Hans von Rimscha

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Hans von Rimscha (* 25. Februarjul./ 9. März 1899greg.[1] in Riga; † 1. April 1987 in Erlangen) war ein deutsch-baltischer Lehrer, Publizist und Historiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans von Rimscha entstammte einer deutsch-baltischen Familie. Sein Vater Robert von Rimscha arbeitete als Arzt, seine Mutter Marie, geborene Kuntzendorf, war eine Enkelin des russischen Feldmarschalls Michael Andreas Barclay de Tolly.[2] Nach dem Gymnasiumsbesuch in Riga studierte von Rimscha an der Universität Dorpat Geschichtswissenschaften, wo er Mitglied der Baltischen Corporation Fraternitas Rigensis Dorpat wurde. 1918 meldete er sich freiwillig zur Baltischen Landeswehr.[3] Ab 1920 setzte er sein Studium an den Universitäten in Göttingen, Breslau sowie Tübingen fort und promovierte 1924 in Jena zum Dr. phil.

Seine berufliche Karriere begann Hans von Rimscha als Gymnasiallehrer (1925–1929) am Staatlichen Deutschen Gymnasium Riga sowie als Privatdozent (1927–1933) am Rigaschen Herder-Institut. Ab 1929 war er Auslandsredakteur und politischer Leitartikler bei der Minderheitenzeitung Rigasche Rundschau. Unter Paul Schiemanns Ägide wurde er Mitarbeiter beim Verband der deutschen Volksgruppen in Europa und Abgeordneter beim Europäischen Nationalitätenkongress.[4]

1933 wurden Schiemann und Rimscha auf Druck der Nationalsozialisten bei der Rigaschen Rundschau entlassen. [5][6][7] Ab Oktober 1933 war von Rimscha Redakteur der Zeitung Riga am Sonntag (Später umbenannt in Rigasche Post). [8]

Im Zuge der im Hitler-Stalin-Pakt vereinbarten Umsiedlung der Deutschbalten verließ auch Hans von Rimscha im Dezember 1939 Lettland. Zunächst arbeitete er bei einer Parteizeitung in Hamburg, dann bei dem NS - Gau -Verlag Wartheland in Posen und dem dort erscheinenden "Ostdeutschen Beobachter" und der Europäischen Revue [9][10][11][12] Am 21. Januar 1945 flüchtete er gemeinsam mit rund 70.000 deutschen Bewohnern der Stadt Posen vor der anrückenden Roten Armee. In Coburg fand er eine erste Bleibe, später zog er nach Erlangen. 1946 erhielt Hans von Rimscha seine berufliche Wiederzulassung und 1947 einen Lehrauftrag für osteuropäische Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, von der er 1951 zum Professor für osteuropäische und neueste Geschichte berufen wurde. Er war unter anderem Mitglied der Baltischen Historischen Kommission, Vorstand des Baltischen Philisterverbandes (1954–1962) und Vorsitzender der Deutsch-Lettischen Vereinigung in der Baltischen Gesellschaft in Deutschland (1959–1973).[13][14]

Publizistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Artikeln der Rigaschen Post setzte von Rimscha die Maxime von Schiemann um, der eine weitgehende und liebevolle Behandlung der Politik des Staates - des Heimatlandes der Minderheit - forderte.[15] Hierzu kann z. B. auf den Artikel "Der Neuaufbau des Staates" und den Leitartikel "Aktive Außenpolitik im erneuerten Lettland"[16] verwiesen werden. Sowohl in der Rigaschen Post als auch in anderen Publikationen folgte er weiterhin der Auffassung Schiemans zur Volkstumspolitik unter Berücksichtigung der Rechte von Minderheiten.[17] Öffentlichkeitswirksam bezeichnete er „politische Neutralität als politische Gleichgültigkeit und Verantwortungslosigkeit“, forderte die „Aufrechterhaltung des deutschen Führungsanspruches in Europa“ und sah „in der Stärke und im Wohlergehen des Deutschen Reiches die Garantie für die Stärke und das Wohlergehen ganz Europas“.[18] 1940 schrieb Hans von Rimscha die Broschüre Aufgabe und Leistung der Baltendeutschen, Volkstum im Kampf [19] als Bericht über "die umgesiedelten Menschen".[20] Im Ostdeutschen Beobachter war er im Archiv und später als NSDAP-Mitglied in der Redaktion tätig, in der er gelegentlich auch Leitartikel schrieb, z.B.am 24.8.1944 [21]. Parallel schrieb Rimscha in der "Europäischen Revue" die im Auftrag des Propagandaministeriums die nationalsozialistische Europaidee propagierte.[10][11][12] Im Herbst 1944 erhielt er von der „Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der bolschewistischen Weltgefahr“ den Auftrag, eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema" Die Politik der Bolschewiken gegenüber den Menschewiken" zu schreiben.[22][23][24][25] In der Bundesrepublik Deutschland berichtete er unter anderem ausführlich über seine Arbeit in der "Rigaschen Post", im Ostdeutschen Beobachter, in der "Europäischen Revue" und als wissenschaftlicher Gutachter im Auftrag der oben genannten Arbeitsgemeinschaft.[26][27][28] Im Mittelpunkt seiner Veröffentlichungen nach 1945 stand die mehrfach überarbeitete, ergänzte und aufgelegte "Geschichte Russlands".[29]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Er unternahm Studienreisen in die Sowjetunion, auf den Balkan und in die Türkei. Weil er seinem Bericht über die UdSSR-Reise den diplomatisch gewählten Titel „Das Rote Rätsel“ gab, erhielt Rimscha von Kollegen den Spitznamen „Das Rote Rätsel“, den er bis an sein Lebensende gern trug.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden seine Werke in der DDR verboten und in der Liste der auszusondernden Literatur geführt.[30][31]
  • Einer seiner Enkel ist der Diplomat Robert von Rimscha.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der russische Bürgerkrieg und die russische Emigration 1917–1921. Frommann, Jena 1924.
  • Rußland jenseits der Grenzen 1924–1926. Ein Beitrag zur russischen Nachkriegsgeschichte. Frommann, Jena 1927.
  • Im roten Reich der Rätsel. Sowjetrussische Skizzen. B. Lamey, Riga 1927.
  • Die Staatswerdung Lettlands und das baltische Deutschtum. Plates, Riga 1939.
  • Die Gracchen. Charakterbild einer Revolution und ihrer Gestalten. Winkler, München 1947.
  • Dostojewskij – ein Antipode Goethes. Veste, Coburg 1949
  • Russen gegen Bolschwiken. Die Entwicklung der russländischen Emigration nach dem Zweiten Weltkrieg. Getr. Zählung, Frankfurt am Main 1952.
  • Die Umsiedlung der Deutschbalten aus Lettland im Jahre 1939. Eine Betrachtung. Von Hirschheydt, Hannover-Döhren 1957.
  • Geschichte Russlands. Rheinische Verlags-Anstalt, Wiesbaden 1960.
  • Katharina II. Von der preußischen Generalstochter zur Kaiserin von Russland. Musterschmidt, Göttingen u. a. 1961.
  • Baltisches Burschentum. Die studentischen Korporationen der Deutschbalten, Esten und Letten einst und jetzt. Baltische Gesellschaft in Deutschland, München 1968.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Taufregister des Doms zu Riga (lettisch: Rīgas Doms)
  2. Baltisches Biografisches Lexikon digital
  3. Album Fratrum Rigensium.Hechthausen1981. Nr. 1181.
  4. Michael Garleff: Hans von Rimscha zum 85. Geburtstag. Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 32 (1984), ISSN 0021-4019, S. 631–642.es
  5. Hans von Rimscha: Die Gleichschaltung der Rigaschen Rundschau im Jahre 1933. In: Baltische Hefte, 1978, Heft 21, S. 178–197.
  6. Helmut Kause: Der publizistische Widerstand Paul Schiemanns gegen den Nationalsozialismus in den deutschen Volksgruppen. In: Michael Garleff (Hrsg.): Deutschbalten, Weimarer Republik und Drittes Reich. Band 1. Böhlau Verlag, 2001, S. 213.
  7. John Hiden: Defender of Minorities, Paul Schiemann 1876-1944. Hurst and Company, London 2004, ISBN 1-85065-751-3, S. 201.
  8. Helmut Kause: Der publizistische Widerstand Paul Schiemanns gegen den Nationalsozialismus in den deutschen Volksgruppen. In: Michael Garleff (Hrsg.):Deutschbalten, Weimarer Republik und Drittes Reich. Band 1. Böhlau Verlag, 2001, S. 200.
  9. Ostdeutscher Beobachter, Ausgabe vom 24. August 1944, Titelseite, H. von Rimscha: Das empfindliche Thema., Poznan Foundation of Scientific Libraries, abgerufen am 4. Juni 2017.
  10. a b Hans von Rimscha: Grossbritanien und die Sowjetunion. in: Karl Anton Rohan (Hrsg.), Europäische Revue, Band 17, Ausgabe 2, Deutsche Verlags-Anstalt, 1941, S. 656 f.
  11. a b Hans von Rimscha: Ängste um Indien. Der Winterkrieg. Europäische Konsolidierung. in: Karl Anton Prinz Rohan (Hrsg.), Europäische Revue. Band 18, Deutsche Verlags-Anstalt, 1942, S. 100, 165, 221, 279.
  12. a b Hans von Rimscha: Der Krieg Amerikas. in: Karl Anton Prinz Rohan (Hrsg.), Europäische Revue, Band 19, Deutsche Verlags-Anstalt, 1943, S. 46 f.
  13. Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas (FAU) (Memento des Originals vom 13. Februar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.osteuropa.geschichte.uni-erlangen.de
  14. Paul Kaegbein, Wilhelm Lenz: Vier Jahrzehnte baltische Geschichtsforschung. Die Baltischen Historikertreffen in Göttingen 1947–1986 und die Baltische Historische Kommission. Baltische Historische Kommission, Göttingen 1987. Darin: Mitgliederverzeichnis der Baltischen Historischen Kommission: I. Ehrenmitglieder und ordentliche Mitglieder, S. 79–149; dort Art. Rimscha, Hans von.
  15. Helmut Kause: Der publizistische Widerstand Paul Schiemanns gegen den Nationalsozialismus in den deutschen Volksgruppen. In: Michael Garleff (Hrsg.): Deutschbalten, Weimarer Republik und Drittes Reich. Band 1. Böhlau Verlag, Köln, Weimar und Wien 2001, ISBN 978-3-412-12199-0, S. 199.
  16. Der Neuaufbau des Staates. H. v. Rimscha, Rigasche Post vom 15. Mai 1936, pdf., Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, abgerufen am 4. Juni 2017.
  17. Helmut Kause: Der publizistische Widerstand Paul Schiemanns gegen den Nationalsozialismus in den deutschen Volksgruppen. In: Michael Garleff (Hrsg.): Deutschbalten,Weimarer Republik und Drittes Reich. Band 1. Böhlau Verlag, Köln, Weimar und Wien 2001, ISBN 978-3-412-12199-0, S. 198.
  18. Hans von Rimscha: Europäische Konsolidierung. In: Europäische Revue 18 (1942), S. 279–282.
  19. Hans von Rimscha: Aufgabe und Leistung der Baltendeutsche. Volkstum im Kampf. Verlag Grenze und Ausland, Berlin, 1940. S. 36.
  20. Hans von Rimscha: Als ein politisch Unzuverlässiger im Dritten Reich. Hrsg.: Carl Schirren Gesellschaft e.V. Band XXX. Schriftenvertrieb der Carl Schirren Gesellschaft e.V, Lüneburg/ München 1983, S. 120.
  21. Ostdeutscher Beobachter, Ausgabe vom 24. August 1944, Titelseite, H. von Rimscha: Das empfindliche Thema., Poznan Foundation of Scientific Libraries, abgerufen am 4. Juni 2017.
  22. Matthias Heeke: Reisen zu den Sowjets: der ausländische Tourismus in Russland 1921-1941. LIT Verlag Münster, 2003, S. 610–611.
  23. Christian Tilitzki: Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2002, S. 1144.
  24. Gudrun Brockhaus: Attraktion der NS-Bewegung. Klartext Verlag, 2014, Fußnote 42.
  25. Hans von Rimscha: Als ein politisch Unzuverlässiger im Dritten Reich. In: Carl Schirren Gesellschaft e.V. (Hrsg.): Jahrbuch des baltischen Deutschtums. Band XXX. Schriftenvertrieb der Carl Schirren Gesellschaft e.V., Lüneburg, München 1983, S. 127.
  26. Hans von Rimscha: Publizistik auf unterhöhltem Boden. In: Carl Schirren Gesellschaft e.v. (Hrsg.): Jahrbuch des baltischen Deutschtums. Band XXVI. Schriftenvertrieb der Carl Schirren Gesellschaft e.V., Lüneburg, München 1979, S. 118 -151.
  27. Hans von Rimscha: Als ein politisch Unzuverlässiger im Deutschen Reich. In: Carl Schirren Gesellschaft e.V. (Hrsg.): Jahrbuch des baltischen Deutschtums. Schriftenreihe der Carl Schirren Gesellschaft, Lüneburg, München 1983, S. 115–129.
  28. Wilfried Loth, Bernd-A. Rusinek: Verwandlungspolitik: NS-Eliten in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Campus Verlag, 1998, S. 304.
  29. Hans von Rimscha: Geschichte Russlands. 6. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-05534-9.
  30. Verzeichnis der auszusondernden Literatur, S. 150., Internet Archive Abteilung für Volksbildung der Stadt Berlin, abgerufen am 4. Juni 2017.
  31. Verzeichnis der auszusondernden Literatur, Ziffer 9584-9587., Forschungszentrum Gotha, abgerufen am 5. Juni 2017.