Hartha

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hartha (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hartha
Hartha
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hartha hervorgehoben
Koordinaten: 51° 6′ N, 12° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 269 m ü. NHN
Fläche: 54,36 km²
Einwohner: 7231 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 133 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04746
Vorwahl: 034328
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 250
Adresse der
Stadtverwaltung:
Karl-Marx-Straße 32
04746 Hartha
Webpräsenz: www.hartha.de
Bürgermeister: Ronald Kunze (parteilos)
Lage der Stadt Hartha im Landkreis Mittelsachsen
Altmittweida Augustusburg Bobritzsch-Hilbersdorf Brand-Erbisdorf Burgstädt Claußnitz Döbeln Dorfchemnitz Eppendorf Erlau (Sachsen) Flöha Frankenberg/Sa. Frauenstein (Erzgebirge) Freiberg Geringswalde Großhartmannsdorf Großschirma Großweitzschen Hainichen Halsbrücke Hartha Hartmannsdorf (bei Chemnitz) Königsfeld (Sachsen) Königshain-Wiederau Kriebstein Leisnig Leubsdorf (Sachsen) Lichtenau (Sachsen) Lichtenberg/Erzgeb. Lunzenau Mittweida Mühlau (Sachsen) Mulda/Sa. Neuhausen/Erzgeb. Niederwiesa Oberschöna Oederan Ostrau (Sachsen) Penig Rechenberg-Bienenmühle Reinsberg (Sachsen) Rochlitz Rossau (Sachsen) Roßwein Sayda Seelitz Striegistal Taura Waldheim Wechselburg Weißenborn/Erzgeb. Zettlitz Zschaitz-Ottewig SachsenKarte
Über dieses Bild

Hartha ist eine Kleinstadt in Sachsen (Deutschland) und liegt im Landkreis Mittelsachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie umfasst die Ortsteile Aschershain, Diedenhain, Wallbach, Wendishain, Nauhain, Lauschka, Steina, Saalbach, Richzenhain und Flemmingen sowie das 2004 eingemeindete Gersdorf mit seinen Ortsteilen Langenau, Kieselbach, Neudörfchen, Schönerstädt und Seifersdorf. Damit ist Hartha eine der größten Flächengemeinden im Landkreis.

Benachbarte Gemeinden sind (beginnend im Norden im Uhrzeigersinn) Leisnig, Großweitzschen, Döbeln, Waldheim, Geringswalde (alle in Mittelsachsen) und im Westen Colditz im Landkreis Leipzig.

Ein Großteil dieser Flächen wird noch heute landwirtschaftlich genutzt.

Die Stadt Hartha liegt in zentraler Lage im Dreieck der Großstädte LeipzigDresdenChemnitz mit einer jeweiligen Entfernung von etwa 50 km und übt für das Umland die Rolle eines Unterzentrums aus.

Hartha liegt im mittelsächsischen Hügelland. Die höchste Erhebung ist das Harthaer Kreuz mit 326 m ü. NN. Hier kreuzen sich die B 175, B 176 und S 36.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1223. Heinrich von Harth wird zusammen mit seinem Bruder Albert von Gersdorf in diesem Jahr auf einer Urkunde, die in Altenberg von König Heinrich IV. ausgestellt wurde, als Zeuge eines Rechtsstreites erwähnt. Gersdorf ist der heutige Name eines kleinen Ortsteils am Rande von Hartha.

Gedenkstein und Info-Tafel zum Gefecht bei Gersdorf

Hartha wurde in der Nähe eines Verkehrsweges zwischen Dresden und Leipzig gegründet. Um 1100 wurde auf diesem Weg Salz aus der Gegend von Halle bis nach Böhmen transportiert. Die Vorfahren der Harthaer stammen aus Franken, Thüringen und Flandern.

Harthas Ruf als Industriestadt geht bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Im Jahre 1506 wurde die Innung der Leineweber durch Herzog Georg von Sachsen bestätigt. Die hier hergestellten Textilprodukte wurden bereits 1750 bis nach Spanien exportiert. Neben der Textilindustrie spielte die Landwirtschaft eine bedeutende Rolle.

Beim Ortsteil Gersdorf erinnert ein Stein an das Gefecht vom 5. Mai 1813.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand eine Reihe von Fabriken, in denen vor allem Filz, Schuhe und Metallartikel (Litze) für die Webereien, aber auch Zigarren und Knöpfe produziert wurden. Bekannt war die Kutschenfabrik von M. J. Plenikowski & Co. Dies verhalf der Stadt zu wirtschaftlichem Aufschwung.

historische Ortsnamensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Urkunden finden sich folgende Schreibweisen[2]:

  • 1223: Heinricus de Hart (indirekte Erwähnung)
  • 1404: das stetichin die Harte
  • 1445/1447: Stetchen die Harthe
  • 1590: Hartta
  • 1791: Hartha

Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort hart für Wald, waldiger Höhenzug ab, Hartha ist also eine Siedlung an einem (Berg-) Wald.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Aschershain[3] 1. Juli 1950
Diedenhain[3] 1. Juli 1950
Flemmingen[4] 1. Januar 1914
Gersdorf[5] 1. Januar 2004
Kieselbach[3] 1. Januar 1969 Eingemeindung nach Gersdorf
Langenau[5] 1. Januar 1993 Eingemeindung nach Gersdorf
Lauschka[4] 1. Februar 1936 Eingemeindung nach Wendishain
Nauhain[3] 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Wendishain
Neudörfchen[3] 1. Januar 1952 Eingemeindung nach Kieselbach
Reinhardtsthal[6] 1862
Richzenhain[4] 1. Juni 1905 Teileingemeindung, ein Teil nach Waldheim eingemeindet
Saalbach[3] 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Steina
Schönerstädt[3] 1. Januar 1978 Eingemeindung nach Gersdorf
Seifersdorf[3] 1. Januar 1968 Eingemeindung nach Schönerstädt
Steina[5] 1. Januar 1994
Wallbach[3] 1. Januar 1969
Wendishain[5] 1. Januar 1994

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[7]
Wahlbeteiligung: 45,1 % (2009: 52,3 %)
 %
50
40
30
20
10
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41,5 %
37,4 %
13,0 %
8,1 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
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+14,5 %p
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-4,4 %p
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Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartha war und ist Standort zahlreicher Gewerbebetriebe. In den Jahren bis 1945 waren die Branchen Schuh- und Textilherstellung sowie Lebensmittelhersteller prägend, später wurde Hartha ein Zentrum für die Herstellung von Kfz-Teilen, des Textilmaschinenbaus und der Elektrotechnik. Zu den Produkten gehörten u.a. Elektromotoren, Stossdämpfer, Hausschuhe sowie Webwaren wie die mit Karomustern versehenen "Harthaer Schottenstoffe". Auch das Baugewerbe und das Druckgewerbe waren mit zahlreichen Unternehmen vertreten.

Auch gegenwärtig ist Hartha ein beliebter Standort der Industrie. So sind in Hartha kleine, mittlere und größere Unternehmen folgender Wirtschaftszweige aktiv: Abbau und Verarbeitung von Steinen und Erden, Elektrotechnik, Herstellung von Kfz-Teilen, Metallbearbeitung und -verarbeitung (u.a. im Bereich Galvanik, Gußtechnik, Maschinenbau), Kunststoffverarbeitung, Baugewerbe, Logistik, Druckgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel. Zudem sind zahlreiche Unternehmen des Handwerks, des Hotel- und Gastgewerbes sowie Kulturbetriebe mit überregionaler Ausstrahlung (Veranstaltungsort Hartharena) ansässig.

Daneben befinden sich im Umland der Stadt zahlreiche Betriebe der Landwirtschaft und Viehzucht sowie Einrichtungen zur Energieerzeugung (Wasserkraft, Windkraft).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn man von der Harthaer Kirche spricht, dann ist das vierte Kirchgebäude gemeint. Die erste Kirche brannte 1506 ab. Die zweite wurde Opfer der Flammen im Dreißigjährigen Krieg. Die dritte, die 1636 erbaut wurde, war winklig und schmucklos, uneinheitlich und unregelmäßig, die von der Armut des alten Hartha zeugte. Die Grundsteinlegung der vierten Kirche erfolgte 1868, nachdem König Johann 1861 bei einem Besuch Harthas und einer Besichtigung des alten Gotteshauses die Gemeinde in ihrem Wunsch nach einem Neubau bestärkt hatte. Die Baupläne zur neuen Kirche stammen vom Baumeister Emil Haase aus Chemnitz. Am 13. November 1870 erfolgte die Einweihung der Stadtkirche zu Hartha. Aufgrund ihrer architektonischen Schönheit im neoromanischen Baustil ist sie noch heute eine Zierde der Stadt. Seit 1910 besitzt sie ein Orgelwerk, welches mit 45 klingenden Registern das größte in der ganzen Ephorie darstellt. Die Bleiglasfenster stammen aus dem Jahr 1892.

Sternwarte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die an der Töpelstraße gelegene Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte wurde schrittweise ab dem Jahr 1954 errichtet und ist Heimstätte des Vereins Sternwarte Hartha e. V. Die Sternwarte verfügt über eine umfangreiche Datensammlung zum Thema Veränderliche Sterne, welche nach der weitgehenden Digitalisierung der Fotoplatten ein Datenvolumen von 752 GB umfasst (2006).[8]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartha trägt den Beinamen Frosch-Hartha. Früher gab es im Stadtgebiet einige Teiche, die von Fröschen bevölkert waren. Die Frösche standen Pate für den am 11. Mai 1996 eingeweihten Froschbrunnen auf dem Marktplatz.
  • Drei Viadukte der Bankrottmeile befinden sich bei den Ortsteilen Saalbach und Steina.
  • Gedenkstein im Stadtpark am Reinhardtstal für alle Opfer des Faschismus

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der politischen Wende 1989 ging Hartha eine Städtefreundschaft mit der Stadt Fröndenberg/Ruhr/ im Kreis Unna (NRW) ein. Am 1. Juni 1991 erfolgte die Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages, nachdem bereits seit 1990 Kontakte und freundschaftliche Beziehungen bestanden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Straßen auf dem Gebiet der Gemeinde sind die Bundesstraße 175, die die Stadt Hartha an ihrem Nordrand tangiert, die Bundesstraße 176, die am Harthaer Kreuz in einem Kreisverkehr in die vorige mündet, und die Staatsstraße 36, die wenige Meter östlich davon in einem weiteren Kreisverkehr die Bundesstraße 175 kreuzt und das Stadtgebiet von Hartha an der Südwestseite berührt.

Der Bahnhof Hartha (Kr Döbeln) liegt an der Bahnstrecke Waldheim–Rochlitz. Diese Strecke ist seit 1998 stillgelegt. Im Osten des Gemeindegebiets liegt der Haltepunkt Steina an der Bahnstrecke Chemnitz-Riesa etwa 2,5 km vom namengebenden Ortsteil und 5 km von der Stadtmitte Hartha.

Tägliche Busverbindungen bestehen nach Rochlitz, Waldheim, Leisnig, und Döbeln, werktags auch nach Colditz und einigen kleineren Orten sowie umsteigefrei nach Geithain. Hartha liegt im Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Mittelsachsen, im Übergangsverkehr vom und zum Mitteldeutschen Verkehrsverbund gilt dessen Tarif.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Hartha. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 25. Heft: Amtshauptmannschaft Döbeln. C. C. Meinhold, Dresden 1903, S. 79.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hartha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Hartha – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, Band I, Seiten 389 und 378
  3. a b c d e f g h i Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. a b c Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  5. a b c d Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  6. Reinhardtsthal im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  8. Internetpräsenz des Vereins Sternwarte Hartha e.V.