und Lutar geschrieben.[4] Der Familienname Luder kann aber auch auf eine Form des Vornamens Lothar zurückgeführt werden.[5][6]

Im Sommer 1483 entschied er sich daher, mit seiner schwangeren Ehefrau Margarethe in die Grafschaft Mansfeld umzuziehen, wo Margarethes Onkel Antonius Lindemann Berggraf und Hüttenmeister in Eisleben war. Ihre erste Station war daher die Stadt Eisleben. Dort kam am 10. November 1483 ihr Sohn Martin zur Welt. Bereits im nächsten Jahr zog die Familie nach Mansfeld, wo sie zunächst zur Untermiete bei der Familie Dienstmann in einem Haus am Stufenberg lebte.[7] Wenig später bezogen die Luders ein gegenüber dem Schloss gelegenes repräsentatives Wohnhaus.[8][9] Die Residenzstadt der Grafen von Mansfeld blieb bis zum Lebensende Hans Luders dessen Wohnsitz. Wegen seines guten Startkapitals und einer Vernetzung, über die der Onkel verfügte, stieg Hans Luder bald als Hüttenmeister und Kaufmann sowie Ratsherr zu den Honoratioren der Stadt auf. Er betrieb in Mansfeld eine Schmelzhütte für die Verarbeitung von Erzen aus dem Harzbergbau.

In den frühen Dezennien des 15. Jahrhunderts entwickelte sich das Seigerhüttenverfahren mit welchem es gelang, insbesondere die häufig gemeinsam auftretenden Kupfer-Silber-Erze (siehe Kupferschiefer, Kupferbergbau), aufzutrennen. Das Saigerhüttenverfahren, das mit seiner Entwicklung eine Silberscheidung aus Kupfererzen ermöglichte, wird Johannes Funcken zwischen 1430 und 1451 aus der Reichsstadt Nürnberg zugeschrieben, es gehörte neben der Erzeugung von flüssigem, d. h. gießbarem, Eisen zu denjenigen metallurgischen Verfahren, die den Beginn der Neuzeit kennzeichnen und die eine lang andauernde technologische Stagnationsphase beendete.

Diese neuartige Hüttentechnik brachte eine größere Anzahl von externen Investoren in das sich nunmehr komplexer gestaltende ökonomische Beziehungsgeflecht ein. Die Folge waren ein Aufheben der sonst zeitlich nicht eindeutig begrenzten Pachtverträge zugunsten kürzerer Laufzeiten. Hieraus entstand eine Zweiklassenordnung der Hüttenbesitzer mit einer kleinen, wohlhabenden Elite und einem tief verschuldeten Rest an Hüttenpächtern. Hans Luder besaß in Mansfeld sieben Rennfeuer und ließ bis zu 200 Arbeiter in seinem Betrieb arbeiten. Aus der sich komplexer entwickelnden ökonomischen Situation waren nunmehr Kenntnisse für das Lesen und Aufsetzen von rechtsgültigen Verträgen notwendiger geworden, wahrscheinlich ein bedeutender Grund dafür seinen Sohn Martin Luther Rechtswissenschaften studieren zu lassen.[10][11]

Sein jüngerer Bruder Jacob Luther[12] übernahm 1530 den elterlichen Betrieb. Dabei waren die väterlichen Hütten und Bergwerke aufgrund einer Verschuldung schon im Jahre 1520 auf eine Seigergesellschaft übergegangen, so konnte Jacob nur noch die sich in seinem Besitz befindlichen Betriebe weiterführen. Er war vom Jahre 1533 bis 1560 Ratsherr und mehrfach Schultheiß in Thal Mansfeld (Mansfelder Grafschaft).[13] Hans Luder war ab dem Jahre 1520 gezwungen für einen Lohn von 50 Gulden im Jahr bei den Investoren der Seigergesellschaft von Schwarza zu arbeiten; gegründet am 4. Juli 1472 von Graf Friedrich von Henneberg-Aschach.[14][15] Eine Erfahrung die Martin Luther dazu brachte viele kaufmännischen Aktionen und die Zinsgeschäfte als Sünde aufzufassen.

Eine Tochter Dorothea Luther war mit Hüttenbetreiber vor Ort Paul Balthasar Mackenrodt verheiratet.

1507 schloss er mit Tile Rinck einen Vertrag über den Betrieb eines Hüttenwerks mit drei Schmelzfeuern vor der „Rabenkupp“ westlich von Mansfeld.[16]

Er war Mitglied in der Anna-Bruderschaft und der St.-Georgs-Bruderschaft. 1527 malte Lucas Cranach der Ältere zwei Porträts von ihm und seiner Ehefrau Margarethe.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Luder heiratete um 1479 die gleichaltrige Margarethe, geborene Lindemann (1459–1531). Margarethe ‎(† 30. Juni 1531)‎ entstammte dem in Eisenach ansässigen Bürgergeschlecht der Lindemann. Ihre Brüder waren allesamt ausgebildete Juristen. Margarethes Familie siedelte erst 1484 von Eisleben nach Mansfeld über, ursprünglich stammte ihre Familie aus Neustadt an der Saale, wo sie auch geboren wurde. Die genaue Anzahl der Kinder aus der Ehe mit Hans Luder ist unbekannt. In der Literatur ist von sieben bis zehn Kindern die Rede.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulf Sauter: Auf Martin Luthers Spuren in Stolberg/Harz. Persönlichkeiten aus dem familiären und geschäftlichen Umfeld Luthers in Stolberg/Harz. Einblicke in die Entwicklung der Reformation. Selbstverlag, Stolberg/Harz 2016, S. 82−85.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans Luther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Das Elternhaus in Mansfeld, lutherbase.de [6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willi Wild: Der Reformator war ein Luder. Interview mit Jürgen Udolph auf mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de, 7. November 2016, abgerufen am 28. Januar 2017.
  2. Miachael Fessner: Die Familie Luder in Möhra und Mansfeld. Archivalische Überlieferungen zum Elternhaus von Martin Luther. S. 78–79, Auszug, abgerufen 3. Dezember 2017 [1]
  3. A. Rübsam: Beziehungen des Adelsgeschlechts von Lüder zum Stift Fulda im Mittelalter. Fulda 1907.
  4. Horst Herrmann: Martin Luther. Ketzer und Reformator, Mönch und Ehemann. München 1999, ISBN 3-572-10044-5, S. 14.
  5. Julius Köstlin: Martin Luther. 2012, ISBN 978-5-87667-626-9 (google.de [abgerufen am 28. Januar 2017]).
  6. Willi Wild: Der Reformator war ein Luder. Interview mit Jürgen Udolph auf mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de, 7. November 2016, abgerufen am 28. Januar 2017.
  7. Die Familie Luther (Luder)
  8. Luthers Elternhaus in Mansfeld
  9. Luthers Elternhaus in Mansfeld
  10. Lyndal Roper: Der Mensch Martin Luther – Die Biographie. S. Fischer, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-10-066088-6, S. 31–52
  11. Mansfelder Rudolf Mirsch: Luther und der Bergbau. Bergbau & Hüttenwesen, 1996, www.vmbh-mansfelder-land.de[2]
  12. Otmar Hesse: Martin Luthers Brüder. Hüttenmeister Jacob Luther (1490–1571). Harz-Zeitschrift 2016. Harzverein für Geschichte und Altertumskunde e.V., Lukas Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3867-3225-22, S. 104
  13. Miachael Fessner: Die Familie Luder in Möhra und Mansfeld. Archivalische Überlieferungen zum Elternhaus von Martin Luther. S. 78–85, Auszug, abgerufen 3. Dezember 2017 [3]
  14. Saigerhütten in Thüringen. Zusammengestellt von Uta Baumfelder, Touristinformation der Gemeinde Oberland am Rennsteig, www.oberland-am-rennsteig.com, 20. Februar 2016 [4]
  15. Lyndal Roper: Der Mensch Martin Luther – Die Biographie. S. Fischer, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-10-066088-6, S. 44
  16. Schaufensterdokumente. Landesarchiv Thüringen, Digi-Ref-Projekt, abgerufen am 15. Januar 2017 (PDF, Liste von Schaufensterdokumenten, enthält einen Eintrag bzgl. Vertrag zwischen Hans Luder, Vater Martin Luthers, und Tile Rinck über den Betrieb eines Hüttenwerks mit drei Schmelzfeuern vor der „Rabenkupp“ westlich von Mansfeld, 1. August 1507, Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Magdeburg, Standort Wernigerode).
  17. Familie Martin Luther, Ahnenblatt-Familie-Martin-Luther, www.ahnenblatt.de [5]