HanseWerk

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HanseWerk AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1. Oktober 2014
Sitz Quickborn

Leitung

Mitarbeiter 2.000 (Stand 2014)[1]
Umsatz 2,5 Mrd. EUR (2016)[2]
Branche Energie
Website hansewerk.com
Stand: 2014 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2014
Zentrale in Quickborn

Die HanseWerk AG ist ein Energiedienstleister mit den Schwerpunkten auf Netzbetrieb und dezentraler Energieerzeugung mit Sitz in Quickborn. Das Unternehmen betreibt selbst oder über seine Tochtergesellschaften rund 51.000 Kilometer Strom- und 27.000 Kilometer Gasleitungen in vielen Kommunen in Norddeutschland.[3] Es versorgt rund 1,3 Mio. Kunden in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Niedersachsen mit Strom, Erdgas, Wasser oder Wärme. Über ihre Tochtergesellschaft HanseWerk Natur ist sie für 900 Kilometer Nahwärmenetze, 1.000 Heizanlagen sowie 200 Blockheizkraftwerke [4] verantwortlich. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren 32.000 Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien mit einer Einspeiseleistung von 6.000 MW angeschlossen.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 Gründung der E.On Hanse AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. September 2003 wurde zunächst die E.ON Hanse AG aus der Schleswag, den Hamburger Gaswerken, (umgangssprachlich HeinGas) und HanseGas durch Fusion gebildet.[6]

2010 Trennung von Energieerzeugung und Netz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 kündigte die E.ON AG als Muttergesellschaft aufgrund der erwarteten finanziellen Belastungen aus dem Energiekonzept der Bundesregierung einen Strategiewechsel an. Demnach solle sich der Konzern zukünftig auf das Kraftwerkgeschäft, schwerpunktmäßig im Ausland konzentrieren. Zwecks Schuldenabbau wurde in diesem Zusammenhang erwartet, dass die Strom- und Gasnetze für die E.ON AG an Bedeutung verlieren und sukzessive verkauft werden.[7] Für E.ON spiele Norddeutschland eine wichtige Rolle, um die unternehmerischen Chancen der Energiewende zu nutzen, betonte E.ON Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen im Hinblick auf die Bedeutung der Region als Windkraftstandort[8]. Weil immer mehr Kommunen Interesse an einer Beteiligung am Netzbetrieb hatten, wurde danach die Schleswig-Holstein Netz AG gegründet, um so Kommunen die Möglichkeit zu geben, sich am Netz zu beteiligen. E.ON Hanse hielt damals 56,43 Prozent an dem Unternehmen.[9] Das Hamburger Netz betrieb E.ON Hanse über seine Tochtergesellschaft Hamburg Netz GmbH. Am 28. November 2011 wurden Verträge zwischen der E.ON Hanse AG und der HGV abgeschlossen, nach denen die HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement mbH mit Wirkung zum Juli 2012 25,1 Prozent an den Netzen erwarb.[10] E.ON Hanse stellte mit der Freien und Hansestadt die Kooperationsvereinbarung "Energiekonzept für Hamburg"[11] auf, welche auf der Landespressekonferenz am 29. November 2011 präsentiert wurde.[12] In dieser Kooperationsvereinbarung erklärte sich das Unternehmen bereit, sich für eine gemeinwohlorientierte Energieversorgung einzusetzen und das Erreichen von Klimaschutzzielen zu unterstützten.[13]

Der Hamburger Senat erhielt für das Bestreben an einer Beteiligung an den Netzen nach einer Infratest-Dimap-Umfrage von Januar 2012 eine mehrheitliche Unterstützung in der Bevölkerung.[14] Der Verlust des Hamburger Gasversorgungsnetzes würde erhebliche Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustsituation der E.ON Hanse-Gruppe haben, da in der Energiewirtschaft erhebliche Deckungsbeiträge im Netzgeschäft erwirtschaftet werden und der reine Energieverkauf nur geringe Margen einbringt. Die Netzentgelte werden jedoch von der Bundesnetzagentur festgelegt und überwacht.[15]

2013 Volksentscheid zur Rekommunalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Initiative "Unser Hamburg – unser Netz", die seit 2010 den vollständigen Rückkauf der Energieversorgungsnetze in der Hansestadt gefordert hatte, gewann am 22. September 2013 einen Volksentscheid knapp mit 50,9 Prozent Zustimmung, was einen Vorsprung von nur 15.000 Stimmen bedeutete.[16] Die Zustimmung war gesunken: Im Februar 2013 hatten sich noch 64 Prozent der Hamburger für einen Rückkauf ausgesprochen.[17] Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes im Dezember 2013 müssen Kommunen den Netzbetreiber in einem diskriminierungsfreien und transparenten Verfahren auswählen. Dies gilt auch dann, wenn eine Kommune beabsichtigt, das Netz an ein eigenes Stadtwerk zu übertragen. Nach Ansicht des BGHs müssen bei einer diskriminierungsfreien Vergabe vorrangig die Ziele Effizienz des Netzbetriebs, Verbraucherfreundlichkeit, preisgünstige und sichere Versorgung sowie Umweltverträglichkeit beachtet werden.[18] Dieses Urteil ist von grundsätzlicher Bedeutung und auch maßgeblich für das weitere Verfahren nach dem Volksentscheid in Hamburg.[19]

2014 Umstrukturierung und Neufirmierung als HanseWerk AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 2014 erfolgte eine Umstrukturierung des Unternehmens mit Neufirmierung als HanseWerk AG.[20] Der Weiterentwicklung der Unternehmensgruppe sowie der Umbenennung war eine Stärkung des kommunalen Einflusses vorausgegangen. So halten die schleswig-holsteinischen Kreise 31 % an dem Unternehmen. Mehrheitlich gehört HanseWerk zum E.ON-Unternehmensverbund. Mit der Maßnahme entsprach Hansewerk auch staatlichen Vorgaben zur Trennung von Netzen und Energievertrieb. Für Strom- und Gaskunden änderte sich durch die Umbenennung des Unternehmens in HanseWerk nichts, da dieses Geschäftsfeld ebenfalls im Zuge der Umstrukturierung an die E.ON Vertrieb abgegeben wurde. Im gleichen Jahr übernahm HanseWerk auch die 110-kV-Hochspannungsleitungen in Schleswig-Holstein.[20]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmensführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand setzt sich aus drei Mitgliedern zusammen. Vorstandsvorsitzender ist Matthias Boxberger. Weitere Vorstandsmitglieder sind Udo Bottländer (Personalvorstand und Arbeitsdirektor) und Andreas Fricke (kaufmännischer Vorstand).[21]

Aufsichtsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsichtsrat Der Aufsichtsrat besteht aus 20 Mitgliedern, darunter zehn Arbeitnehmervertreter und mehrere Landräte. Folgende Personen sitzen im Aufsichtsrat:

  • Thomas König
  • Thies Hansen, 1. stellvertretender Vorsitzender
  • Rolf Oliver Schwemer, 2. stellvertretender Vorsitzender
  • Detlev Flohr
  • Rudolf Friedrichs
  • Egon Westphal
  • Hartmut Geldmacher
  • Wolfgang Buschmann
  • Peter Grau
  • Stefanie Landwig
  • Friedrich Janssen
  • Berith Jordan
  • Klaus Plöger
  • Oliver Stolz
  • Udo Philipps
  • Petra Reimann
  • Ulrich Praefke
  • Sönke Vonsien
  • Markus Echt
  • Jörg Benthien

Stand: 2014

Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem E.ON Verbund (67,58 %) existieren folgende kommunale Anteilseigner (31 %):

  • Dithmarschen
  • Hzgt. Lauenburg
  • Nordfriesland
  • Ostholstein
  • Pinneberg
  • Plön
  • Rendsburg-Eckernförde
  • Schleswig-Flensburg
  • Segeberg
  • Steinburg
  • Stormarn

Weitere 1,42 % der stimm- und dividendenberechtigten Aktien werden treuhänderisch gehalten.[22]

Tochterunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die HanseWerk AG unterhält folgende Tochterunternehmen.[23]

  • HanseWerk Natur GmbH 100,00 %
  • Schleswig-Holstein Netz AG 60,49 %
  • Schleswig-Holstein Netz GmbH 100,00 %
  • Schleswig-Holstein Netz Verwaltungs-GmbH 100,00 %
  • Neumünster Netz Beteiligungs-GmbH 50,10 %
  • Hamburg Netz GmbH 74,90 %
  • Versorgungsbetriebe Helgoland GmbH 49,00 %
  • SERVICE PLUS GMBH 100,00 %
  • NORD-direkt GmbH 100,00 %
  • Holsteiner Wasser GmbH 50,00 %
  • Windenergiepark Westküste GmbH 80,00 %
  • E.ON Kundenservice GmbH 13,82 %
  • GasLine Telekommunikationsnetzgesellschaft deutscher Gasversorgungsunternehmen mbH & Co. KG 5,00 %
  • GasLine Telekommunikationsnetzgeschäftsführungsgesellschaft deutscher Gasversorgungsunternehmen GmbH 5,00 %
  • Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH 33,33 %
  • Breitbandnetz GmbH & Co. KG 20,00 %
  • OpenXS GmbH 10,00 %

Stand: 2014

Planungen zur Energiewende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Zeitraum von 2014 bis 2016 plant das Unternehmen ein Investitionsprogramm von 500 Millionen Euro unter anderem zur weiteren Umsetzung der Energiewende im norddeutschen Raum. Dabei sollen vor allem die Energienetze ausgebaut werden, um den großen Bedarf an erneuerbaren Energien zu decken und die Netzstabilität auch zukünftig zu gewährleisten.[24] Beispiele dafür sind:

  • der Neubau bzw. die Verstärkung von drei 110.000-Volt-Leitungstrassen
  • der Neubau oder Erweiterung von 80 Umspannwerken
  • der Einbau hunderter stärkerer Ortsnetztransformatoren

Inzwischen hat die zur HanseWerk-Gruppe gehörende Schleswig-Holstein Netz AG über 90 Prozent der im Land installierten EEG-Erzeugungsleistung aus Sonne, Wind und Biomasse an ihr Netz angeschlossen. HanseWerk betreibt mehrere Forschungsprojekte für die Energiewende, in die zusammen rund 25 Millionen Euro investiert werden: 2015 wird in Hamburg die modernste Power-to-Gas-Anlage Deutschlands in Betrieb genommen, mit der Windstrom in Gas umgewandelt und ins Erdgasnetz eingespeist wird. Auf Pellworm betreibt HanseWerk das erste intelligente Stromnetz Norddeutschlands, in dem EEG-Erzeugung, Stromspeicherung und -verbrauch aufeinander abgestimmt werden. Außerdem erweitert HanseWerk seine Fahrzeugflotte jedes Jahr um zehn zusätzliche Elektroautos.[25]

Veranstaltungen und Sponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • jährliche Ruderwettbewerbe in Rendsburg und Hamburg[26]
  • Unterstützung der Hamburger Obdachlosenzeitung Hinz und Kunzt
  • Sponsor Schleswig-Holstein-Musikfestival[27]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die HanseWerk Gruppe in Zahlen. In: Webseite der HanseWerk AG. Abgerufen am 8. Oktober 2014.
  2. Hansewerk steckt 500 Millionen Euro in die Energienetze. In: Hamburger Abendblatt. Abgerufen am 2. Oktober 2014.
  3. Hohe Investitionen geplant. In: Die WELT Online. Abgerufen am 6. Oktober 2014.
  4. Ein neuer Motor für die Energiewende. In: Die WELT Online. Abgerufen am 1. August 2016.
  5. Aus E.ON Hanse wird HanseWerk. In: Lauenburger Online-Zeitung. Abgerufen am 6. Oktober 2014.
  6. Geschichte. In: Webseite der E.ON Hanse AG. Abgerufen am 21. März 2012.
  7. ROUNDUP: Eon-Chef kündigt Strategiewechsel an - Weitere Milliardenverkäufe. In: Finanzen.net. 10. November 2010, abgerufen am 21. März 2012.
  8. Johannes Teyssen: Wege, Umwege und Irrwege in die Energiezukunft. Vortrag beim Neujahrsempfang der IHK zu Kiel am 12. Januar 2011. Abgerufen am 21. März 2012 (PDF; 72 kB).
  9. E.ON Hanse Töchter und Beteiligungen. In: Homepage eon-hanse.com. Abgerufen am 24. Juli 2012.
  10. Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft. Abgerufen am 24. Juli 2012 (PDF; 132 kB).
  11. Energiekonzept für Hamburg: Kooperationsvereinbarung zur zukunftsorientierten Gas- und Wärmeversorgung Freie und Hansestadt Hamburg - E.ON AG. Abgerufen am 16. März 2012 (PDF; 117 kB).
  12. Hamburg schafft die Energiewende. Präsentation vor der Landespressekonferenz am 29.11.2011. Abgerufen am 21. März 2012 (PDF; 3,0 MB).
  13. Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft. Abgerufen am 24. Juli 2012 (PDF; 132 kB).
  14. LänderTREND Hamburg, Januar 2012. Mehrheit der Hamburger für Rückkauf der Energienetze. In: Infratest dimap. Abgerufen am 21. März 2012.
  15. Bundesnetzagentur Netzentgelt. Abgerufen am 24. Juli 2012.
  16. Mehrheit bei Volksentscheid erreicht: Bürger in Hamburg kaufen ihre Energienetze zurück. In: focus.de. Abgerufen am 13. Januar 2014.
  17. Mehrheit der Hamburger für Rückkauf der Energienetze. In: welt.de. Abgerufen am 13. Januar 2014.
  18. Bundesgerichtshof zur Vergabe von Stromnetzkonzessionen durch die Gemeinden. In: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofes vom 18.12.2013. Abgerufen am 13. Januar 2014.
  19. BGH erschwert Kommunen Rückkauf von Stromnetzen. In: welt.de. Abgerufen am 13. Januar 2014.
  20. a b Aus E.ON Hanse wird HanseWerk. In: Kieler Nachrichten. Abgerufen am 7. Oktober 2014.
  21. Management. In: Webseite der HanseWerk AG. Abgerufen am 7. Oktober 2014.
  22. Aktionäre der HanseWerk AG. In: Webseite der HanseWerk AG. Abgerufen am 2. Oktober 2014.
  23. Töchter und Beteiligungen. In: Webseite der HanseWerk AG. Abgerufen am 1. Oktober 2014.
  24. 500 Millionen Euro Investitionen. In: Börse Online. Abgerufen am 5. Oktober 2014.
  25. Eon Hanse heißt jetzt HanseWerk. In: Zeitung für kommunalte Wirtschaft. Abgerufen am 4. Oktober 2014.
  26. Schleswig-Holstein Netz Cup. In: Webseite des Schleswig-Holstein Netz Cups. Abgerufen am 1. Oktober 2014.
  27. Hauptsponsoren des Schleswig-Holstein-Musik Festivals. In: Schleswig-Holstein Musik Festival. Abgerufen am 8. Oktober 2014.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: HanseWerk AG – Sammlung von Bildern