Harry Davenport

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Dieser Artikel behandelt den Theaterschauspieler; zum Politiker siehe Harry J. Davenport.
Harry Davenport (ca. 1895)

Harry Davenport (* 19. Januar 1866 in New York City, New York als Harold George Bryant Davenport; † 9. August 1949 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Film- und Theaterschauspieler, dessen Karriere insgesamt 76 Jahre dauerte. Im hohen Alter wurde er als Charakterdarsteller in Hollywood bekannt, etwa als Dr. Meade in Vom Winde verweht (1939). Bette Davis soll ihn als „größten Charakterdarsteller aller Zeiten“ bezeichnet haben.[1]

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Frühes Leben und Theater- und Stummfilmkarriere[Bearbeiten]

Harry Davenport wurde als eines von neun Kindern des Schauspieler-Ehepaares Edward Loomis Davenport und Elizabeth Vining geboren. Zwei seiner Geschwister starben früh. Er und die meisten seiner übrigen Geschwister traten in die Fußstapfen der Eltern und gingen zum Theater. Harrys Schwester Fanny Davenport und sein Bruder Edgar Davenport ging ins Schauspielfach, während seine Schwester Lillie Opernsängerin wurde. Harrys Bühnendebüt erfolgte 1871 in Philadelphia in dem Stück Damon und Phytias. Schon als Jugendlicher spielte er in vielen Shakespeare-Stücken mit. Zurück in New York arbeitete Harry Davenport weiter an seiner Schauspielerkarriere. 1893 heiratete er seine Kollegin Alice Shepard. Die Ehe hielt aber nur drei Jahre und wurde 1896 geschieden. Harry wurde Vater einer Tochter, Dorothy Davenport, die die Schauspieltradition der Familie Davenport weiterführte.

Schon kurz nach der Scheidung heiratete Harry die Entertainerin Phyllis Rankin, mit der er bis zu ihrem Tod 1934 verheiratet blieb. Drei ihrer vier Kinder wurden ebenso Schauspieler. 1894 erfolgte Davenports Debüt am Broadway in dem Musical The Voyage of Suzette. Bis 1910 trat er in verschiedenen erfolgreichen Stücken auf und erwarb sich den Ruf eines angesehenenn Schauspielers. Um die Broadway-Darsteller vor der Ausbeutung gieriger Produzenten zu schützen, gründete er zusammen mit der Theaterlegende Eddie Foy die „Actor's Equity Association“. Die Gemeinschaft trat für die Rechte der Darsteller ein, und so war die Theaterkarriere Davenports in der Folgezeit gestoppt. Nun wandte er sich dem Film zu: Im Alter von 48 Jahren gab er sein Leinwanddebüt 1914 in der Stummfilm-Komödie Too Many Husbands. Bis 1921 spielte er in mehr als 30 Filmen, darunter in einer von ihm selber inszenierten Serie von Kurzfilmen über die Familie Jarr. Ab 1921 erfolgte eine neunjährige Leinwandpause, in dieser Zeit spielte Harry Davenport wieder zusammen mit seiner Frau am Broadway. Mit Beginn des Tonfilmes 1930 kamen auch wieder gelegentliche Filmauftritte dazu.

Spätes Leben und Filmerfolge[Bearbeiten]

Der unerwartete Tod seiner Frau Phyllis im Jahre 1934 brachte Harry Davenport dazu, die Theaterbühne zu verlassen und nach Hollywood umzusiedeln. In der Folgezeit wurde er dort zu einem der vielbeschäftigsten und bekanntesten Darstellern seines Alters. Er wurde meistens als würdevoller Großvater, Arzt, Richter oder Politiker in allen Genres besetzt. Davenport übernahm Nebenrollen in Das Leben des Emile Zola (1937), Lebenskünstler (1938) und Vom Winde verweht (1939), alle drei Filme erhielten den Oscar für den besten Film des Jahres. In Vom Winde verweht spielte er als väterlicher Arzt Dr. Meade seine heute wohl bekannteste Rolle. Zu seinen weiteren Auftritten gehörten der greise König von Frankreich in William Dieterles Literaturverfilmung Der Glöckner von Notre Dame sowie der Einsiedler einer Geisterstadt in der Komödie Die Braut kam per Nachnahme (1941) neben James Cagney und Bette Davis. In Alfred Hitchcocks Thriller Der Auslandskorrespondent (1940) war er als Chefredakteur einer Zeitung zu sehen, in Sam Woods Drama Kings Row (1942) spielte er einen Oberst und in Ritt zum Ox-Bow (1942) war er als Gegner eines Lynchmordes zu sehen. Weitere Rollen spielte er als liebenswerter Großvater von Judy Garland in Vincente Minnellis Film-Musical Meet Me in St. Louis (1944) sowie als Vater des von William Powell gespielten Detektivs Nick Charles in Der dünne Mann kehrt heim (1945).

Der als Antiquitätenliebhaber bekannte Darsteller trat dabei immer wieder an der Seite von Familienmitgliedern auf, so zum Beispiel seinem Schwager Lionel Barrymore oder zusammen mit seinem Sohn und seinem Enkelkind in Vom Winde verweht. Dass er auch im hohen Alter noch etwa ein halbes Dutzend Filme pro Jahr drehte, begründete er einmal so: "Ich hasse es, Männer in meinem Alter zu sehen, die sich niedersetzen und Sozialstütze bekommen, im Glauben ihr Leben sei vorüber. Ein alter Mann muss zeigen, dass er sein Handwerk beherrscht und kein Faulenzer ist. Wenn er das geschafft hat, kann er sein Pensionsgeld einstreichen und dafür Gänseblümchen kaufen."[2] Seine 76 Jahre lange Schauspielkarriere beschloss er in seinem Todesjahr als Vater von Errol Flynn und Walter Pidgeon im Filmdrama Das Schicksal der Irene Forsyte, in dem er den verstorbenen C. Aubrey Smith ersetzte.

Im Alter von 83 Jahren verstarb Harry Davenport plötzlich an einem Herzinfarkt.[3][4]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harry Davenport: What A Character
  2. Nachruf auf Harry Davenport
  3. Nachruf auf Harry Davenport
  4. Ken Dennis: Harry Davenport: Grand old man of the Golden Age

Weblinks[Bearbeiten]