Hartenrod

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Hartenrod
Gemeinde Bad Endbach
Wappen der ehemaligen Gemeinde Hartenrod
Koordinaten: 50° 45′ 32″ N, 8° 27′ 39″ O
Höhe: 337 m ü. NHN
Fläche: 4,84 km²[1]
Einwohner: 2360[2]
Bevölkerungsdichte: 488 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35080
Vorwahl: 02776
Ansicht von der Skipiste
Ansicht von der Skipiste

Hartenrod ist ein Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartenrod entstand vermutlich, wie die anderen Rode-Orte, während des "Mittelalteroptimums" (Mittelalterliche Warmzeit), als in der Zeit nach 900 n. Chr. bis etwa Ende des 13. Jh. eine Warmperiode zu verzeichnen war. In diesem Zeitraum wuchs die Bevölkerung rasch; sie musste ernährt werden. Neue Acker- und Siedlungsflächen wurden dringend benötigt. Waldflächen in bisher unwirtlichen Mittelgebirgsregionen wurden dafür gerodet. Auf diesen Rodungsflächen entstanden neue Siedlungen.

Hartenrod wurde als „Harprebtzrode“ im Jahre 1311 (Ausstellungsort) erstmals in einer erhaltenen Urkunde Pfalzgraf Rudolfs I. für Graf Heinrich von Nassau urkundlich erwähnt[3]. Über die Gründung des Ortes ist jedoch nichts bekannt.

Hartenrod war Vorort des Verwaltungsbezirkes Obergericht im Amt Blankenstein, das deckungsgleich mit dem Kirchspiel Hartenrod war.

Diabas Steinbruch "Hahnkopf" zwischen Hartenrod und Wommelshausen

Der Bergbau hat in Hartenrod eine lange Tradition. Bereits im 17. Jahrhundert wurde auf Kupfer und Bleierze geschürft. Heute wird noch der Steinbruch Hahnkopf betrieben. Den wirtschaftlichen Aufschwung erreichte Hartenrod durch den Anschluss an die Eisenbahn und durch den Schwertspatbau (vgl. Kapitel Bergbau und Kapitel Eisenbahn unter Bad Endbach und Lahn-Dill-Gebiet). 1953 wurde in Hartenrod der Verkehrs- und Verschönerungsverein gegründet und seit 1962 ist Hartenrod ein staatlich anerkannter Erholungsort[4] mit verschiedenen attraktiven Freizeitangeboten. Hartenrod besitzt auch nach dem Niedergang des Bergbaus im Hinterland und der Errichtung der Kuranlagen in Bad Endbach eine regionale Bedeutung.

Die ehemals selbständige Gemeinde Schlierbach kam am 31. Dezember 1971 zu Hartenrod. Am 1. Juli 1974 wurde Hartenrod in die Gemeinde Bad Endbach eingegliedert.[5]

Kirchspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche Hartenrod

Im Mittelalter, vermutlich nach dem Ende der Dernbacher Fehde 1333/36 und der endgültigen Grenzfestlegung zwischen Hessen und der Grafschaft Nassau-Dillenburg, teilte sich das Amt Blankenstein und mit ihm das große Kirchspiel Gladenbach mit der Martinskirche (Martinskirche Gladenbach) in zwei Kirchspiele auf, und zwar eins für das Untergericht (Gladenbach) und eins für das Obergericht (Hartenrod). Hartenrod bekam eine eigene Pfarrei und wurde Vorort für das Kirchspiel im Obergericht. Der erste Pfarrer, der 1367 in Hartenrod genannt wird, war Peter von Buchenau.

Neben Gladenbach erhielt Hartenrod dadurch über Jahrhunderte hinweg eine zentrale, regionale Bedeutung und war damals die wichtigste Siedlung im Obergericht. Zum Kirchspiel (Pfarrei) gehörten ehemals: Bottenhorn, Dernbach, Hülshof, Wommelshausen mit dem Ortsteil Hütte, Endbach, Schlierbach und Hartenrod. Die bis zur Reformation selbständige und von Hartenrod getrennte Pfarrei Günterod wurde 1526 mit Hartenrod pfarramtlich verbunden.

Bottenhorn wurde 1848 ein selbständiger Pfarrbezirk, u.a. auch des weiten Kirchweges (ca. 4,7 km) wegen, gehörte aber weiterhin zum Kirchspiel Hartenrod. Hülshof und Dernbach kamen erst 1934 pfarramtlich zu Bottenhorn. Im Jahre 1929 wurde auch Günterod wieder selbständig und zusammen mit Endbach zu einer Pfarrei erhoben. Danach gehörten zur Pfarrei Hartenrod bis 1968 nur noch die Orte Wommelshausen mit Hütte, Schlierbach und Hartenrod. Seit 1968 bilden Günterod und Bischoffen einen neuen Pfarrbezirk. Die Kirchengemeinden Wommelshausen und Endbach wurden 1969 ebenfalls zu einem eigenen Pfarrbezirk zusammengeschlossen. Seitdem umfasst das alte Kirchspiel Hartenrod nur noch die Orte Hartenrod und Schlierbach.

Das in der Gemeinde Dernbach ansässige Adelsgeschlecht „von und zu Dernbach“ gehörte auch diesem Kirchspiel. Sie hatten hier eigene Kirchenstühle.

Im Jahre 1455 wurde in Hartenrod eine neue Kirche für das Obergericht gebaut. Warum und was mit dem Vorgängerbauwerk geschah ist unbekannt. Sie war dem Heiligen Christophorus geweiht, bis sie 1526 reformiert wurde. Für die etwa 500 Kirchenbesucher war sie viel zu klein. Aus diesem Grund und wegen Baufälligkeit wurde diese bedeutende Kirche 1845 abgerissen. 1858 wurde die neue evangelische Kirche in Hartenrod eingeweiht. Sie ist eine weiträumige Saalkirche mit einem hohen Westturm.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten, denen Hartenrod unterstand:[1][6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1997 sind:[1]

  • 1502: 0018 Männer
  • 1577: 0032 Hausgesesse
  • 1630: 0026 Untertanen; 7 zweispännige, 5 einspännige Ackerleute, 14 Einläuftige
  • 1742: 0092 Haushalte
  • 1830: 0568 evangelische, ein römisch-katholischer Einwohner
  • 1867 Erwerbspersonen: 110 Landwirtschaft, 16 Gewerbe und Industrie, 12 Handel, 4 Verkehr, 49 persönliche Dienstleistungen, 1 Gesundheitspflege, 1 Erziehung und Unterricht, 1 Kirche und Gottesdienst, 3 Gemeindeverwaltung, 8 Personen ohne Berufsausübung.
  • 1885: 0643 Einwohner
  • 1925: 1235 Einwohner
  • 1939: 1341 Einwohner
  • 1950: 1856 Einwohner
  • 1961: 2006 (1759 evangelische, 215 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 177 Land- und Forstwirtschaft, 600 produzierendes Gewerbe, 97 Handel und Verkehr, 96 Dienstleistungen und sonstiges.
Hartenrod: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
618
1840
  
651
1846
  
674
1852
  
616
1858
  
620
1864
  
547
1871
  
562
1875
  
651
1885
  
643
1895
  
763
1905
  
897
1910
  
982
1925
  
1.235
1939
  
1.341
1946
  
1.808
1950
  
1.856
1956
  
1.808
1961
  
2.006
1967
  
2.257
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Viadukt der Aar-Salzböde-Bahn über das Schlierbachtal in Hartenrod

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Viadukt von Hartenrod
  • Evangelische Kirche

Freizeitangebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wintersportgebiet (Skilift und Loipen)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerald Bamberger: "Lasst doch die Kirche im Dorf...", Die Geschichte der Kirchen und Kapellen in der alten Pfarrei Hartenrod, Hrsg. Ev. Kirchengemeinden Bad Endbach, Bottenhorn mit Dernbach und Hülshof, Günterod, Hartenrod mit Schlierbach, sowie Wommelshausen, Kempkes Gladenbach, Gladenbach 1997
  • Karl Huth: Hartenrod in Geschichte und Gegenwart. Hrsg.: Gemeindevorstand der Gemeinde Hartenrod. 1974, DNB 820289183.
  • Hartenrod im Wandel der Zeit, 1311 - 2011, Hrsg. Festausschuss 700 Jahre Hartenrod, L&W Druck Bad Endbach 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hartenrod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hartenrod, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 15. März 2017)
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Bad Endbach, abgerufen im September 2015.
  3. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden W 170 Urk.; Koch und Wille Nr. 1672
  4. Prädikate auf dem Prüfstand - Erwachen aus dem Dornröschenschlaf In: Oberhessische Presse, aufgerufen am 25. März 2016.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 und 351.
  6. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990