Harliburg

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Harliburg
Unebenes und mit Bärlauch bewachsenes Burggelände

Unebenes und mit Bärlauch bewachsenes Burggelände

Alternativname(n): Harlyburg, Herlingsberg
Entstehungszeit: 13. Jahrhundert
Burgentyp: Höhenburg, Hanglage
Erhaltungszustand: Burgstall, Wälle, Gräben
Ort: Vienenburg, Landkreis Goslar, Niedersachsen
Geographische Lage 51° 57′ 38,5″ N, 10° 34′ 12,2″ OKoordinaten: 51° 57′ 38,5″ N, 10° 34′ 12,2″ O
Höhe: 193 m ü. NHN
Harliburg (Niedersachsen)
Harliburg
Wälle und Graben der Burg
Lageskizze von Carl Schuchhardt (Ende des 19. Jahrhunderts)

Die Harliburg (auch Harlyburg oder Herlingsberg genannt) bei Vienenburg im niedersächsischen Landkreis Goslar ist der Burgstall einer ehemaligen Reichsburg im Harly-Wald.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort der einstigen Harliburg (193 m ü. NHN)[1] befindet sich im Südosten des Harly-Waldes auf einer großflächigen Bergkuppe. Sie liegt etwa 1 km nordnordöstlich von Vienenburg (141 m), einem nordöstlichen Stadtteil von Goslar. Südlich und östlich unterhalb der ehemaligen Burganlage umfließt die Oker das Südostende des Harly-Waldes; etwa 500 m südwestlich liegt im Okertal der Vienenburger See. Ziemlich genau 2 km westnordwestlich des Burgstalls befindet sich der Gipfel des Harlybergs (255,9 m), der höchsten Erhebung des Harly-Waldes. Etwa 600 m (jeweils Luftlinie) ostsüdöstlich des Burgstalls unterquert die Bundesstraße 241 an der Anschlussstelle Vienenburg die Bundesautobahn 395; direkt jenseits der Autobahn liegt Wiedelah.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg entstand auf einer Bergkuppe und hatte eine längliche Form. Vom ehemaligen Burgplatz fallen die Bergflanken nach Süden und Südosten steil zur Oker ab. Die Hauptburg war 50 × 150 Meter groß. Die Nordseite war durch einen in den Fels gehauenen Graben geschützt, vor dem sich ein Vorplatz befand. Außerdem war die Anlage von einem Ringgraben mit einem Vorwall umgeben. Die gesamte Burgfläche mit Wällen und Gräben hatte eine Ausdehnung von etwa 200 × 400 Meter. Baulichkeiten haben sich nicht erhalten und Ausgrabungen fanden bisher nicht statt. Als Reste sind Wälle und Burggräben vorhanden. Heute ist das Gelände der ehemaligen Harliburg von dichtem Wald überwachsen.

Nebenanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der großflächigen Bergkuppe bestanden neben der Harliburg weitere Befestigungsanlagen, die als Schanz- sowie Belagerungswerke angesehen werden. Die Goslarer Chronik berichtet von insgesamt fünf Anlagen (Slote), die die Belagerer von 1291 zur Einnahme der Harliburg anlegten. Dazu zählt eine quadratische Viereckschanze etwa 300  Meter nordöstlich der Harliburg. Sie hat Ausmaße von 20 × 20 Meter und verfügt über einen Wall und eine quadratischen Erhebung, auf der ein Turm gestanden haben kann. Außerdem ist ein Graben mit einem Vorwall vorhanden. Die Schanze wird als Kommandozentrale der Belagerung von 1291 angesehen. Eine Ringschanze findet sich auf einer Geländekuppe etwa 200 Meter nordöstlich der Harliburg als geschlossener Ringwall von 30 × 60 Meter Durchmesser. Des Weiteren besteht ein Schanzwall etwa 100 Meter nördlich der Harliburg, der eine Länge von 200 Meter aufweist und auf einer Linie zwischen der Viereck- und der Ringschanze liegt. Eine Winkelschanze findet sich 500 Meter nordöstlich der Burg auf einem abfallenden Bergvorsprung. Es handelt sich um einen 65 Meter langen Wall mit Vorgraben, der zweifach abgewinkelt ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1203 wurde die Harliburg von König Otto IV. als Reichsfeste erbaut. Sie sollte, wie auch die früher rund 10 km nordwestlich stehende Liebenburg, der Bedrohung der Zufahrtsstraßen nach Goslar dienen, das sich zum Hohenstaufer Philipp von Schwaben hielt. Zuletzt hielt sich Otto 1218 kurz vor seinem Tod auf der Burg auf.

Ende des 13. Jahrhunderts kam die Burg an die Welfen. Der Bischof von Hildesheim beschuldigte Heinrich Mirabilis von Braunschweig-Grubenhagen auf dem Erfurter Reichstag 1290, durch Duldung der Straßenräubereien der Burgbesatzung den seit 1284 gültigen Landfrieden verletzt zu haben. So wurde der Herlingsberger Krieg ausgelöst, in welchem der Bischof von Hildesheim 1291 mit Hilfe von Verbündeten nach viermonatiger Belagerung die Harliburg einnahm und durch Schleifung zerstörte. Ihre Steine wurden unter anderem zum Bau der Wasserburg Wiedelah zwischen 1292 und 1297 verwendet, die etwa 2 km südöstlich liegt. Die Steine wurden auch zum Bau der nahe gelegenen und um 1300 entstandenen Burg Vienenburg in Vienenburg verwendet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zeitgenosse Heinrich Rosla aus Nienburg (Saale) verfasste im 13. Jahrhundert über die Schleifung der Harliburg das lateinische Epos Herlingsberga.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Adolf Schultz: Burgen und Schlösser des Braunschweiger Landes, Braunschweig 1980, Die Harliburg, S. 87, ISBN 3-87884-012-8
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Wälle der Harliburg, S. 137–139, in: Wenn Steine reden könnten. Band IV, Landbuch-Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0558-5
  • Hans-Wilhelm Heine: „…und buweden vor 5 nige slote…“ in: Archäologie in Niedersachsen, 2003, S. 59–63
  • Friedrich Stolberg: Harliburg in: Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit, Hildesheim, 1968, S. 132–135
  • Friedrich Stolberg: Harliburg-Viereckschanze in: Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit, Hildesheim, 1968, S. 135
  • Friedrich Stolberg: Harliburg-Ringschanze in: Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit, Hildesheim, 1968, S. 135–136
  • Friedrich Stolberg: Harliburg-Schanzwall in: Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit, Hildesheim, 1968, S. 135–136

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  •  Commons: Harliburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Die Harliburg, Infos und Lageplan, auf burgen.ausflugsziele-harz.de
  • Harliburg, Rekonstruktionszeichnung im mittelalterlichen Zustand, auf burgrekonstruktion.de

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)