Hans Ueberschaar

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Johannes "Hans" Ueberschaar (* 4. März 1885 in Meißen; † 21. Januar 1965 in Kōbe) war ein deutscher Japanologe und der erste deutsche Professor für Japanologie an der Universität Leipzig.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Studium der Geschichte bei Karl Lamprecht und der Ostasiatischen Sprachen beendete Ueberschaar 1913 mit der Promotion zum Dr. phil. in Japanischem Staatsrecht an der Universität Leipzig mit der Dissertation Die staatsrechtliche Stellung des Kaisers in Japan. Staatsrechtlich-historische Skizze. Von 1911 bis 1914 lehrte er als deutscher Lektor an der Universität Osaka, dann leistete er Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg. Von 1925 bis 1932 lehrte er als Privatdozent an der Kaiserlichen Universität Kyōto.

Überschaar wurde am 1. April 1932 in Leipzig zum Extraordinarius für „Sprache und Kultur des modernen Japan“ berufen und leitete das am 25. Februar 1933 eröffnete Japan-Institut. Die Gründung des Japan-Instituts an der Universität Leipzig erfolgte mit Hilfe einer Stiftung des Herausgebers mehrerer großer japanischer Tageszeitungen, Motoyama Hikoichi (1853–1932). Die Wahl des Standortes Leipzig hatte auch mit Ueberschaars langjähriger Tätigkeit in Japan zu tun. Im November 1933 unterzeichnete Ueberschaar das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler.

Ueberschaar hat die Monographie Die Eigenart der Völker geschrieben. Darin setzt er die soziale Psyche Lamprechts gleich mit dem ‚seelischen Leben einer Nation‘ oder ‚den nationalen Anlagen‘. Nach ihm beweisen ‚die politischen Großtaten der Nation, die selbstverständlich einen Schluß auf die inneren Fähigkeiten des Volkes zulassen, ganz sicher auf diejenigen, welche die geistige und moralische Kraft für Krieg und Expansion darstellen‘.

Im Oktober 1932 trat Ueberschaar in die NSDAP ein. Seine Gesinnung zeigte er in mehreren Veranstaltungen, die der „Vorbereitung des deutschen Volkes auf die XII. Olympischen Spiele 1940“ in Tokio dienten. Im April 1937 musste Überschaar wegen eines angeblichen Vergehens wegen § 175, der Homosexualität unter Strafe stellte, plötzlich seine Stellung aufgeben. Er ging kurz darauf nach Japan zurück und kehrte trotz seiner späteren Rehabilitation nicht mehr zurück. Sein Leipziger Lehrstuhl für „Sprachen und Kultur des modernen Japan“ blieb zunächst unbesetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Eigenart der Völker, Leipzig 1923
  • Die deutsch-japanischen Kulturbeziehungen der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart, Deutsche Akademie München 1937

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]