Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt

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Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt (japanisch 世界の終りとハードボイルド・ワンダーランド Sekai no owari to Hādoboirudo Wandārando) ist ein phantastischer Roman des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami aus dem Jahr 1985. Er spielt zugleich in einem grotesk geschilderten Tokio der nahen Zukunft, genannt Hard-Boiled Wonderland, und in einer fantasyartigen Parallelwelt, dem Ende der Welt. Der Roman erschien 1995 im Suhrkamp Verlag in einer Übersetzung von Annelie Ortmanns-Suzuki (Das Ende der Welt) und Jürgen Stalph (Hard-Boiled Wonderland).

Inhaltsangabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem ersten Erzählstrang (Hard-Boiled Wonderland) arbeitet der Ich-Erzähler als „Kalkulator“ für das mächtige Datenschutz-Unternehmen „System“. In der Opposition steht die „Fabrik“, deren Äquivalent zu den Kalkulatoren des Systems die „Semioten“ sind. Der Ich-Erzähler erhält von einem geheimnisvollen Wissenschaftler einen Auftrag zur Berechnung von Daten, dabei soll er auch ein nicht erlaubtes Verfahren, das „Shufflen“, anwenden. Die Enkelin des Neurophysiologen weist ihm den Weg zu dem geheimen, unterirdischen Labor in einer phantastischen Höhlenwelt unterhalb Tokios, er geht gefährliche, dunkle Wege und wird von dort lebenden Geschöpfen, den sogenannten „Schwärzlingen“, bedroht. Zurück in seiner Wohnung beginnt er mit den Berechnungen – doch es kommt zu Komplikationen. Zusammen mit der Enkelin sucht er in der Höhlenwelt den flüchtenden Wissenschaftler, der ihm nun den Hintergrund des Auftrages erklärt. Der Wissenschaftler ist auf der Suche nach der perfekten Verschlüsselung und verwendet hierzu in seinem Projekt das Unterbewusstsein (die Seele oder die Identität des Menschen). Er manipulierte die Gehirne einiger Kalkulatoren, von denen die meisten danach verstarben. Der Ich-Erzähler ist der Einzige, der überlebt hat. Die Manipulation im Gehirn führt zu Änderungen in der Wirklichkeitswahrnehmung und dem Denken des Ich-Erzählers.

Der zweite Strang (Das Ende der Welt) handelt von einem ebenfalls namenlosen Erzähler, der in eine fremde, zeitlos anmutende Stadt gerät. Die in der Stadt lebenden Menschen sind emotionslos, haben keine Zukunftspläne – sie funktionieren. Alles folgt einem vorgegebenen Schema („Wie es sein muss“), so auch die tägliche Wanderung der Einhörner von ihrem Schlafplatz außerhalb der Stadt zu den Futterplätzen in der Stadt. Bei der Einreise muss der Erzähler, wie auch alle anderen Bewohner vor ihm, seinen Schatten abgeben, mit dem er nach und nach auch seine Erinnerungen an sein Leben zuvor und dadurch auch seine Seele verliert. So verwirrt, wie er anfangs vor alldem steht, so schnell akzeptiert er auch die neue, nüchterne und sinnfreie Welt.

Beide Erzählstränge erklären sich nach und nach gegenseitig – sie sind eng verflochten.

Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im japanischen Original benutzt Haruki Murakami für den Erzählstrang in Hard-Boiled Wonderland das eher formelle Pronomen watashi für die Erste Person, während in Das Ende der Welt die intimere Form boku verwendet wird. Sowohl in der englischen als auch in der deutschen Übersetzung wurde diese stilistische Form simuliert, indem die Passagen, die in Das Ende der Welt stehen, im Präsens wiedergegeben werden.[1]

In den neueren Ausgaben wird der Übersetzer von Hard-Boiled Wonderland auf eigenen Wunsch hin nicht mehr namentlich genannt, weil er mit den Änderungen, die durch die Anpassung an die neue Rechtschreibung durchgeführt wurden, nicht einverstanden ist.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch enthält einige grafische Besonderheiten:

  • vor dem Text steht eine einfach gezeichnete Karte der Stadt aus dem Romanteil Das Ende der Welt. Diese Karte spielt in diesem Erzählstrang eine Rolle.
  • Am Ende des 11. Kapitels wird der Text durch ein kleines, setzerisches Experiment abgeschlossen.
  • Im 19. Kapitel ist ein großes, augenscheinlich handgezeichnetes „X“ abgedruckt; es nimmt 10 Zeilen ein.
  • In Kapitel 25 veranschaulichen zwei Grafiken die zentralen Punkte im Projekt des Wissenschaftlers, der im Unterbewusstsein des Ich-Erzählers eine zusätzliche Welt implementiert hat. Sie zeigen Inputs, Weichen und einen Output.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jay Rubin: Haruki Murakami and the Music of Words. Vintage Books, London 2005, ISBN 978-0-09-945544-8.