Harald Blüchel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Harald Blüchel (* 19. Februar 1963 in Nürnberg) ist ein Musikproduzent. Unter dem Künstlernamen Cosmic Baby spielte er seit Anfang der 1990er Jahre eine wichtige Rolle für die Techno-Bewegung in Deutschland. Seit 2003 veröffentlicht er auch unter seinem bürgerlichen Namen, zunächst im Rahmen des Projektes „Blüchel & von Deylen“.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harald Blüchel erhielt als hochbegabtes Kind bereits im Alter von sieben Jahren am Nürnberger Konservatorium eine Ausbildung zum Klassik-Pianisten. Fasziniert von der Musik von Tangerine Dream und Kraftwerk, wie viele Talente der frühen Techno-Bewegung, widmete er sich schon bald der elektronischen Musik. Mitte der 1980er Jahre spielte er in der Band Chanson Deux, welche 1986 das Album Hinter den Dingen veröffentlichte. Außerdem erschien noch eine Kassette mit dem Titel Tagelang und nächtelang.[1] 1987 zog Blüchel nach Berlin und schrieb sich dort für die Art Academy ein. An der TU Berlin studierte er Tontechnik und erlernte die technische Seite der Musikproduktion.

1989 veröffentlichte Blüchel seine erste Platte als Solokünstler: die (scheinbare) Compilation „E“ (bzw. „E − Three Projects of De Luxe 63“). Auf ihr befanden sich sechs Kompositionen von drei verschiedenen Interpreten (Cosmic Baby, B-Culture und Startrek), als Produzent war der Name „De Luxe 63“ angegeben. Alle vier Namen sind Pseudonyme von Harald Blüchel.[2] Zu Beginn des Jahres 1992 kam er bei Mark Reeders Label MFS unter Vertrag und veröffentlichte im September desselben Jahres sein erstes Cosmic Baby-Album Stellar Supreme, das seinen Ruf innerhalb der Techno- und Trance-Szene festigte und ihn bis über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte. Parallel dazu rief er mit Paul van Dyk das Projekt „The Visions of Shiva“ ins Leben und veröffentlichte die Single Perfect Day, die rasch zum Clubhit wurde. Außerdem brachte er zusammen mit Mijk van Dijk auf MFS die allererste gemixte Trance-CD heraus: Tranceformed from beyond.

1993 erschien in Zusammenarbeit mit Kid Paul unter dem Namen Energy 52 die Trance-Hymne Café del Mar, die zu einem der weltweit bekanntesten Lieder dieser musikalischen Richtung wurde. Außerdem wurde die zweite Visions of Shiva-Single veröffentlicht: How much can you take?, die an den Erfolg des Vorgängers anschließen konnte. Noch im selben Jahr wechselte Blüchel zu Logic Records und konzentrierte sich auf sein Solo-Projekt. Im Januar 1994 veröffentlichte er die Single Loops of Infinity, die es als eine der ersten Trance-Produktionen bis in die Deutschen Charts schaffte. Im April folgte sein zweites Album Thinking about myself.

1995 verließ er Logic Records und gründete sein eigenes Label Time out of Mind, auf dem er sich deutlich vom klassischen Trance-Sound entfernte und sich in den folgenden Jahren sehr experimentierfreudig zeigte.

1996 entstand ein Soundtrack zu Max Frischs Theaterstück Andorra für eine Aufführung im Staatstheater Stuttgart unter der Regie von Crescentia Dünsser & Otto Kukla.

1998 veröffentlichte Blüchel bei Intercord das Album Heaven und die beiden Singles Lucifer und Sketches in Spring.

2003 lernte Blüchel über einen Freund den Musikproduzenten Christopher von Deylen kennen, der als Schiller internationale Erfolge feiert. Gemeinsamkeiten wie die Liebe zur Musik von Erik Satie oder Philip Glass sorgten dafür, dass sie sich gut verstanden und auch im Studio schon nach kurzem produktiv zusammen agieren konnten. Daraus entstand das Projekt „Bluechel und von Deylen“. Im Januar 2004 erschien das erste gemeinsame Album Bi Polar. Aufgrund der guten Resonanz bei den Käufern erschien noch im selben Jahr das Folgealbum Mare Stellaris.

2006 hat Harald Blüchel an der Musik für Max Frischs Theaterstück Andorra in der Inszenierung von Regisseurin Tina Lanik für das Hamburger Schauspielhaus gearbeitet, die am 19. März 2006 Premiere hatte. Hierbei handelt es sich um neue Kompositionen, die keinen Bezug zu der 1996er Stuttgarter Aufführung haben.

Mit seiner Zauberberg-Trilogie, Blüchels an Thomas Manns Roman angelehnten ersten Solo-Veröffentlichungen unter seinem bürgerlichen Namen, kreiert der Musiker eher düstere „Hörstücke“, die nur wenig bis gar keine Song-Strukturen oder tanzbare Techno-Elemente enthalten und die man vielleicht grob in eine „Dark Ambient“- oder „moderne Kunstmusik“-Schublade stecken könnte. Der im September 2006 veröffentlichte erste Teil, Die Toteninsel, wurde inspiriert von einem gleichnamigen Gemälde von Arnold Böcklin. Im April 2007 ist der zweite Teil caged erschienen, einem Wortspiel, das zum einen auf John Cage, zum anderen auf das Gefangensein (English: cage = Käfig) und dem Innenleben einer Person, die „der Welt abhanden gekommen ist“ (Zitat Booklet/Webseite), verweist.

Dazwischen hat der Künstler im Dezember 2006 als Cosmic Baby das wesentlich eingängigere Electro Pop-Album Industrie & Melodie herausgebracht, eine Hommage an elektronische Pioniere der 70er und 80er, wie beispielsweise Kraftwerk, Tangerine Dream oder Vangelis.

Weiterhin hat Harald Blüchel Anfang 2007 auch wieder seiner Theaterarbeit fortgesetzt, und Federico García Lorcas Theaterstück Bernarda Albas Haus in der Inszenierung von Hans Neuenfels für das Schauspiel Köln vertont.

2009 komponierte er gleich für zwei Theaterstücke die Musik: Im Mai fand die Premiere von Danach: Wie Robinson!? im Berliner Theater unterm Dach statt (nach Arno Schmidt, Regie: Lina Antje Gühne), im Oktober war die Erstaufführung von Tannöd im Hamburger Schauspielhaus (von Andrea Maria Schenkel, Regie: Crescentia Dünßer).

2010 dann eine erneute Zusammenarbeit zwischen Harald Blüchel, Regisseurin Gühne und dem Berliner Theater unterm Dach: Das Stück Eislaufen thematisiert Leben und Werk der Dichterin Inge Müller (Premiere: 18. Februar 2010, produziert von der Gruppe Kollegen & Gühne).

Weitere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Cosmic Baby ist (bzw. war) Blüchel auch in andere Musik-Projekte involviert: The Visions of Shiva (zusammen mit Paul van Dyk), Veinmelter (mit Jonzon), Energy 52 (zusammen mit Kid Paul), Cosmic Inc. u.a.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Singles und EPs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles[3]
Loops of Infinity (als Cosmic Baby)
  DE 40 14.03.1994 (10 Wo.)
  CH 34 24.04.1994 (3 Wo.)
  UK 70 26.02.1994 (2 Wo.)
A Tribute to Blade Runner Part 1 (als Cosmic Baby)
  UK 90 01.04.1995 (1 Wo.)
  • 1985 - Chanson Deux: Tagelang und nächtelang (Kassettenveröffentlichung)
  • 1989 - De Luxe 63: E (Three Projects Of De Luxe 63) (Big Sex Records)
  • 1991 - Cosmic Enterprises: Tao (White Label)
  • 1992 - Cosmic Baby: Stellar Supreme (MFS)
  • 1992 - Cosmic Baby: Transcendental Overdrive (MFS)
  • 1992 - Cosmic Baby: Cosmikk Trigger (ESP)
  • 1992 - GTO Remixes Cosmic Babies (MFS)
  • 1992 - Cosmic Baby: 23 (MFS)
  • 1992 - Cosmic Baby: Oh Supergirl (ESP)
  • 1993 - Cosmic Baby: The Cosmic, very Cosmic EP (MFS)
  • 1993 - Cosmic Baby: Heaven's Tears (MFS)
  • 1994 - Cosmic Baby: Loops of Infinity (Logic)
  • 1994 - Cosmic Baby: Loops of Infinity Remixes (Logic)
  • 1994 - Cosmic Baby: Fantasia
  • 1994 - Cosmic Baby: A Tribute to Blade Runner, Part 1 (EastWest)
  • 1995 - Cosmic Baby: A Tribute to Blade Runner, Part 2 (EastWest)
  • 1995 - Cosmic Inc.: Futura (Logic)
  • 1995 - Cosmic Baby: Cosmic greets Florida (Logic)
  • 1998 - Cosmic Baby: Lucifer (Intercord)
  • 1999 - Cosmic Baby: Sketches in Spring
  • 2008 - Cosmic Baby: Cosmikk Trigger (Download Re-Release, enthält u.a. neue Stücke)
  • 2008 - Cosmic Baby: Hommage a Blade Runner (Download Re-Release, enthält u.a. neue Stücke)

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1986 - Chanson Deux: Hinter den Dingen
  • 1992 - Cosmic Baby: Stellar Supreme (MFS)
  • 1994 - Cosmic Baby: Thinking about myself (Logic)
  • 1995 - Cosmic Inc.: Futura (Logic)
  • 1995 - Cosmic Baby: Stunde Null (Time out of Mind)
  • 1995 - Cosmic Baby: Fourteen Pieces (Time out of Mind)
  • 1996 - Cosmic Baby: Kinetik (Time out of Mind)
  • 1997 - Cosmic Baby: Musik zu Andorra (Time out of Mind)
  • 1998 - Cosmic Baby: Heaven (Intercord)
  • 2004 - Bluechel & von Deylen: Bi Polar
  • 2004 - Bluechel & von Deylen: Mare Stellaris
  • 2006 - Harald Blüchel: Die Toteninsel (Zauberberg-Trilogie Teil 1)
  • 2006 - Cosmic Baby: Industrie und Melodie
  • 2007 - Harald Blüchel: caged (Zauberberg-Trilogie Teil 2)
  • 2007 - Cosmic Baby: Works 1996.1 - Somnambul (nur als Download)
  • 2007 - Cosmic Baby: Works 1996.2 - Hundeherz (nur als Download)
  • 2008 - Cosmic Baby: Sternsprung (nur als Download)
  • 2009 - Harald Blüchel: Electric Chamber Music (Zauberberg-Trilogie Teil 3)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.sub-bavaria.de/wiki/Chanson_Deux
  2. http://www.discogs.com/Various-E/release/600217
  3. Chartquellen: DE CH UK

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]