Harold Shipman

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Harold Frederick Shipman (* 14. Januar 1946 in Nottingham; † 13. Januar 2004 in Wakefield) war ein britischer Hausarzt und mindestens 218-facher Serienmörder.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shipman wurde auf dem Bestwood Council Estate in Nottingham, England, als zweites von vier Kindern geboren[1]. Sein Vater war der LKW-Fahrer Harold Frederick Shipman (12. Mai 1914–5. Januar 1985), seine Mutter war Vera Brittan (23. Dezember 1919–21. Juni 1963). Beide waren fromme Methodisten und Mitglieder der Arbeiterklasse[2][3]. In seiner Jugend war er ein begabter Rugbyspieler in den verschiedenen Jugendligen. Er war Läufer und wurden in seinem letzten Schuljahr Vizekapitän des Leichtathletikteams seiner Schule. Als er 17 Jahre alt war, starb seine Mutter, an der er sehr hing, an Lungenkrebs.[4] Sie bekam wie seine Opfer im späten Krankheitsstadium Morphin, das ihr Arzt zuhause verabreichte.[5]

Am 5. November 1966 heiratete er Primrose May Oxtoby. Sie hatten vier Kinder.

Shipman studierte Medizin an der Leeds School of Medicine und schloss sein Studium 1970 ab.[6] Er begann bei Pontefract General Infirmary in Pontefract, West Riding of Yorkshire zu arbeiten. 1974 übernahm er seine erste Stelle als Allgemeinarzt im Abraham Ormerro Medical Centre in Todmorden, West Yorkshire. 1975 fing er an Pethidin, ein Opioid, für den Eigenbedarf herzustellen. Hierfür erhielt er eine Geldstrafe von 600 Pfund und besuchte die Drogenrehabilitationsklinik in York. Danach wurde 1977 er Allgemeinarzt am Donneybrook Medical Centre in Hyde bei Manchester.[6][7]

1983 wurde er von Granada Television im Dokumentarfilm World in Action über den Umgang der Gemeinschaft mit Psychisch Erkrankten interviewt.[8] 1993 eröffnete er ein eigene Praxis für Chirurgie und er galt in der Folge als angesehener Bürger.[9]

Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 1998 äußerte sich Linda Reynolds von der Brooke Surgery in Hyde über die vom Bestattungsinstitute „Frank Massey and Son's“ festgestellte hohe Todesrate von Shipmans Patienten und die besonders häufige anschließende Einäscherung älterer Damen. Die Polizei erhielt Kenntnis davon, fand aber keine ausreichenden Beweise für die Erhebung einer Anklage. Zwischen dem 17. April 1998, als die Polizei die Untersuchung abschloss, und der Verhaftung tötete er weitere drei Menschen.[10] Sein letztes Opfer war Kathleen Grundy, die am 24. Juni 1998 tot in ihrem Haus aufgefunden wurde.

Im August 1998 meldete der Taxifahrer John Shaw aus Hyde der Polizei, er vermute, dass Shipman 21 Patienten ermordet habe.[11] Grundys Tochter, Rechtsanwältin Angela Woodruff, wurde aufmerksam, als ihr Kollege Brian Burgess ihr mitteilte, dass ihre Mutter ein Testament errichtet habe, in dem sie und ihre Kinder von der Erbschaft ausgeschlossen würden, und nach dem Shipman £ 386.000 erhalten solle. Danach ging Grundy zur Polizei. Da ihre Mutter erdbestattet worden war, konnte ihr Körper exhumiert werden. Bei der anschließenden Untersuchung wurden Spuren von Diamorphin entdeckt, welches häufig zur Schmerztherapie von Krebspatienten im Endstadium verwendet wird. Daraufhin wurde Shipman am 7. September 1998 verhaftet. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung wurde der Typ Schreibmaschine gefunden, mit der der gefälschte Letzte Wille geschrieben wurde.[12]

Infolgedessen untersuchte die Polizei weitere Todesfälle, welche von Shipman bescheinigt wurden und stellte eine Liste von 15 Todesfällen auf. Sie entdeckte ein Tatmuster aus Verabreichung der tödlichen Dosen von Diamorphin, Unterzeichnen der Todesurkunden und Fälschen der medizinischen Aufzeichnungen.[13]

In "Prescription For Murder", einem Buch aus dem Jahr 2000 von den Journalisten Brian Whittle und Jean Ritchi, werden zwei Theorien über Shipmans Motiv beschrieben. Entweder wollte er entdeckt werden, um sein Leben unter Kontrolle zu bringen, oder er wollte ein Vermögen ansammeln, um mit 55 in Rente gehen und danach das Vereinigte Königreich verlassen zu können.[14]

David Spiegelhalter meinte 2003, dass bei einer statistischen Überwachung aufgefallen wäre, dass es 1996 67 Todesfälle bei Frauen über 65 gab und 1998 119.[15]

Gerichtsverhandlung und Gefängnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prozess begann am 5. Oktober 1999 vor dem Preston Crown Court. Shipman wurde angeklagt des Mordes durch eine tödliche Injektion von Diamorphin in den Jahren 1995 bis 1998 an Marie West, Irene Turner, Lizzie Adams, Jean Lilley, Ivy Lomas, Muriel Grimshaw, Marie Quinn, Kathleen Wagstaff, Bianka Pomfret, Norah Nuttall, Pamela Hillier, Maureen Ward, Winifred Mellor, Joan Melia und Kathleen Grundy. Am 31. Januar 2000 wurde er nach sechs Tagen Beratung von der Jury in 15 Fällen von Mord und einem Fall von Urkundenfälschung für schuldig befunden. Die Richter legten als Strafmaß fünfzehn Mal lebenslang fest. Weitere vier Jahre erhielt er für die Testamentenfälschung. [16] Zehn Tage nach der Verurteilung wurde er vom General Medical Concil aus dem Ärzteregister gestrichen.

Von weiteren Anklagen wurde abgesehen, da wegen der großen Öffentlichkeit in der ersten Verhandlung ein gerechtes Verfahren schwierig gewesen wäre und Shipman bereits zu mehr als lebenslänglich zu Haft verurteilt war.[17]

Shipman bestritt konsequent seine Schuld und auch die wissenschaftlichen Beweise gegen ihn. Er äußerte sich niemals öffentlich über die Handlungen. Shipmans Frau Primel war überzeugt von der Unschuld ihres Mannes.[18]

Shipman ist der einzige Arzt in der Geschichte der britischen Medizin, der sich des Mordes an seinen Patienten schuldig gemacht hat.[19]

Insgesamt starben während Shipmans medizinischen Behandlungen 459 Personen. Die genaue Zahl seiner Morde ist unklar, wird aber im offiziellen Untersuchungsbericht auf 250 geschätzt.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Januar 2004 erhängte sich Shipman um 6:20 Uhr in seiner Zelle im Wakefield-Gefängnis von Wakefield. Um 8:10 Uhr wurde er für tot erklärt. Er hatte sich mit seiner Bettwäsche erhängt.[20]

Über fünf Jahre nach Shipmans Tod sorgte die Versteigerung von 65 Briefen für Aufmerksamkeit, die er zwischen seiner Verhaftung und seiner Selbsttötung schrieb. Sie geben Einblicke in seine Psyche.[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mark Oliver: Portrait of a necrophiliac. In: The Guardian. 13. Januar 2004, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 22. Juli 2017]).
  2. Why Some Doctors Kill. 18. November 2002, abgerufen am 22. Juli 2017 (australisches englisch).
  3. Kaplan, Robert M. (Robert Malcolm), 1950-: Medical murder : disturbing cases of doctors who kill. Allen & Unwin, Crows Nest, N.S.W. 2009, ISBN 1-74175-610-3, S. 59, 60 (worldcat.org).
  4. The Compact Christmas Collection Â. In: The Independent. 6. Dezember 2001 (independent.co.uk [abgerufen am 22. Juli 2017]).
  5. truTV Official Website | TV Show Full Episodes and Funny Video Clips. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  6. a b BBC NEWS | UK | Harold Shipman: Timeline. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  7. By Nigel Bunyan: The Killing Fields of Harold Shipman. In: Telegraph.co.uk. (telegraph.co.uk [abgerufen am 22. Juli 2017]).
  8. https://web.archive.org/web/20100302150056/http://www.tamesideadvertiser.co.uk/news/shipman/uncovering. Abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  9. Reiner Luyken: Alle liebten Doktor Tod. In: Die Zeit. 8. September 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Juli 2017]).
  10. BBC NEWS | England | Manchester | Shipman inquiry criticises police. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  11. BBC News | UK | Doctor 'forged victim's medical history'. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  12. BBC News | THE SHIPMAN FILES | The Shipman tapes I. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  13. BBC News | UK | Doctor 'forged victim's medical history'. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  14. Ritchie, Jean, 1922-: Prescription for murder : the true story of mass murderer Dr Harold Frederick Shipman. Warner, London 2000, ISBN 0-7515-2998-2, S. 348 und 349 (worldcat.org).
  15. Spiegelhalter, D. et al. Risk-adjusted sequential probability ratio tests: application to Bristol, Shipman and adult cardiac surgery. Int J Qual Health Care, vol. 15, Seite 7–13 (2003).
  16. BBC NEWS. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  17. BBC NEWS | England | Manchester | Shipman's 'reckless' experiments. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  18. Corinne Sweet: He could do no wrong. In: The Guardian. 15. Januar 2004, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 22. Juli 2017]).
  19. James Stovold: The Case of Dr. John Bodkin Adams. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  20. BBC NEWS | UK | Harold Shipman found dead in cell. Abgerufen am 22. Juli 2017.
  21. Shipman prison letters to be sold abgerufen auf news.bbc.co.uk am 15. Januar 2014