Harold und Maude

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Filmdaten
Deutscher Titel Harold und Maude
Originaltitel Harold and Maude
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1971
Länge 91 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Hal Ashby
Drehbuch Colin Higgins
Produktion Colin Higgins
Charles Mulvehill
Musik Cat Stevens
Kamera John A. Alonzo
Schnitt William A. Sawyer
Edward Warschilka
Besetzung

Harold und Maude ist eine Schwarze Komödie unter der Regie von Hal Ashby aus dem Jahre 1971. Der Film entstand nach dem Drehbuch von Colin Higgins, der die Geschichte noch im selben Jahr unter diesem Titel auch als Roman veröffentlichte. Bei seiner Veröffentlichung war Harold und Maude bei Kritikern und Publikum ein Misserfolg, inzwischen gilt er jedoch als Kultfilm und wurde unter anderem in die National Film Registry aufgenommen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film thematisiert humorvoll zwei gesellschaftliche Tabus: den selbstbestimmten Tod sowie eine romantische Liebesbeziehung bei erheblichem Altersunterschied.

Der etwa 20-jährige Harold lebt mit seiner wohlhabenden Mutter in einer kalifornischen Villa. Er hat eine distanzierte Beziehung zu der Mutter, die oberflächlich ist und fast nur auf gesellschaftliche Etikette achtet. Nur einmal spürt Harold so etwas wie Bindung, als er heimlich Zeuge wird, wie zwei Polizisten ihr die Nachricht überbringen, Harold sei bei der Explosion des Chemielabors an seiner Schule ums Leben gekommen. Als seine Mutter daraufhin zusammenbricht, versucht er anschließend immer wieder, ihre Aufmerksamkeit durch auf schockierend realistische Weise inszenierte Schein-Selbstmorde zu erreichen. Harold ist vom Tod fasziniert, was sich auch in seinen Selbstmorden ausdrückt. Anfangs fährt er einen gebrauchten, zum Leichenwagen umgerüsteten Cadillac. Den Jaguar E-Type, den ihm seine Mutter als Ersatz für den von ihr als geschmacklos empfundenen Cadillac schenkt, baut er kurzerhand ebenfalls zum Leichenwagen um.

Harold fühlt sich auch zu Friedhöfen und Beerdigungen hingezogen. Bei den Bestattungen begegnet er mehrmals der exzentrisch anmutenden Maude, einer 79-jährigen Frau. Harold und Maude befreunden sich schnell miteinander. Maude ist wie ein Gegenpol zu ihm: unkonventionell, energisch, impulsiv und lebensfroh – obwohl (oder: gerade weil) sie auch schlimme Zeiten durchgemacht hat. Später wird in einer Einstellung eine tätowierte Nummer auf ihrem Arm gezeigt, die sie als ehemalige Konzentrationslager-Gefangene ausweist, was jedoch im Film nicht weiter thematisiert wird. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere fühlen sich die beiden zueinander hingezogen und verbringen immer mehr Zeit miteinander. Gleichzeitig versucht Harolds Mutter, ihn über eine Heiratsagentur mit jungen Frauen zu verkuppeln. Harolds Selbstmord-Inszenierungen sorgen jedoch dafür, dass die Kandidatinnen ein ums andere Mal entsetzt flüchten. Als Harolds Mutter ihn mithilfe seines Onkels, des fanatischen Generals Victor Ball, in den Vietnamkrieg schicken will, wissen Harold und Maude dies mit einer List zu verhindern.

Im Laufe seiner Beziehung mit Maude lernt Harold das Leben schätzen und emanzipiert sich zusehends von seiner dominanten Mutter. Schließlich verkündet Harold seiner Mutter, dass er Maude liebt und sie heiraten will. Harold und Maude feiern gemeinsam ihren 80. Geburtstag. Doch sie hat beschlossen, an diesem Tag zu sterben, da sie dies für das richtige Alter hält, um von der Welt abzutreten. Dem entsetzten Harold unterbreitet sie, dass sie bereits entsprechende Tabletten zu sich genommen habe. Er bringt sie ins Krankenhaus, aber es ist zu spät. In der Schlussszene stürzt Harolds Jaguar die Klippen hinunter. Der Eindruck, dass er sich schließlich doch getötet habe, wird in der nächsten Szene entkräftet: Er steht oben auf den Felsen und spielt auf dem Banjo, das ihm Maude geschenkt hatte.

Soundtrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik stammt von Cat Stevens[1] und enthält mit Don’t Be Shy und If You Want to Sing Out, Sing Out zwei Stücke, die speziell für den Film komponiert wurden. Die Originalaufnahmen der anderen Lieder stammen von den Alben Mona Bone Jakon und Tea for the Tillerman. Ein Soundtrackalbum wurde erst im Dezember 2007 veröffentlicht, die Songs des Soundtracks sind vorher jedoch größtenteils auf einer CD mit dem Titel Footsteps in the Dark: Greatest Hits Vol. 2 1984 erschienen.

Die Songs in der Reihenfolge, wie sie im Film zu hören sind:

  • Don’t Be Shy
  • On The Road To Find Out
  • I Wish, I Wish
  • Miles from Nowhere
  • Tea for the Tillerman
  • I Think I See the Light
  • Where Do the Children Play?
  • If You Want to Sing Out, Sing Out
  • Trouble

Der Song If You Want to Sing Out zieht sich wie ein roter Faden durch den Film.

36 Jahre nachdem der Film ins Kino gekommen war, initiierte der Filmregisseur Cameron Crowe die Veröffentlichung der kompletten Zusammenstellung als regulären Tonträger. Das Soundtrack-Album erschien als farbige Vinyl-LP, limitiert auf 2.500 Exemplare.

Neben sämtlichen Songs aus dem Film finden sich darauf alternative Versionen und Interviews, ein 36-seitiges Booklet und Poster. Und bei einer weiteren limitierten Ausgabe eine zusätzliche Vinyl-Single mit jeweils einer bisher unveröffentlichten Version der Songs Don’t Be Shy und If You Want To Sing Out, Sing Out. Die Songliste:

Seite 1:

  1. Don’t Be Shy
  2. On The Road To Find Out
  3. I Wish, I Wish
  4. Miles From Nowhere
  5. Tea For The Tillerman
  6. I Think I See The Light

Seite 2:

  1. Where Do The Children Play?
  2. If You Want To Sing Out, Sing Out
  3. If You Want To Sing Out, Sing Out (Banjo Instrumental)*
  4. Trouble
  5. Don’t Be Shy (alternative Version)*
  6. If You Want To Sing Out, Sing Out (Instrumental Version)*

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge Filmstudent Colin Higgins schrieb für ein Drehbuchseminar Harold und Maude. Über Umwege geriet das Filmskript an den Filmproduzenten Stanley R. Jaffe von Paramount Pictures, der es Higgins abkaufte. Zunächst sollte Higgins auch die Regie übernehmen, doch hielt man ihn für zu unerfahren, sodass letztlich der als unkonventionell geltende Regisseur Hal Ashby dafür verpflichtet wurde. Die Zusammenarbeit zwischen Regisseur Ashby und Autor Higgins am Filmset verlief allerdings friedlich: Higgins fungierte als Co-Produzent des Filmes und sah sich – da er angehender Regisseur war – die Arbeitsweise von Hal Ashby genau an, um von ihm zu lernen. Noch im selben Jahr der Film-Veröffentlichung brachte Higgins auch den Roman Harold and Maude heraus, der die Figuren des Filmskripts weiter ausbaut.

Für die Rolle der Maude wurde eine lange Liste von verschiedenen Grande Damen der Schauspielerei in Betracht gezogen: Peggy Ashcroft, Edith Evans, Gladys Cooper, Celia Johnson, Lotte Lenya, Luise Rainer, Pola Negri, Minta Durfee, Edwige Feuillère, Elisabeth Bergner, Mildred Natwick, Mildred Dunnock, Dorothy Stickney und sogar Schriftstellerin Agatha Christie.[2][3] Die Wahl fiel schließlich auf die gefeierte Schauspielerin und Autorin Ruth Gordon, die einige Jahre zuvor für ihre Rolle in Rosemaries Baby den Oscar gewonnen hatte. Ähnlich wie ihre Filmfigur Maude galt auch die damals 74-jährige Gordon als unkonventionelle und energische Persönlichkeit. Für die Rolle des Harold waren Richard Dreyfuss, Bob Balaban, John Savage, John Rubinstein und auch der junge Elton John im Gespräch gewesen, ehe die Wahl auf Bud Cort fiel. Mit seiner Filmfigur hatte Cort die enge Beziehung zu einer älteren Person gemein: Cort lebte von 1970 bis zu dessen Tod im Hause des betagten Star-Komikers Groucho Marx, der ein enger Freund von ihm war.

Regisseur Hal Ashby hatte zunächst eine Sexszene zwischen Harold und Maude geplant. Die Produzenten von Paramount lehnten dies schockiert ab. Stattdessen impliziert Ashby den Sex nur im Film: Harold und Maude sind in einer Einstellung zu sehen, wie sie morgens nebeneinander im Bett liegen. Während Maude schläft, bläst Harold Seifenblasen. Der Original-Kinotrailer enthielt noch eine Liebesszene, die jedoch für die Kinofassung herausgeschnitten wurde.

Zu den Drehorten des Filmes gehörten die Bucht von San Francisco, die Sutro Baths in Lands End sowie der Friedhof Holy Cross Cemetery in Colma und der Friedhof Golden Gate National Cemetery in San Bruno. Als Drehort für die Villa der Familie Chasen fungierte die Rose Court Mansion im kalifornischen Hillsborough bei San Francisco.

Regisseur Hal Ashby hat auf dem Jahrmarkt einen Cameo-Auftritt, man sieht ihn als bärtigen Mann in der ersten Einstellung mit der Modelleisenbahn. Auch Cat Stevens übernahm einen Cameo-Auftritt als Besucher einer Beerdigung.[4]

Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Synchronfassung entstand zur deutschen Kinopremiere im Jahre 1974.

Rolle Schauspieler(in) Synchronsprecher(in)
Harold Chasen Bud Cort Mathias Einert
Maude Ruth Gordon Alice Treff
Mrs. Chasen Vivian Pickles Eva Katharina Schultz
Brigadegeneral Victor Ball Charles Tyner Friedrich W. Bauschulte
Sunshine Doré Ellen Geer Evelyn Gressmann
Pfarrer Eric Christmas Klaus Miedel
Psychiater George Wood Lothar Blumhagen
Motorradpolizist Tom Skerritt Andreas Mannkopff

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film fiel 1971 sowohl bei der Kritik durch. So nannte die Zeitschrift Variety den Film etwa eine „geschmacklose ‚offbeat comedy‘“, die den gleichen Witz aufweise „wie ein in Flammen stehendes Waisenhaus“.[5] Roger Ebert urteilte, dass der Tod potenziell witzig sein könne, aber nicht wie in Harold und Maude.[6] Inzwischen wandelte sich jedoch die Rezeption des Filmes grundlegend. Auf Rotten Tomatoes wurden 86 % positive Kritiken gezählt. Zusammenfassend heißt es dort: „Hal Ashbys Komödie kann für manche zu düster sein und manchmal etwas übertrieben, aber der Film lebt von seinem warmen Humor und großem Herz.“[7]

  • Lexikon des Internationalen Films: „Eine sanft anarchistische Komödie, die die verträumte Lebenslust der amerikanischen Blumenkinder der späten 60er-Jahre beschwört und vom Charme ihrer Hauptdarsteller profitiert.“[8]
  • Reclams Filmführer sieht den Film als „effektvollen Rundumschlag“. Ashby habe hier eine „Komödie voller Widerhaken“ gedreht, „ein skurriles Spiel, das für Individualität ebenso wirbt wie für Pragmatismus und das die Ohnmacht der Institutionen bei der Lösung zwischenmenschlicher Konflikte zeigt. Der ‚American Way of life‘ erscheint als Schreckensvision, die traditionellen Ordnungskräfte wie Militär und Polizei sind zur Karikatur degeneriert, und der Glaube eines Psychoanalytikers an seine Wissenschaft ist nur noch Anlass zur Belustigung.“[9]

Publikumserfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch beim Publikum war Harold und Maude zunächst ein kommerzieller Misserfolg, doch schon einige Jahre später entwickelte sich der Film langsam zu einem Kultfilm. Erst im Jahr 1983, zwölf Jahre nach seiner Premiere, begann Harold und Maude Gewinn zu erwirtschaften. Der Film läuft seit dem 6. Juni 1975 ununterbrochen jeden Sonntag im „Galerie Cinema“ in Essen Rüttenscheid in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt zwei Golden-Globe-Nominierungen: Ruth Gordon in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin und Bud Cort als Bester Hauptdarsteller in einer Komödie. Der Film gewann 1974 den Hauptpreis des Filmfestivals Semana Internacional de Cine de Valladolid. Hauptdarsteller Bud Cort wurde zudem 1973 mit dem französischen Étoile de Cristal als bester ausländischer Darsteller geehrt. 1997 wurde Harold und Maude in das National Film Registry aufgenommen[11]. Der Film wurde ebenfalls vom American Film Institute auf Platz 9 der Besten US-amerikanischen Liebeskomödien aller Zeiten gewählt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Colin Higgins: Harold and Maude. Hrsg. Heike Elisabeth Jüngst. Fremdsprachentexte, Reclams Universalbibliothek Nr. 9122, 2005. ISBN 978-3-15-009122-7 (Diese Romanfassung des Stoffs erschien zuerst 1971 und entstand parallel zum Drehbuch.[12])

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harold And Maude bei discogs
  2. Nick Dawson über Hal Ashby, S. 122–123
  3. Gordon, Ruth (1986). My Side: The Autobiography of Ruth Gordon. D.I. Fine. S. 392. ISBN 9780917657818.
  4. IMDb Trivia
  5. Ronald M. Hahn; Volker Jansen: Kultfilme. Von Metropolis bis Rocky Horror Picture Show. – Orig.ausg., 5. Aufl. – Wilhelm Heyne, Stuttgart 1992 (Heyne-Filmbibliothek; 32/73), ISBN 3-453-86073-X, S. 157
  6. Kritik von Roger Ebert
  7. Rotten Tomatoes Harold and Maude. Abgerufen am 19. März 2015.
  8. Harold und Maude im Lexikon des internationalen Films
  9. Dieter Krusche: Reclams Filmführer/Mitarb.: Jürgen Labenski und Josef Nagel. – 13., neubearb. Aufl. – Philipp Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-010676-1, S. 308
  10. Immer wieder sonntags „Harold und Maude“. 8. Juni 2010, abgerufen am 19. März 2015.
  11. Complete National Film Registry Listing. Abgerufen am 5. Februar 2015.
  12. Ronald M. Hahn, Volker Jansen: Kultfilme. München: Heyne, 1985, S. 154–159. Zitiert nach dem Nachwort der Herausgeberin der Ausgabe als Reclams Fremdsprachentext.