Hans Rudolf Wöhrl

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Dagmar Wöhrl, Hans Rudolf Wöhrl (2013)

Hans Rudolf Wöhrl (* 20. November 1947 in Nürnberg) ist ein deutscher Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Rudolf Wöhrl erwarb 1963 die mittlere Reife. Danach besuchte er die dreijährige sogenannte Internationale Wirtschaftsoberschule in London und Genf, die er jedoch nicht mit dem Abitur abschloss. Nach einer Ausbildung (von 1965 bis 1967) zum Einzelhandelskaufmann übernahm Wöhrl 1970 zusammen mit seinem Bruder das von seiner Mutter Berta und seinem Vater Rudolf gegründete Modehaus gleichen Namens in Nürnberg, das damals über fünf Filialen verfügte. Die Rudolf Wöhrl AG machte im Geschäftsjahr 2007/2008, das am 31. März 2008 endete, etwa 360 Millionen Euro Umsatz und betreibt 40 Modehäuser in Deutschland. Als einer der ersten Großunternehmer führte Wöhrl die Vier-Tage-Woche für seine Mitarbeiter ein.

Im Frühjahr 2006 stieg die Rudolf Wöhrl AG, an der Hans Rudolf Wöhrl 30 % der Anteile hält, mit 25,1 % bei der Ludwig Beck AG mit einem Umsatz von 87,38 Millionen Euro (2006) ein.

2013 übernahm Wöhrl sämtliche Hotels der Gruppe Gold Inn AG und nannte die Hotelgruppe Dormero.

Luftfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Standbein Wöhrls ist die Fliegerei. Der Unternehmer, der als 18-Jähriger seinen ersten Pilotenschein erwarb, gründete 1974 die regionale Fluggesellschaft Nürnberger Flugdienst (NFD), für die er immer wieder auch selbst als Flugkapitän im Cockpit saß. Als der NFD 1992 mit der Deutschen Regionalflug zur Eurowings verschmolz, verkaufte Wöhrl seinen Anteil am Unternehmen und stieg bei der Saarland Airlines ein. Nach dem Konkurs der Gesellschaft blieb er der Luftfahrt als Pilot und Berater eng verbunden.

In das aktive Airlinegeschäft kehrte er im Sommer 2003 zurück, als er (über das Beteiligungsunternehmen Intro Verwaltungsgesellschaft GmbH) von British Airways für einen symbolischen Euro deren defizitäre Tochter Deutsche BA (später umbenannt in dba) kaufte. Im Februar bis Juni 2006 erwarben die Intro mit 55 % und die MIC GmbH mit 45 % (Eigentümer ist der langjährige LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach) alle Anteile der LTU-Luftverkehrsgesellschaft in Düsseldorf und starteten ein konsequentes Sanierungsprogramm.

Am 17. August 2006 wurde bekannt gegeben, dass Air Berlin die zwischenzeitlich wieder profitable dba für etwa 120 Millionen Euro von Wöhrl kaufen wird. Im August 2007 übernahm Air Berlin auch die zwischenzeitlich sanierte LTU. Im April 2009 gab es Spekulationen, der Unternehmer könnte LTU wieder von Air Berlin zurückkaufen.[1]

Zum 1. Januar 2011 verkaufte Wöhrl seine Anteile an der Rudolf Wöhrl AG.[2]

Ebenfalls im Januar 2011 gab Wöhrl bekannt, eine neue Fluggesellschaft mit dem Namen flynext zu gründen und europäische Flüge anzubieten.[2] Dazu wurde die Firma Alpha Exec übernommen und umgebaut. Im Juni 2011 wurde der Flugbetrieb aufgenommen.[3] Bereits im Oktober 2011 verkaufte Wöhrl die Fluglinie an Germania weiter, wo sie später in Germania Express umbenannt wurde.[4] Im Februar 2012 übernahm Hans Rudolf Wöhrl mit Peter Oncken, u. a. mit ihrer Beratungs- und Investmentfirma Intro Aviation GmbH, 74,9 % der Anteile bei der österreichischen Regionalfluggesellschaft InterSky.[5] Im Dezember 2013 wurde bestätigt, dass Wöhrl mit seiner Firma Intro Aviation die Fluggesellschaften CityJet und VLM Airlines von Air France-KLM kaufen wird.[6] Sie sollen mit Intersky vereinigt werden und zu einer europäischen Regionalfluglinie ausgebaut werden.[7]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wöhrl hat fünf Kinder. Seit 1984 ist er in zweiter Ehe mit der CSU-Bundestagsabgeordneten, früheren parlamentarischen Staatssekretärin und ehemaligen Miss Germany Dagmar G. Wöhrl verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Der Sohn Marcus (* 1985) kandidierte 2004 wie auch 2009 erfolglos für das Europaparlament. Nachdem die CSU-Führung seine Mutter 2009 nicht wieder als Staatssekretärin nominiert hatte, trat Marcus Wöhrl aus der Partei aus.[8] 2014 übernahm Marcus die Geschäftsführung eines Hotels in Berlin.[9] Bereits seit November 2013 war er Alleinvorstand der familieneigenen Hotelgruppe.[10]

Der Sohn Emanuel Nicolai (* 26. August 1988) starb am 1. Juli 2001 nach einem Unfall.[11][12]

Vermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Wöhrl gilt als einer der reichsten Deutschen. Auf der Liste der 500 reichsten Deutschen vom Deutschen Manager-Magazin belegte Rudolf Wöhrl im Jahr 2013 Platz 282 in Deutschland. Das Familienvermögen wird auf ca. 400 Millionen Euro geschätzt (Stand: 2013).

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wöhrl hat Interesse an LTU-Langstrecken. In: finanznachrichten.de. 7. April 2009, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  2. a b Wöhrl erklärt uns seine neue Airline. In: Abendzeitung. 17. Januar 2011, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  3. Airbus A319 von FLYNEXT hebt erstmals ab. In: austrianwings.info. 1. Juni 2011, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  4. Gernot Zielonka: Nach Flynext-Verkauf Übernahme europäischer Airline geplant. In: dmm.travel. 4. Oktober 2011, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  5. Intro Group übernimmt Mehrheit von Intersky. In: vorarlberg.ORF.at. 14. Februar 2012, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  6. Laura Frommberg: City Jet geht an Hans Rudolf Wöhrl. In: aeroTELEGRAPH. 20. Dezember 2013, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  7. Wöhrl plant europäische Regionalfluglinie. In: focus.de. 4. Januar 2014, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  8. Hans Peter Reitzner: Wöhrl tritt aus der CSU aus. In: nordbayern.de. 10. November 2009, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  9. Marcus Wöhrl übernimmt Luxushotel in Berlin. In: nordbayern.de. 4. November 2013, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  10. Marcus Maximilian Wöhrl übernimmt Alleinvorstand. DORMERO Hotels, 1. November 2013, abgerufen am 22. Dezember 2014 (PDF; 117 KB).
  11. Susanne Hornberger: Bestürzung über Tod von Emanuel Wöhrl. In: welt.de. 3. Juli 2001, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  12. CSU-Politikerin Wöhrl: Sohn fiel vom Dach – tot. In: spiegel.de. 2. Juli 2001, abgerufen am 22. Dezember 2014.