Hanum

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Hanum
Gemeinde Jübar
Wappen von Hanum
Koordinaten: 52° 41′ 12″ N, 10° 51′ 29″ O
Höhe: 77 m ü. NHN
Fläche: 9,72 km²
Einwohner: 180 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 19 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039003
Dorfkirche und ehemalige Schmiede innerhalb des „Hufeisens“
Dorfkirche und ehemalige Schmiede innerhalb des „Hufeisens“
Hanum (Sachsen-Anhalt)
Hanum
Hanum
Lage von Hanum in Sachsen-Anhalt

Hanum ist ein Ortsteil von Jübar im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Hanum liegt 27 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Salzwedel an der Ohre, die hier die Landesgrenze zu Niedersachsen bildet, die ehemalige innerdeutschen Grenze.[2]

Das Dorf liegt im Übergangsgebiet zwischen der Altmark und der Lüneburger Heide in der Schmelzwasserrinne der Ohre. Die Quelle der Ohre liegt nördlich von Hanum bei Ohrdorf. Hanum ist von Feldern umschlossen. Im Norden gehört ein größeres Waldstück zur Gemarkung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Siedlungsspuren datieren 4000 Jahre zurück. Die Dorfanlage ist ein Rundplatzdorf mit Kirche auf dem Platz[3] (Rundling) in Hufeisenform und wohl wendischen Ursprungs.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1315 als villam hanem.[4] Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wurde der Ort als Hanym aufgeführt, das dem Kloster Diesdorf gehörte. Die Mühle war wüst.[5]

Nach einer im Jahr 1847 durchgeführten Flurneuordnung setzte in Hanum eine positive wirtschaftliche Entwicklung ein. 1850 wurde im Osten des Dorfes eine Windmühle gebaut, die bis 1927 in Betrieb war.

Bereits 1732 gab es den ersten Schulmeister im Ort. Der Unterricht fand anfangs in den Wohngebäuden des Lehrers statt. Ein Schulhaus wurde erst 1858 eröffnet. Ab 1953 wurden nur noch die Klassen 1 bis 4 unterrichtet. 1962 wurde die Schule aufgelöst.

Von 1911 bis 1968 war Hanum durch eine Kleinbahn der Altmärkischen Kleinbahn für den Personen- und Gütertransport an das Schienennetz angeschlossen. Der Personenverkehr wurde 1961 eingestellt.

Bei der Bodenreform wurde eine Fläche von 83 Hektar enteignet und auf 25 Siedler aufgeteilt, sieben davon waren im Jahre 1948 Neusiedler. Im Jahre 1953 wurde die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Tannholz“, in Hanum gegründet. Ab 1954 trug sie den Namen „Philipp Müller“.[3]

Während der DDR-Zeit war Hanum ein Standort einer Kompanie der Grenztruppen der DDR. Die Sicherungsanlagen an der Straße nach Zasenbeck wurden erstmals in der Nacht vom 31. Dezember 1989 zum 1. Januar 1990 kurzzeitig geöffnet. An die innerdeutsche Grenze erinnert heute ein Gedenkstein im Ort. In Zeitzeugenprojekten der Medienwerkstatt Isenhagener Land in Hankensbüttel in den Jahren 1990 und 2010 wurden Erinnerungen an die Zeit der Teilung zwischen Hanum und Zasenbeck dokumentiert.[6][7]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Hanum vom Landkreis Salzwedel in den Kreis Klötze umgegliedert. Am 1. Juli 1994 kam die Gemeinde zum Altmarkkreis Salzwedel.[8]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bornsen (am 25. Mai 2009), Hanum (am 3. Juni 2009), Jübar (am 3. Juni 2009), Lüdelsen (am 13. Mai 2009) und Nettgau (am 4. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Jübar vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[9][10]

Somit ist Hanum seit dem 1. Januar 2010 ein Ortsteil von Jübar.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 106
1774 138
1789 141
Jahr Einwohner
1798 151
1801 139
1818 160
Jahr Einwohner
1840 216
1864 299
1871 307
Jahr Einwohner
1885 300
1892 292
1895 302
Jahr Einwohner
1900 324
1905 340
1910 367
Jahr Einwohner
1925 346
1939 339
1946 445
Jahr Einwohner
1964 338
1971 306
1981 226
Jahr Einwohner
1993 197
2006 188
2008 177
Jahr Einwohner
2015 185
2018 180

Quellen:[3][11][1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde Hanum gehörte zur Pfarrei Jübar.[12] Im Jahr 1973 bilden die Kirchengemeinden Jübar, Lüdelsen und Hanum das Kirchspiel Jübar.[3] Heute gehört die Kirchengemeinde zum Pfarrbereich Rohrberg[13] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter Bürgermeister war Wolfgang Schulz.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 29. März 1999 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Rot – überhöht von einem silbernen Wellenleistenstab – sieben silberne Häuser, hufeisenförmig gruppiert um ein silbernes Haus vor einem spitzbedachten silbernen Turm; alle Häuser mit Satteldach und geschlossenem Rundbogentor; im Schildgrund vor der Hufeisenöffnung eine silberne Blüte mit fünf Blättern (2:3) und rotem Butzen.“

Die Farben von Hanum sind Silber (Weiß) - Rot.

Hanum ist in der Form eines wendischen Rundlingsdorfes errichtet worden. Diese Form ist bis in die heutige Zeit beibehalten worden und ist noch deutlich erkennbar. In der Mitte des Dorfes befinden sich die Kirche sowie eine alte Schmiede. Das Wappen symbolisiert die Anlage des Dorfes. Dieses bestand ursprünglich aus sieben Gründerhöfen. Dieses ist der Chronik zu entnehmen. Die sieben Höfe wurden rings um die Kirche angelegt. Die ehemalige Schmiede neben der Kirche steht unter Denkmalschutz. Im Fachwerkgebälk des Gebäudes ist über dem Tor die unten im Wappen dargestellte Blume eingeschnitzt. Die Wellenlinie im oberen Teil symbolisiert den Bachlauf der Ohre.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Dorfkirche Hanum ist eine spätgotischer Feldsteinbau mit mehrfachen Erneuerungen in Backstein.[14] Sie entstand im 12. Jahrhundert, der quadratische Wettsturm wurde 1867 in Backstein errichtet. Die Kirche ist eine Filialkirche der Kirche in Jübar.[15]
  • In der Dorfmitte steht ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Grenzöffnung zwischen Hanum und Zasenbeck am 6. Januar 1990[16]
  • An der Hauptstraße steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, eine Stele aus schwarzem Basalt.[17]
  • Der Friedhof liegt im Osten des Ortes.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird von der Landwirtschaft dominiert. Daneben existieren nur wenig Kleingewerbe. Hanum verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr. Öffentliche Gebäude wie Sporthalle oder Bibliothek befinden sich in Jübar.

Etwa anderthalb Kilometer südwestlich von Hanum verläuft die Bundesstraße 244, über die man auch den nächsten Bahnhof erreicht: Wittingen an der Bahnstrecke Braunschweig–Wieren, 13 Kilometer nordwestlich von Hanum.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tanz- und Gymnastikgruppe „Hobby Dancer“ e.V. Hanum

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut Bock (* 1944), Lehrer, Museologe, Heimatforscher und Ehrenbürger von Jübar

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hanum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf: Einwohner der Ortsteile am 31. Dezember für die Jahre 2015 und 2018. 6. Juni 2019.
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. a b c d Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 884–887.
  4. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Hrsg.: Berlin. Band 16, 1859, S. 412 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000994~SZ%3D00420~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 407 (uni-potsdam.de).
  6. http://www.medienwerkstatt-il.de/VA/videoarchiv.php (Memento vom 5. März 2018 im Internet Archive)
  7. Walter Mogk: Hanumer und Zasenbecker erstellten filmisches Zeitzeugenprojekt. In: Volksstimme Magdeburg. 5. Oktober 2012 (volksstimme.de).
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 358.
  9. Gebietsänderungsvertrag. Bildung einer neuen Gemeinde aus den Gemeinden Bornsen, Hanum, Jübar, Lüdelsen und Nettgau zum 01.01.2010. In: Altmarkkreis Salzwedel (Hrsg.): Amtsblatt für den Altmarkkreis Salzwedel. 15. Jahrgang, Nr. 7. Salzwedel 29. Juli 2009, S. 180–183 (Gebietsänderungsvertrag (Memento vom 20. Januar 2016 im Internet Archive) [PDF; abgerufen am 14. April 2018]). Gebietsänderungsvertrag (Memento vom 20. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF; 1,9 MB)
  10. StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
  11. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 147.
  12. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 98 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 3. März 2018]).
  13. Pfarrbereich Rohrberg. Abgerufen am 3. März 2018.
  14. Thomas Hartwig: Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S. 173 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  15. Verein für Pfarrerinnen und Pfarrer in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen e. V. (Hrsg.): Pfarrerbuch der Kirchenprovinz Sachsen. Series Pastorum. Band 10. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2009, ISBN 978-3-374-02142-0, S. 350.
  16. Annette Kaminsky, Ruth Gleinig, Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (Hrsg.): Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR. 3. Auflage. Christoph Links Verlag, Berlin, 2016, S. 489.
  17. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. Hanum auf www.denkmalprojekt.org. 27. September 2009, abgerufen am 22. Februar 2018.