Hans Moke Niemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hans Moke Niemann (geboren am 20. Juni 2003 in San Francisco, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Schachspieler. Er trägt seit 2021 den Titel eines Großmeisters.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niemann wurde 2003 im kalifornischen San Francisco geboren, seine Familie ist dänischer und hawaiianischer Abstammung.[1] Als Kind zog er mit seiner Familie in die Niederlande, wo er im Alter von acht Jahren das Schachspiel erlernte. Zudem war er in den Niederlanden einer der besten Radfahrer seiner Altersklasse. Mit 9 Jahren kehrte er in die Vereinigten Staaten nach Orinda in der San Francisco Bay Area zurück. Dort spielte er im Dezember 2012 an der Fremont Middle School sein erstes gewertetes Schachturnier. Er hörte mit dem Radfahren auf und begann sich auf Schach zu konzentrieren. Innerhalb eines Jahres spielte Niemann nach eigener Aussage 100 Turniere und steigerte seine Wertungszahl von rund 1000 auf 2000. Im Alter von 12 Jahren zog er mit seiner Familie nach Connecticut an die Ostküste der USA um. Drei Jahre nach seinem ersten Turnier hatte Niemann eine Elo-Zahl von 2400. In den folgenden zweieinhalb Jahren stagnierte die Entwicklung seiner Elo allerdings. Niemann selbst begründet dies damit, dass er wieder regulär zur Schule ging, nachdem er in der siebten Klasse zuhause unterrichtet worden war und dabei mehr Zeit für Schachturniere gehabt hatte, zudem habe er Schach in jener Zeit nicht ernst genug genommen. Im Jahr 2016 wurde er FIDE-Meister, 2018 erhielt er den Titel Internationaler Meister, wobei ihm auch seine erste Großmeisternorm gelang. Mit dem Beginn der Highschool (Herbst 2016) konzentrierte er sich mehr auf die Schule, da er den Traum einer Profikarriere als Schachspieler verworfen hatte. Daher spielte er deutlich weniger Schach, zudem konnte er in dieser Zeit schlecht mit Niederlagen umgehen. Als Schachspieler war er vor allem im Sommer aktiv. Bei den U.S. Masters im Sommer 2019 verpasste er seine zweite Großmeisternorm nur um einen halben Punkt, was er als schweren Rückschlag ansah.[2][3][4]

Dank eines Stipendiums konnte Niemann im Herbst 2019 für sein drittes Highschooljahr auf die Columbia Grammar & Preparatory School in New York City wechseln − an der mit Marc Tyler Arnold zuvor bereits ein weiterer US-amerikanischer Großmeister zur Schule gegangen war − während Niemanns Familie in Connecticut blieb. Um seine Miete in New York zahlen zu können, arbeitete er 20 bis 30 Stunden pro Woche als Schachtrainer, wodurch seine Leidenschaft zum Schach neu entfacht wurde. Im Dezember 2019 erspielte Niemann seine zweite GM-Norm. Da ihm infolge der COVID-19-Pandemie Einnahmen durch Schachtraining verloren gingen, konzentrierte Niemann sich mehr auf Online-Blitzschach und via Twitch Streams zu veranstalten. Im Oktober 2020 gelang ihm beim Charlotte Chess Center & Scholastic Academy GM Norm Invitational seine dritte und letzte Großmeisternorm. Im Dezember 2020 erreichte er bei einem Turnier im spanischen Sitges erstmals eine Elo-Zahl von über 2500, die zur Verleihung des Großmeistertitels notwendig ist. Niemann wurde daraufhin im Januar 2021 zum Großmeister ernannt.[2][4][5]

Bei der U.S. Junior Championship in St. Louis im Juli 2021 gewann Niemann den Titel und qualifizierte sich damit zur US-Meisterschaft der Erwachsenen.[6] Im März 2022 war Niemann mit einer Elo-Zahl von 2648 erstmals in den Top 100 der Weltrangliste zu finden.[7]

Beim Sinquefield Cup machte Niemann in der dritten Runde am 4. September 2022 mit einem Schwarzsieg über den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen auf sich aufmerksam.[8] Mit diesem Sieg erreichte er die Marke von 2700 Elo-Punkten.[9] Carlsen zog sich nach der Niederlage ohne direkte Angabe von Gründen aus dem Turnier zurück, was sofort Spekulationen über mögliche Manipulationen durch Niemann auslöste,[10] für die es aber laut Hauptschiedsrichter Chris Bird keine Anhaltspunkte gibt.[11] Am 19. September 2022 trafen Niemann und Carlsen beim online ausgetragenen Julius Bär Generation Cup erneut aufeinander, wobei Carlsen im zweiten Zug aufgab, ohne dafür eine Erklärung zu liefern, was die Kontroverse weiter befeuerte.[12]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der United States Chess League spielte Niemann 2014 für die San Francisco Mechanics und 2015 für den Meister Manhattan Applesauce. In der deutschen Bundesliga spielt er seit der Saison 2021/22 für den SK Doppelbauer Kiel.[13]

Elo-Entwicklung[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carlos Colodro: Hans Niemann dominiert Capablanca Memorial. In: Chessbase. 2. Mai 2022, abgerufen am 6. September 2022.
  2. a b Hans Niemann: The Road To Grandmaster. In: Chess Life. Abgerufen am 6. September 2022 (englisch).
  3. Carly Stern: The KING'S Gambit! Teen chess player draws comparisons to hit Netflix show after becoming a Grandmaster at AGE 17 - having taught himself the game when he was just eight years old. In: Daily Mail. 30. August 2021, abgerufen am 6. September 2022 (englisch).
  4. a b Hans Niemann: Hans Niemann Reflects on his Perfect Grade Nationals auf der Website der United States Chess Federation. 13. Januar 2020, abgerufen am 6. September 2022 (englisch).
  5. Niemann on Earning the GM Title auf der Website der United States Chess Federation. 25. Januar 2021, abgerufen am 6. September 2022 (englisch).
  6. Peter Doggers: Niemann Clinches U.S. Junior Championship; Wang Wins Girls’ Title auf chess.com. 26. Juli 2021, abgerufen am 6. September 2022 (englisch).
  7. Live Chess Ratings, Top 100 vom 6. März 2022 (Memento vom 6. März 2022 im Internet Archive)
  8. André Schulz: Sinquefield Cup: Niemann schlägt Carlsen. In: Chessbase. 5. September 2022, abgerufen am 6. September 2022.
  9. Colin McGourty: Sinquefield Cup 3: Niemann beats Carlsen to cross 2700 auf chess24.com. 5. September 2022, abgerufen am 6. September 2022 (englisch).
  10. Vanessa West: Magnus Carlsen Withdraws From Sinquefield Cup auf chess.com, abgerufen am 7. September 2022
  11. Chris Bird: "2022 Sinquefield Cup Chief Arbiter’s Statement", abgerufen am 12. September 2022
  12. André Schulz: Generation Cup: Carlsen gibt Partie gegen Niemann nach einem Zug auf . In: Chessbase. 19. September 2022, abgerufen am 22. September 2022.
  13. Bundesliga Ergebnisdienst. SK Doppelbauer Turm Kiel. In: ergebnisdienst.schachbund.de. Abgerufen am 9. September 2022.
  14. Zahlen gemäß Elo-Listen der FIDE. Datenquellen: fide.com (Zeitraum seit 2001), olimpbase.org (Zeitraum 1971 bis 2001)