Hans Rainer Sepp

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Hans Rainer Sepp (2001)

Hans Rainer Sepp (* 9. September 1954 in Rottenbuch, Oberbayern) ist ein deutscher Philosoph.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Rainer Sepp studierte von 1974 bis 1979 an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Philosophie und Germanistik. Er schloss sein Studium mit dem Magister Artium (M.A.) ab und war von 1982 bis 1992 als Mitarbeiter des Husserl-Archivs der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br. bei Werner Marx Koeditor von Bänden der Gesammelten Werke Edmund Husserls (Husserliana). 1991/1992 promovierte Sepp an der Universität München bei Eberhard Avé-Lallemant. 2004/2005 habilitierte er sich an der Fakultät für Humanwissenschaften der Karls-Universität in Prag und an der Technischen Universität Dresden.

1993 begründete Sepp die internationale Buchreihe Orbis Phaenomenologicus, die er seither zusammen mit Kah Kyung Cho (Buffalo) und Yoshihiro Nitta (Tokyo) herausgibt und inzwischen (2011) knapp 70 Bände umfasst. Seit 1996 lehrt er Philosophie an der Karls-Universität Prag. Er war maßgeblich am Ausbau des Prager Jan Patočka-Archivs zu einem internationalen Zentrum für phänomenologische Forschung beteiligt und ist heute, gemeinsam mit Karel Novotný, Direktor des Mitteleuropäischen Instituts für Philosophie (Středoevropský Institut Filosofie, SIF) in Prag. Außerdem ist Sepp Direktor des Eugen Fink-Archivs in Freiburg i. Br. und Mitglied des Executive Committee von O.P.O. (Organization of Phenomenological Organizations)[1]. 2004 initiierte Sepp die Edition der „Eugen Fink Gesamtausgabe“, die er gemeinsam mit Stephan Grätzel und Cathrin Nielsen herausgibt. Sepp hat Gastvorlesungen u. a. in St. Petersburg, Toulouse, Tokio, Hongkong und Mexiko gehalten. Ihm zu Ehren veröffentlichte 2005 und 2006 das Prager Center for Phenomenological Research zwei Bände des Jahrbuchs "Focus Pragensis".

Sepps Arbeitsgebiete sind vor allem: Phänomenologie, Ethik, Ästhetik, Interkulturelle Philosophie, Philosophische Anthropologie. Nach Untersuchungen zu den praktisch-ethischen Konsequenzen der phänomenologischen Veränderung des Weltbezugs am Beispiel des Problems der Grenze, der Bildstruktur und des Lebensbegriffs beschäftigt sich Sepp vor allem mit dem Konzept einer „Philosophischen Europa-Forschung“ und mit einer auf der Grundlage einer erneuerten Phänomenologie der Leiblichkeit erarbeiteten „Oikophilosophie“.

1988 realisierte Sepp die Ausstellung „Edmund Husserl und die Phänomenologische Bewegung“, die bis 1992 in Freiburg i. Br., München, Halle, Wien, Leuven, Paris, Triest, Neapel, Prag, Prostějov, New York, Chicago und Pittsburgh gezeigt wurde, und 2004 organisierte er im Prager Carolinum die philosophische Kunstausstellung „art&fenomen“. 2000 verfasste er das Theaterstück „schattenreich. Husserl und Heidegger über die Zeit, das Leben und den Tod“, das unter der Regie von Hans J. Ammann im Theater Freiburg aufgeführt und ins Spanische, Chinesische und Japanische übersetzt wurde.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Praxis und Theoria. Husserls transzendentalphänomenologische Rekonstruktion des Lebens (Phänomenologie Kontexte, Bd. 1), Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. /München 1997. ISBN 978-3-495-47842-4.
  • Über die Grenze (libri nigri, Bd. 1). Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2014. ISBN 978-3-88309-793-0.
  • Bild. Phänomenologie der Epoché I (Orbis phaenomenologicus, Studien Bd. 30). Königshausen & Neumann, Würzburg 2012. ISBN 978-3-8260-4941-5.
  • Philosophie der imaginären Dinge (Orbis phaenomenologicus, Studien Bd. 30). Königshausen & Neumann, Würzburg 2017. ISBN 978-3-8260-5944-5.

Herausgeberschaft von Buchreihen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeberschaft von Werken (Auswahl[4])[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Thomas Nenon: Edmund Husserl: Aufsätze und Vorträge 1911–1921 (Husserliana XXV, Kluwer, Dordrecht 1987) und 1922 -1937 (Husserliana XXVII, Kluwer, Dordrecht 1989)
  • Edmund Husserl und die Phänomenologische Bewegung. Zeugnisse in Text und Bild. Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. /München 1. u. 2. Aufl. 1988. ISBN 3-495-47636-9.
  • mit Ludger Hagedorn: Jan Patočka. Texte - Dokumente - Bibliographie. (Orbis Phaenomenologicus. Quellen Bd. 2). Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. /München 1999. ISBN 978-3-495-47904-9.
  • Metamorphose der Phänomenologie. Liber amicorum für Meinolf Wewel. (Phänomenologie. Kontexte, Bd. 7) Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. / München 1999. ISBN 3-495-47855-8.
  • mit Jürgen Trinks: Literatur als Phänomenalisierung. 2003. ISBN 3-85132-367-X, und Phänomenalität des Kunstwerks. 2006. ISBN 3-85132-465-X. Verlag Turia + Kant, Wien
  • mit Ichiro Yamaguchi: Leben als Phänomen. Die Freiburger Phänomenologie im Ost-West-Dialog. (Orbis Phaenomenologicus. Perspektiven NF 13) 2006. ISBN 978-3-8260-3213-4.
  • mit Jaromir Brejdak, Reinhold Esterbauer u. Sonja Rinofner-Kreidl: Phänomenologie und Systemtheorie (Orbis Phaenomenologicus. Perspektiven NF 8). 2006. ISBN 3-8260-3143-1.
  • mit Dietrich Gottstein: Polis und Kosmos. Perspektiven einer Philosophie des Politischen und einer Politischen Kosmologie (Orbis Phaenomenologicus. Perspektiven NF 16). 2008. ISBN 978-3-8260-3498-5.
  • mit Ada Neschke: Philosophische Anthropologie. Ursprünge und Aufgaben (Philosophische Anthropologie – Themen und Positionen 1). Verlag Traugott Bautz, Nordhausen. 2008. ISBN 978-3-88309-442-7.
  • mit Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Susan Gottlöber u. René Kaufmann: Europäische Menschenbilder. Universitätsverlag Thelem, Dresden. 2009. ISBN 978-3-939888-50-5.
  • mit Lester Embree: Handbook of Phenomenological Aesthetics. Springer Netherlands, Dordrecht 2010. ISBN 978-90-481-2471-8.
  • mit Helga Blaschek-Hahn: Heinrich Rombach. Strukturontologie - Bildphilosophie - Hermetik. (Orbis Phaenomenologicus. Perspektiven NF 2) 2010. ISBN 978-3-8260-4055-9.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 1. Juli 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.o-p-o.net
  2. Eine Reihe, deren Bände „dem intellektuellen ‚Experiment’ gerecht werden und daher nicht unbedingt den Zwängen eines Mainstream-Denkens Folge leisten. Es sind Bücher, denen es erlaubt ist, das Zentrum zu verlassen und von den Grenzen her zu denken“. Silvia Stoller in "Journal Phänomenologie", Wien 2011
  3. "Die libri virides versammeln auf den Gebieten der Philosophie und der philosophisch inspirierten Wissenschaften herausragende Texte junger Autorinnen und Autoren. Mit ihnen soll ein Forum bereitstehen, das die Ideen und die Forschungsergebnisse einer neuen Generation vorstellt.' Sepp hat sich Zeit seines wissenschaftlichen Arbeitens nicht nur um eine Öffnung der Phänomenologie in Richtung Interkulturalität bemüht und dort insbesondere den asiatischen Raum mit ihren neueren phänomenologischen Entwicklungen erschlossen, seine spezifische Leistung besteht auch in der fortdauernden und unermüdlichen Förderung junger Phänomenologinnen und Phänomenologen. Diese Reihe verleiht diesem Bemühen einmal mehr Ausdruck." Silvia Stoller in "Journal Phänomenologie", Wien 2011
  4. Bei Bänden der Orbis-Reihe NF sind jeweils außer Titel nur Abteilung, Bandzahl, Erscheinungsjahr und ISBN genannt. Weitere Werke siehe Webseite des Mitteleuropäischen Instituts für Philosophie: SIF Praha.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]