Hans Maikowski (SA-Mitglied)

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Staatsbegräbnis für Hans Maikowski am 5. Februar 1933 in Berlin

Hans Eberhard Maikowski (* 23. Februar 1908 in Berlin; † 31. Januar 1933 ebenda)[1] war Mitglied der SA. Die NS-Propaganda stilisierte ihn wegen seines gewaltsamen Todes am Tag der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten ähnlich wie Horst Wessel zum „Blutzeugen der Bewegung“.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Maikowski zog 1923 nach Stuttgart, wo er erste Kontakte zur NSDAP hatte. Er besuchte dort die Waldorfschule, die ihn „u. a. wegen seiner antisemitischen Haltung“ relegierte. Ab 1924 zurück in Berlin, schloss er sich dem als Sportverein getarnten Wehrverband Olympia und dem Frontbann Nord an. Von 1924 bis 1925 war er Soldat der Reichswehr. Von 1926 bis 1928 absolvierte er eine Lehre als Gärtner. Maikowski war 1926 erster Fahnenträger der Berliner SA und gründete 1929 die „Arbeiterjugend Charlottenburg“.[3]

Vom 20. Februar 1931 bis zu seinem Tod war er Führer des SA-Sturm 33 in Berlin-Charlottenburg. Auf das Konto des „Mördersturm 33“[4] gingen zahlreiche Morde an politischen Gegnern in den frühen 30er Jahren. Maikowski selbst flüchtete kurzzeitig ins Ausland, nachdem er sich über einen Anwalt schuldig bekannt hatte, den Arbeiter Walter Lange am 9. Dezember 1931 im Verlauf einer Straßenschlacht in der heutigen Otto-Suhr-Allee erschossen zu haben.[5] Zurückgekehrt wurde er im Oktober 1932 verhaftet, aber im Zuge der Weihnachtsamnestie 1932 auf freien Fuß gesetzt.[6] Danach war er beim Völkischen Beobachter tätig.[3]

Am 30. Januar 1933 nahm Maikowski am Fackelzug zur Feier der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler teil. Auf dem Rückmarsch machte der von Maikowski angeführte Sturm 33 in provokatorischer Absicht einen Umweg durch die vorwiegend von KPD-Anhängern bewohnte Wallstraße in Charlottenburg. Dort kam es zu einem Schusswechsel mit Anwohnern, bei dem der Polizist Josef Zauritz erschossen und Maikowski schwer verletzt wurde, der im Krankenhaus Westend starb.[7]

Die Umstände der Tat blieben ungeklärt. Die nationalsozialistische Propaganda schrieb die Taten den Kommunisten zu. Diese beharrten darauf, keinen Schuss abgegeben zu haben, und benannten einen Zeugen, der einen SA-Mann bezichtigte. Ein großer Schauprozess gegen 56 Angeklagte, fast alle Mitglieder der KPD, endete mit Verurteilungen zu insgesamt 39 Jahren Zuchthaus und 95 Jahren Gefängnis, ohne dass einem die direkte Tatbeteiligung nachgewiesen werden konnte, und mit einem Freispruch. Aussagen von SA-Kameraden Maikowskis gegenüber dem Geheimen Staatspolizeiamt aus dem Juni 1933, die den SA-Mann Alfred Buske (1912–1934) als Täter bezeichneten, blieben geheim und wurden 1943 vernichtet. Weitere Indizien stützen die Täterschaft Buskes. Seine Kameraden tilgten in späteren Auflagen ihres Gedenkbuchs Sturm 33, Hans Maikowski jeden Verweis auf Buske und ersetzten ihn auf einem Foto mittels Retusche durch den SA-Mann Paul Foyer, einen der Hauptangeklagten im Prozess zum Mord an Otto Grüneberg.[8]

Die nationalsozialistische Propaganda stellte Maikowski als Märtyrer heraus. Am 5. Februar 1933 inszenierte der Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels eine Großveranstaltung in Form eines Staatsbegräbnises für beide Opfer in Berlin. Es bestand aus einem Trauergottesdienst des DC-Pfarrers Joachim Hossenfelder im Berliner Dom und einem feierlichen Trauerzug zum Invalidenfriedhof, wo die Beisetzungen nach Trauerreden von Hermann Göring und Goebbels sowie Fritz-Otto Busch erfolgten.[9] Die Veranstaltung, an der 600.000 Menschen teilgenommen haben sollen,[10] übertrugen reichsweit alle Rundfunksender.[11] und auszugsweise in den NS-Propagandafilm Deutschland erwacht (1933) einmontiert. Die SA-Standarte 1 trug später den Namen „Hans Maikowski“.[12] In vielen deutschen Städten und Gemeinden erhielten Straßen seinen Namen.[13] Am Ort seines Todes, Wallstraße 52, nun „Maikowskistraße“, erinnerte eine Gedenktafel an ihn, wie auch ab 1937 ein Gedenkbrunnen in der nahen Richard-Wagner-Straße.[8] Keine der zahlreichen öffentlichen Ehrungen Maikowskis überstand die Hitlerzeit.[14] Nach einer Zeugenaussage vom 18. Februar 1943 soll der Maikowski von dem „SA-Mann Buske“ […] „erschossen worden sein“.[15] Im Jahr 2008 löste ein Bericht des RBB über den Wunsch von NPD-Bundesvorstand Eckart Bräuniger nach der Benennung einer Charlottenburger Straße in „Hans-Maikowski-Ring“ Empörung aus.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Totenschein im Landesarchiv Berlin, A Rep. 358-01 Nr. 7086
  2. To Die for Germany, Jay W. Baird, Indiana University Press (September 1992)
  3. a b Maikowski, Hans Eberhard, in: Marcus Weidner: Die Straßenbenennungspraxis in Westfalen und Lippe während des Nationalsozialismus. Datenbank der Straßenbenennungen 1933-1945, Münster 2013 ff. auf dem Internet-Portal „Westfälische Geschichte“, Stand: 12. Dezember 2013
  4. Sven Reichardt: Der Charlottenburger SA-"Mördersturm 33" (1928-1932), in: Knoch, Habbo (Hrsg.): Täterinnen und Täter, Hamburg 2002.
  5. Sozialdemokratischer Pressedienst vom 4. Februar 1933 (PDF; 2,7 MB) bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
  6. Stephan Brandt:Die Charlottenburger Altstadt, Sutton Verlag, Erfurt 2011. ISBN 978-3-86680-861-4. S. 45.
  7. Bernhard Sauer: „Goebbels Rabauken“ (PDF; 1,7 MB). In: Landesarchiv Berlin: Berlin in Geschichte und Gegenwart. 2006, S. 107–164; hier S. 139.
  8. a b Stephan Brandt:Die Charlottenburger Altstadt, Sutton Verlag, Erfurt 2011. ISBN 978-3-86680-861-4. S. 100.
  9. http://www.dra.de/online/hinweisdienste/dra_info_audio/dia_2008-1.pdf S. 35
  10. Die Tagebücher von Joseph Goebbels (hrsg. von Elke Fröhlich) Teil 1 / Bd. 2/III, München 2006, ISBN 978-3-598-23788-1, S. 124f (6. Februar 1933)
  11. Memorial ceremonies for SA-Sturmfuehrer Hans Eberhard Maikowski im Bestand der G. Robert Vincent Voice Library, Michigan State University Libraries
  12. Bundesarchiv, Bestand NS 23/339
  13. Historische Straßennamen in Bayreuth
  14. Marie-Luise Kreuter: Der rote Kietz. In: Helmut Engel, Stefi Jersch-Wenzel, Wilhelm Treue (Hrsg.): Charlottenburg. Teil 1. Die historische Stadt. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1986, ISBN 3-87584-167-0, S. 158–177; zu Maikowski S. 165–174, 177
  15. Faksimilie in Bernhard Sauer, S. 34.
  16. NPD-Blog.info mit Video des RBB Berichts