Hans Peter Willberg

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Hans Peter Willberg (* 4. Oktober 1930 in Nürnberg; † 29. Mai 2003 in Eppstein) war ein deutscher Typograf, Illustrator, Buchgestalter, Hochschullehrer und Fachautor. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Buchgestalter der Nachkriegszeit.

Hans Peter Willberg studierte von 1952 bis 1957 sechs Semester an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und anschließend an der Kunstakademie Stuttgart, wo er die Fächer Buchgestaltung und Typografie bei Walter Brudi und Illustration bei Karl Rössing belegte. Nach einiger Zeit als freischaffender Buchgestalter wurde er 1968 Geschäftsführer der 1966 gegründeten Stiftung Buchkunst in Frankfurt am Main. In den folgenden Jahren gab er mehrere Bücher heraus, so 1981 gemeinsam mit Monika Müller-Thomas Schriften erkennen. Eine Typologie der Satzschriften für Grafiker, Setzer, Buchhändler und Kunsterzieher und es folgte 1984 sein eigenes Werk „Buchkunst im Wandel. Die Entwicklung der Buchgestaltung in der Bundesrepublik Deutschland“.

Mit mehreren Kollegen seines Fachgebietes initiierte Willberg seit 1983 die Gründung einer Plattform für Typografie. Im darauffolgenden Jahr erfolgte im Oktober die Gründung des „Forums Typografie“ in Berlin, deren Vorsitzender er viele Jahre war und damit wesentlichen Einfluss auf neue Entwicklungen im Bereich der Schriftgestaltung sowie Schriftentwicklung nehmen konnte. Von 1975 bis zu seiner Emeritierung 1996 war er Professor für Typografie und Buchgestaltung am Studiengang Kommunikationsdesign der Fachhochschule Mainz. Eine seiner wichtigsten Maximen im Bereich der Lehre war hier fordern und fördern. Als Hochschullehrer prägte er eine neue Generation von erfolgreichen Buch- und Schriftgestaltern mit, „die nicht nach typografischen Dogmen gestalten, sondern für die Augen der Leser“[1]. Für den in Zürich gegründeten Manesse Verlag schuf Willberg 1988 eine Verlegermarke und gestaltete – zusammen mit seiner Frau Brigitte, die ebenfalls Buchgestalterin ist – die Buchreihen Manesse Bibliothek der Weltgeschichte und die Manesse Bücherei.[2]

Eine wichtige Initiative zur Entwicklung und Motivation des künstlerischen Nachwuchses war die Initiative der Stiftung Buchkunst 1989 zur Vergabe des „Förderpreises für junge Buchkunst“. Kriterium für diesen jährlichen Wettbewerb sind besonders innovative und zukunftsweisende Konzepte zur Gestaltung und Weiterentwicklung des Mediums Buch durch junge Buchkünstler. Mit der Deutschen Einheit 1990 erweiterte sich glücklicherweise der Aktivitätenraum auch im Bereich der Buchbranche und es fanden ab diesem Jahre intensive Kommunikationen und Verständigungen zwischen Hans Peter Willberg und dem in Leipzig tätigen Professor Albert Kapr (1918–1995) statt, die bis hin zum gemeinsamen Handeln an den beiden traditionsreichen deutschen Buchstandorten Frankfurt/Main und Leipzig führten. Im Jahre 1991 wurde die Stiftung für Buchkunst mit dem seit 1963 in Leipzig ausgetragenen internationalen Wettbewerb „Schönste Bücher aus aller Welt“ betraut, der ebenfalls jährlich stattfindet. Aus den eingegangenen Einsendungen werden in jedem Jahr die 14 schönsten Bücher ausgewählt und mit dem „Goldenen Letter“ geehrt. Zur Auswahlkommission gehörte viele Jahre auch Willberg dazu. Für seine hervorragenden Verdienste auf dem Gebiet der Buchkunst erhielt er am 6. Mai 1992 den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen folgten.

Weitere Veröffentlichungen aus seiner Feder waren dann ab Ende der 1990er Jahre gemeinsam mit Friedrich Forssman 1997 Lesetypographie, ebenfalls gemeinsam mit Friedrich Forssman das Buch Erste Hilfe in Typografie. Ratgeber für den Umgang mit Schrift. 1999, sein eigenes Werk Typolemik. Streiflichter zur Typographical Correctness / Typophilie. Geliebte Bücher im Jahre 2000 und ein Jahre später erschien seine Publikation „Wegweiser Schrift“. Damit nahm er fortlaufend darauf Einfluss, dass die in den letzten Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen zur Neuausrichtung der Buch- und Schriftkunst unter den Bedingungen wesentlich verbesserter, aber auch industriell nutzbarer Werkzeuge nicht verloren gingen und einer wissenschaftlichen Bewertung unterzogen wurden. Generell hat er in seinem beruflichen Entwicklungsweg unzählige Bücher gestaltet und wichtige Standartwerke, die bis heute ihre Akzeptanz erhalten haben, geschrieben. Mit seinen Arbeiten gehört er mit zu den bekanntesten Buchgestaltern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seiner Tätigkeit als Typograph hatte er darüber hinaus die Willberg-Schriftklassifikation entwickelt, die neben der DIN-Klassifikation zu einer der wichtigsten Kriterien gehört, um eine genaue Einordnung von Schriften zu ermöglichen.[3]

Hans Peter Willberg verstarb nach schwerer Krankheit am 29. Mai 2003 in Eppstein. Sein Nachlass befindet sich im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.[4]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schriften erkennen. Eine Typologie der Satzschriften für Grafiker, Setzer, Buchhändler und Kunsterzieher, (gemeinsam mit Monika Müller-Thomas), Maier, Ravensburg 1981, ISBN 3-473-61581-1. Neuausgabe von Daniel Sauthoff, Gilmar Wendt und Willberg unter dem Titel: Schriften erkennen. Eine Typologie der Satzschriften für Studenten, Grafiker, Setzer, Kunsterzieher und alle PC-User. Schmidt, Mainz 1996, ISBN 3-87439-373-9, ISBN 3-87439-418-2.
  • Buchkunst im Wandel. Die Entwicklung der Buchgestaltung in der Bundesrepublik Deutschland. Stiftung Buchkunst, Frankfurt 1984, ISBN 3-76571282-5
  • Lesetypographie. (gemeinsam mit Friedrich Forssman) Schmidt, Mainz 1997, ISBN 3-87439-375-5 (4. überarb. Auflage 2005 unter dem Titel Lesetypografie, ISBN 3-87439-652-5).
  • Erste Hilfe in Typografie. Ratgeber für den Umgang mit Schrift. (gemeinsam mit Friedrich Forssman) Schmidt, Mainz 1999, ISBN 3-87439-474-3 (7. Auflage 2013).
  • Typolemik. Streiflichter zur Typographical Correctness / Typophilie. Geliebte Bücher. Schmidt, Mainz 2000, ISBN 3-87439-541-3.
  • Wegweiser Schrift. Erste Hilfe für den Umgang mit Schriften, was paßt, was wirkt, was stört. Schmidt, Mainz 2001, ISBN 3-87439-569-3 (4. Auflage 2011).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biografie über Hans Peter Willberg, in: https://gut-zum-druck.org/biografien/
  2. In Google Books: Marion Janzin, Joachim Güntner: Das Buch vom Buch: 5000 Jahre Buchgeschichte, Schlütersche, 2007, S. 447, ISBN 978-3-8999-3805-0
  3. Ralf Herrmann, Kurzbiografie über Hans Peter Willberg, 12. Februar 2013 in: https://www.typografie.info/3/Personen/wiki.html/hans-peter-Willberg-r33/
  4. Vor- und Nachlässe zur Buch- und Medienkultur. Abgerufen am 11. Juni 2018.