Harro Magnussen

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Harro Magnussen
Magnussen 1898 in seinem Atelier

Harro Magnussen (* 14. Mai 1861 in Hamm bei Hamburg; † 3. November 1908 in Grunewald bei Berlin) war ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn des Malers Christian Carl Magnussen erhielt Harro bei seinem Vater ersten Unterricht im Zeichnen, Modellieren und Holzschnitzen. 1882 begann er eine akademische Ausbildung für Malerei in München bei Nikolaus Gysis, Gabriel von Hackl und Ludwig von Löfftz. Stark beeindruckt von den Werken der Berliner Bildhauerschule – insbesondere dem Neubarock des Reinhold Begas – zog es ihn 1888 nach Berlin in das Atelier von Begas, wo er fünf Jahre blieb und unter anderem am Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal mitarbeitete. Seit 1893 selbständig, beteiligte sich Magnussen an etlichen Wettbewerben, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Dagegen prägten Porträtbüsten sein Schaffen. Seine Bismarck-Büste von 1889 sollte zehn Jahre später bereits in mehr als 1000 Exemplaren, zumeist Gips oder Bronze, verkauft worden sein. 1899 erregte der Künstler auch die Aufmerksamkeit von Kaiser Wilhelm II., der ein in Marmor ausgeführtes Bildnis des sterbenden Friedrich II. erwarb und ihn mit weiteren Entwürfen zu einer Statue des Königs für den Weißen Saal im Berliner Stadtschloss beauftragte. Mit dieser Reputation wurde Magnussen schlagartig in der Öffentlichkeit bekannt. Seine Denkmalgruppe für die Siegesallee Berlin brachte ihm als Auszeichnung den Königlichen Kronenorden IV. Klasse ein.

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harro Magnussen besaß eine ausgeprägte Gabe für die Charakterisierung der von ihm modellierten Personen, die ihm eine unter den Berliner Bildhauern geachtete Position und das Wohlwollen des Kaisers verschaffte. An dem Bemühen, in seinen Werken der Wirklichkeit gerecht zu werden, kam er über eine „Starrheit“ in der Darstellungsweise nicht hinaus.

Magnussen schied durch Freitod aus dem Leben.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1889 Büste Otto von Bismarck
1890 „Der Philosoph von Sanssouci in seinen letzten Stunden“, Entwurf (Gips), 1900 als Geschenk des Künstlers an das Invalidenhaus Berlin, ein weiteres Exemplar heute im Bestand der Skulpturengalerie Berlin, in Marmor siehe 1898
1892 Büste des Dichters Hermann Allmers (ein 1895 datierter Bronzeguss seit 1912 in der Hamburger Kunsthalle erhalten)
1892 Büste Gustav Spangenberg, Gips, Nationalgalerie Berlin
1893 Büste Heinrich Seidel
1894 Bismarckdenkmal in Groß-Lichterfelde bei Berlin
1894 Büste Kommerzienrat Veit, Gips, Nationalgalerie Berlin
1895 Büste Emin Pascha
1895 Büste König Friedrich II.
1898 Denkmal Johannes Honterus an der Stadtpfarrkirche „Schwarze Kirche“ in Kronstadt
1898 „Der Philosoph von Sanssouci in seinen letzten Stunden“, Marmor, im Sterbezimmer von Friedrich II. in Potsdam-Sanssouci, später im Hohenzollernmuseum Berlin, verschollen
1898 Bismarck-Standbild in Jever
1898 Entwurf Denkmal Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenberg für Kiel
1899 Modell Kolossal-Bismarckdenkmal für den Knivsberg, die Ausführung des Standbildes geht dann an Adolf Brütt
1899 Statue des Königs Friedrich II. „im Alter seiner Thronbesteigung“ für den Weißen Saal im Stadtschloss Berlin
1900 Siegesallee-Gruppe Kurfürst Joachim II. in Berlin, teilweise erhalten
1901 Büste Bischof Matthias von Jagow (Replik der Büste aus der Siegesalleegruppe) in farbigem Marmor für Kaiser Wilhelm II.
1901/02 Marmorstatuen Bismarck, Moltke und Roon für die Oberlausitzer Ruhmeshalle in Görlitz, nach 1945 entfernt (verschollen)
1902 Entwurf Denkmal August Kekulé für Bonn
1904 Denkmal Albrecht von Roon, erhalten auf neuem Sockel am Großen Stern in Berlin
1904 dekorative Plastik für Schloss Primkenau
1905 Standbild Martin Luther über dem Portal der Lutherkirche an der Karpfangerstraße in Hamburg; Kirche 1943/44 zerstört; Standbild seit 1966 neben St. Nikolai (Hamburg-Moorfleet)[1]
1905 Standbild Kurfürst Joachim II. für die Innenausstattung des Domes in Berlin
1906 Standbild Kaiser Wilhelm I. in Bonn, erhalten auf neuem Sockel
1907 Entwurf für ein „Denkmal der Naturforschung“ in Jena
1908 Modell für einen um 1910 posthum fertiggestellten Hermann-Balck-Brunnen in Elbing
Büste Klaus Groth
Büste Justizrat Riesser
Bismarck-Standbild in Kiel
Denkmal mit Relief Hermann Allmers in Rechtenfleth bei Bremen
Statuette Friedrich der Große Flöte blasend
Statuette Friedrich der Große auf dem Spaziergang
Statuette Lebensdurst
Moser-Denkmal in Görlitz, nach 1945 entfernt

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bloch, Sibylle Einholz, v. Simson (Hrsg.): Ethos & Pathos – Die Berliner Bildhauerschule 1786–1914. Berlin 1990 (Ausstellungskatalog)
  • Peter Bloch, Waldemar Grzimek: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert. – Das klassische Berlin, Berlin 1978 (Neuauflage 1994)
  • Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee – Réclame Royale. Dietrich Reimer, Berlin 1998
  • Bernhard Maaz (Hrsg.): Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert – Bestandskatalog der Skulpturen, Berlin 2006
  • Eckart Schörle: Harro Magnussen (1861–1908) – Ein Bildhauer der Jahrhundertwende zwischen Anpassung und Eigensinn. In: Nordelbingen, Band 71. 2002. S. 75–110

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Harro Magnussen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lutherdenkmal auf www.hamburger-reformation.de, abgerufen am 13. Oktober 2017