Harry Pfeifer

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Harry Pfeifer

Harry Pfeifer (* 25. Februar 1929 in Penig; † 28. September 2008 in Leipzig) war ein deutscher Physiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstes Kernresonanz-Gerät

Nach dem Besuch der Grundschule in Penig (1935 bis 1939) und der Staatlichen Oberschule in Waldenburg (1939 bis 1947, Abitur 1947) studierte Harry Pfeifer von 1947 bis 1951 in der Fachrichtung Physik-Diplom an der Universität Leipzig. Seine akademischen Lehrer waren u. a. Waldemar Ilberg, Bernhard Kockel, Ernst Hölder, Herbert Staude und Leopold Wolf. In seiner Diplomarbeit „Über den Pendelrückkoppelempfänger und die Beobachtung von magnetischen Kernresonanzen“ (1951), siehe Abbildung Kernresonanzspektrometer, behandelte er die Beobachtung und Messung der ersten magnetischen Kernresonanz (NMR)-Signale in Deutschland.[1][2][3] Gemeinsam mit Artur Lösche legte Harry Pfeifer am Physikalischen Institut der Universität Leipzig so die Grundlagen für eine intensive Entwicklung und breite Anwendung der Hochfrequenzspektroskopie auf verschiedenen Gebieten der Physik, später auch Chemie, Medizin und Biologie.

1953 promovierte Pfeifer mit der Arbeit „Zum Rukopschen Problem“ (bei Waldemar Ilberg) zum Dr. rer. nat., mit Grundlagen der Erzeugung ungedämpfter elektrischer Schwingungen in Parallel- und Serienschwingkreisen. 1956 habilitierte er sich mit der Schrift „Zur Beobachtung magnetischer Kernresonanzen“. Seine frühen Arbeiten zur magnetischen Resonanz sind in der Monographie „Kerninduktion“ von Lösche (1957) zusammengefasst.[4] Nach der Erteilung der venia legendi 1956 erfolgte 1957 die Berufung zum Dozenten für Experimentalphysik, 1960 zum Professor mit Lehrauftrag, 1964 zum Professor mit vollem Lehrauftrag und schließlich 1969 zum Professor mit Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Universität Leipzig.

Harry Pfeifer hat sehr frühzeitig die großen Vorteile gepulster Verfahren der kernmagnetischen Resonanz erkannt, grundlegende Arbeiten zu Vielimpulsverfahren und zu Diffusionsmessungen mit Feldgradientenverfahren erbracht und umfangreiche Geräteentwicklungen auf diesen Gebieten betrieben. Er befasste sich zunächst mit Untersuchungen des Hydratationsverhaltens in Lösungen diamagnetischer und paramagnetischer Ionen, später mit Struktur und dynamischem Verhalten von Molekülen in porösen Festkörpern, vor allem Zeolithen und anderen Grenzflächensystemen und erbrachte wichtige Beiträge zur Untersuchung von physikalischen Grundfragen von Adsorption und Katalyse. Über 300 Publikationen belegen seine umfangreiche Forschertätigkeit. Sein Interesse galt auch der Anwendung der NMR auf biologische Grenzflächensysteme. Mehr als 250 Diplom-Physiker, 70 Doktoren und 20 Hochschullehrer sind aus seiner Schule hervorgegangen.[5][6][7][8] Harry Pfeifer war Gastprofessor 1975 an der Universität Hanoi, 1981 an der Université Pierre et Marie Curie in Paris und 1983 an der Universidad Central de Venezuela in Caracas und arbeitete in zahlreichen Herausgeberbeiräten von wissenschaftlichen Zeitschriften.

Mitgliedschaften und Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1969–1991 Dekan der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften der Karl-Marx-Universität Leipzig
  • 1963–1994 Leiter der Abteilung Elektronik bzw. des NMR-Laboratoriums bzw. des Wissenschaftsbereichs Experimentalphysik bzw. der Abteilung Grenzflächenphysik
  • 1973–1990 Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR
  • 1990–1994 Council of the International Society of Magnetic Resonance (ISMAR)
  • 1991–1998 A.A. Zeolithe der DECHEMA
  • 1990–2008 Committee Groupements AMPERE (Atomes et Molécules Par Études Radio-Électriques)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1969 Nationalpreis der DDR
  • 1973 Leibniz-Medaille der Akademie der Wissenschaften der DDR
  • 1979 Gustav-Hertz-Preis der Physikalischen Gesellschaft der DDR (mit Jörg Kärger)
  • 1986 D. W. Breck Award der International Zeolite Association (IZA), Tokyo (mit Dieter Freude, Jörg Kärger und Martin Bülow)
  • 1989 Dr. rer. nat. h. c., Humboldt-Universität Berlin

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elektronisches Rauschen, Band 1 (1959), Elektronisches Rauschen, Band 2 (Hrsg., 1968),
  • Elektronik für den Physiker (7 Bände, 1970–1977),
  • Elektronikpraktikum (Hrsg., 3. Auflage 1990, spanische Übersetzung: Caracas 1988),
  • Lehrbuch Grundwissen Experimentalphysik (mit H. Schmiedel, 1997),
  • Lehrbuch Kompaktkurs Physik. Mit virtuellen Experimenten und Übungsaufgaben (mit H. Schmiedel und R. Stannarius, 2004).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nach der Entdeckung dieser Methode im Jahre 1946 in den USA durch Felix Bloch (1905–1983) mit Hansen und Packard und Edward Mills Purcell (1912–1997) mit Bloembergen und Pound wurden in Europa frühere Arbeiten zur NMR zunächst in Großbritannien ausgeführt (Bernard V. Rollin; J. Hatton) siehe Bernard V. Rollin, Nature (London) 158 (1946) 669; B. V. Rollin, J. Hatton, Nature (London) 159 (1947) 201; J. Hatton, B. V. Rollin, Proc. Royal Society (London) A 199 (1949) 222.
  2. H. Pfeifer, The Early Years of NMR Spectroscopy in Germany, in Encyclopedia of Nuclear Magnetic Resonance, Vol. 1, Historical Perspectives, John Wiley and Sons, Chichester, New York 1996.
  3. H. Pfeifer: A short history of nuclear magnetic resonance spectroscopy and of its early years in Germany, Magn. Reson. Chem. 37 (1999) 154.
  4. A. Lösche: Kerninduktion, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1957.
  5. Jörg Kärger, Dieter Michel: Harry Pfeifer zum 70. Geburtstag, Mitteilungen und Berichte der Universität Leipzig, April 1999, Heft 2-99, S. 31–32, ISSN 0947-1049.
  6. Douglas M. Ruthven, Dieter Michel, Dieter Freude, Jörg Kärger: Weiterhin aktiv für die Physik, Harry Pfeifer zum 75. Geburtstag, journal Universität Leipzig, April 2004, Heft 2-2004, S. 35, ISSN 0947-1049
  7. Jürgen Haase: Prägende Persönlichkeit der Leipziger Physik, zum Tode von Harry Pfeifer am 28. September, journal Universität Leipzig, Dezember 2008, Heft 6-2008, S. 32, ISSN 1860-6709.
  8. Geschichte der Universität Leipzig 1409–2009, Band 4, 2. Halbband, ISBN 978-3-86583-304-4, S. 1252, S. 1256 f., S.1271, S. 1272.