Haruspex

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Ein Haruspex (lat.; Plural: Haruspices etrusk. = Seher) war ein antiker Wahrsager, der Blitzschläge deutete und vor allem aus den Eingeweiden von Opfertieren weissagte. Die Leber des Tiers galt dabei als Mikrokosmos, der den Zustand der Welt widerspiegelte. Als die Goten unter Alarich im Jahr 408 n. Chr. Rom erreichten, boten Haruspices dem Bischof von Rom, Papst Innozenz I., ihre Hilfe an.[1]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Haruspex wurde von den Römern gebildet. Wahrscheinlich wurde ein etruskisches Wort analog zum Augur (Auspex, „Vogelschauer“) mit der Verbalwurzel spec- „schauen“ verknüpft.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etruskische Tierleber aus Bronze, Museo Civico di Piacenza

Ursprünglich war diese Art der Vorzeichendeutung als Leberschau bei den Etruskern heimisch,[3] doch wurden die Haruspices bereits in der Königszeit in Rom tätig. Die Haltung der Römer und der Republik zu den Haruspices war im Laufe der Geschichte schwankend. Cato betrachtete sie als Schwindler.[4] Die Weissagungen der Haruspices mussten zeitweise durch den Senat bestätigt werden. Erst gegen Ende der Republik sind sie zu einem Kollegium von 60 Mitgliedern zusammengefasst worden, das im Jahr 47 durch Kaiser Claudius reorganisiert wurde.[5] Unter Konstantin dem Großen wurden ihre Rechte und insbesondere ihre Befragung durch Privatperson weitgehend eingeschränkt, unter Constantius II. wurde jede Art der Divination verboten, unter Julian aber noch einmal kurzzeitig zugelassen. Noch im 7. Jahrhundert mussten Verbote gegen die Tätigkeiten der Haruspices ausgesprochen werden, die folglich immer noch praktizierten.

Haruspices gab es nicht nur in Rom, auch die Kolonien und Munizipien hatten ihre eigenen Haruspices, die sich meist aus den Vornehmen und Einflussreichen einer Gemeinde rekrutierten. Gleiches gilt für die Stäbe der römischen Legionen und die Kaiser, die meist wie schon Sulla und Caesar über persönliche Haruspices verfügten.

Haruspices gehörten nicht zur römischen Priesterschaft, gleichwohl konnten sie in der Kaiserzeit, in der es sogar Freigelassene unter ihnen gab, auch einem Priesterkollegium angehören. In der Regel waren sie aber eher Priester nichtrömischer Gottheiten außerhalb Roms. Dennoch spielten sie eine erhebliche Rolle bei römischen Stadtgründungen und Tempelneubauten. Von den Haruspices lernten die Römer gar die Kunst der Limitation.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zosimos 5,41.
  2. Der kleine Stowasser. München: Teubner 1980. S.206.
  3. H. LeB.: Haruspieces. In: Lexikon der Alten Welt. Band 2. Artemis, Zürich/München 1990.
  4. Tacitus, Annales 11,15.
  5. Lexikon der Alten Welt. Band 2. Artemis, Zürich/München 1990.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]