Hans von Gersdorff (Arzt)

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Das Titelbild des Feldbuches

Hans von Gersdorff, genannt „Schyl-Hans“ (Schielhans), auch Johannes von Gersdorff (* um 1455, wahrscheinlich in Straßburg; † 1529 in Straßburg), war ein deutscher Wundarzt, dessen Vater vermutlich aus dem unterelsässischen Görsdorf stammte, und war unter anderem als bestallter Arzt am Straßburger Antoniterhof tätig.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1517 veröffentlichte der Drucker Johann Schott (1477–1548) in Straßburg ein von Hans von Gersdorff verfasstes, mit Holzschnitten illustriertes chirurgisches Handbuch unter dem werbewirksamen[1] Titel „Feldbuch der Wundarzney“.

Im Feldbuch enthalten ist, neben anderen Anlehnungen an das Werk des mittelalterlichen Arztes Guy de Chauliac, auch eine deutsche Übersetzung von dessen Anatomie aus der Chirurgia Magna. Der Abschnitt über den Aderlass (Kapitel 13-16) ist eine deutsche Übersetzung der entsprechenden lateinischen Ausführungen in dem 1491 in Venedig gedruckten Fasciculus Medicinae, welche ihrerseits auf einem lateinischen Text fußen, der erstmals zwischen 1450 und 1470 in einem in Süddeutschland verfassten Manuskript (Cpg 644) greifbar ist.[2][3][4][5]

Gersdorffs Buch fand weite Verbreitung und war für viele Jahre die wichtigste Grundlage der Chirurgie in Europa. Speziell wegen seiner Ausführungen zur Amputation von Extremitäten hat es einen hohen Bekanntheitsgrad. Gersdorff hat dabei mindestens 200 solcher Amputationen selbst durchgeführt.

Das Feldbuch enthält vier anatomische Holzschnitte, einschließlich einer Darstellung eines Aderlasses, bei dem die inneren Organe gezeigt werden. Die weiteren Abbildungen zeigen einen, mit vielerlei damals üblichen Waffen verwundeten Mann, ein Skelett und eine weitere Darstellung der inneren Organe. Weitere Bilder des Buches zeigen chirurgische Eingriffe, wie beispielsweise Amputationen, Dentalbohrer, das Richten von Knochen und Lepra.

Die Bildtafel der Eingeweide mit der Darstellung des eröffneten Körpers nennt im gereimten Beitext den Illustrator Hans Wächtlin. Dem Meister werden noch zwei weitere der anatomischen Holzschnitte des Buches zugeschrieben, nämlich der eröffnete Körper des Aderlassmannes und – mit unsicherer Zuschreibung – das Skelett.[6]

„Feldbücher“, die sich an das Veltbuch des Hans von Gersdorff anschlossen, waren das Veltbock im sogenannten „Kinderbock“, einem um 1600 entstandenen niederdeutschen Arzneibuch,[7] und das 1551 veröffentlichte Stat und Feldtbuch bewerter Wundtarznei des Walther Hermann Ryff.

Bildtafeln aus dem „Feldbuch der Wundarzney“

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biografisches
Nachdrucke
  • Feldbuch der Wundarznei. Nachdruck der Edition von 1517. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1967.
  • Melanie Panse: Hans von Gersdorffs »Feldbuch der Wundarznei«. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-89500-907-5.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gundolf Keil: Die deutsche Isaak-Judäus-Rezeption vom 13. bis zum 15. Jahrhundert. Shaker, Aachen 2015 (= Europäische Wissenschaftsbeziehungen, Supplement 2), S. 64 f.
  2. Cpg 644. Medizinische Traktate und Rezepte. Süddeutschland 1450 – 1470, Blatt 63v-76r Aderlassregeln und Zodiakdiagnostik. Latein (Digitalisat)
  3. Fasciculus Medicinae. Gregoriis, Venedig 26. Juli 1491 (Digitalisat)
  4. Hans von Gersdorff. Feldbuch der Wundarznei. Schott, Straßburg 1517, Blatt 14v-18r (Digitalisat)
  5. Friedrich Lenhardt: „Wann ain mensch geswillet von lassen“. Anweisungen zur Therapie von Komplikationen beim Aderlaß. In: „gelêrter der arzeniê, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Festschrift zum 70. Geburtstag von Willem F. Daems. Hrsg. von Gundolf Keil, Horst Wellm Verlag, Pattensen/Hannover 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 24), ISBN 3-921456-35-5, S. 269–300, hier: S. 280-281
  6. Johann David Passavant, Adam Bartsch: Le Peintre-Graveur, Bd. 3, Leipzig 1862, S. 327 und S. 332ff. (Digitalisat)
  7. Gundolf Keil: ‚Kinderbock‘ (Kopenhagen, Kgl. Bibl., Ms. GKS. 4° 1663, 87r–146v). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 740.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans von Gersdorff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Hans von Gersdorff – Quellen und Volltexte