Harzburg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Harzburg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Harzburg
Harzburg: Nachbau der Grundmauern eines Turms

Harzburg: Nachbau der Grundmauern eines Turms

Alternativname(n): Große Harzburg
Entstehungszeit: 1065 bis 1068
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Mauerreste, Graben
Ständische Stellung: König, Kaiser
Ort: Bad Harzburg
Geographische Lage 51° 52′ 17″ N, 10° 34′ 3″ OKoordinaten: 51° 52′ 17″ N, 10° 34′ 3″ O
Höhe: 485 m ü. NHN
Harzburg (Niedersachsen)
Harzburg
Harzburg um 1574

Die Harzburg, auch Große Harzburg genannt, ist die Ruine einer ehemaligen Kaiserburg am Harz-Nordrand direkt oberhalb von Bad Harzburg im Landkreis Goslar, Niedersachsen (Deutschland).

Die Höhenburg ist weitgehend verschwunden, lediglich Fragmente der Grundmauern und der Türme sowie der Brunnen sind erhalten.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruine der Höhenburg befindet sich oberhalb des Ortes bzw. des Radautales auf dem Großen Burgberg (ca. 485 m ü. NHN),[1] auf den die Burgbergseilbahn fährt.

Nördlich benachbart ist der Kleine Burgberg (436,5 m ü. NN),[2] auf dem sich Reste der Kleinen Harzburg befinden, und ostsüdöstlich liegt der Sachsenberg (ca. 546 m ü. NHN) mit Spuren einer Wallanlage, die möglicherweise den aufständischen Sachsen zur Belagerung der Großen Harzburg diente (s. „Geschichte“).

Burgbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den zwei unterschiedlichen Bergfrieden ist der viereckige in neuer Zeit in geringem Umfang aufgemauert worden (s. Foto). Der Burgumfang und die wenigen Mauerreste sind auf einer Infotafel vor Ort erläutert. Ein in den Fels getriebener Abschnittsgraben trennt die Burg in einen östlichen und einen westlichen Teil. Trinkwasser wurde dem Burgbrunnen vom nahen Sachsenbrunnen durch eine Holzrohrleitung zugeführt. Die Burgruine kann frei besichtigt werden.

Außer der Burgruine befinden sich eine Gastwirtschaft und die 19 m hohe Canossasäule (482,8 m ü. NN[2]) von 1877 und eine Bismarck-Ulme auf dem Burggelände.

Burgname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Bezeichnungen der Burg waren in den Jahren 1071 Hartesburg, 1073 Hartesburc, 1073-76 Hartesburg, 1072 Hartesburg, 1073 Hartesburg, 1073 Harzesburg, 1074 castrum Harzeburch, 1076 castello Hartesburg, 1147 Harzesburg und 1180 Hartesburg. Der Burgname stellt eine Ableitung des Namens des Mittelgebirges Harz dar, der offenbar von "Hart" stammt. Dabei ist ein Zusammenhang mit "hard" oder Hardt (Hardthöhe) für "Bergwald" anzunehmen. Der Ort Bad Harzburg bedeutet "des Harzes Burg".[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Heinrich IV.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Harzburg (Hartesburg) wurde während des Burgenbauprogramms in Sachsen 1065 bis 1068 an strategisch günstiger Stelle von König Heinrich IV. errichtet. Heinrichs Baumeister war der spätere Bischof von Osnabrück, Benno II. Die Burg diente der Sicherung der nahen Kaiserpfalz Goslar. Ihre Mauern reichten bis an den Steilrand des Bergkegels heran. Die Burg galt nach damaligen Verhältnissen als uneinnehmbar. Trotz ihrer Wehrhaftigkeit war die Burg zugleich besonders prachtvoll ausgestattet. So enthielt die Burg einen ungewöhnlich großen, dreiräumigen Palas und eine Stiftskirche, in die Heinrich zahlreiche Reliquien überführen ließ. Auch eine Art Familiengruft legte er auf der Burg an, indem er die Gebeine seines jung verstorbenen Bruders Konrad II. und seines ebenfalls früh verstorbenen Sohnes Heinrich hierher umbettete.

Zum Auftakt des Sachsenkriegs 1073 musste Heinrich IV. mitsamt den Reichsinsignien aus der Kaiserpfalz Goslar auf die Harzburg fliehen. Angeblich seien ihm 60.000 Belagerer gefolgt und seine Burgbesatzung habe 300 Mann betragen. Der König floh schließlich der Sage nach durch den Brunnen der belagerten Burg und einen Geheimgang. Im Frieden von Gerstungen vom 2. Februar 1074 musste Heinrich der Schleifung seiner Burgen, darunter auch die Harzburg, zustimmen. Er zögerte die Zerstörung aber hinaus und ließ nur die Mauern und Türme der Harzburg umlegen, während die Gebäude stehen blieben. Die Harzburg wurde daraufhin im Frühjahr 1074 von aufgebrachten Bauern der Umgebung geplündert und vollkommen zerstört. Dabei wurden auch die Stiftskirche nicht verschont und die königliche Familiengruft geschändet. Dies bot für Heinrich den Anlass, erneut mit aller Härte gegen die aufständischen Sachsen vorzugehen und so erfolgte am 9. Juni 1075 die Niederlage der aufständischen Sachsen in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut.

Unter Staufern und Welfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgberg mit der Burgbergseilbahn

Unter Kaiser Friedrich I. erfolgte der Wiederaufbau bis 1180 und wurde durch Kaiser Otto IV. vollendet, welcher 1218 auf der Burg verstarb. Die unmittelbare Funktion als Reichsburg ging der Harzburg verloren, weil Kaiser Otto IV. die Übergabe der Reichsinsignien an die staufische Seite verfügt hatte. Noch im Jahr 1222 erhielt die Harzburg die Bezeichnung castrum imperiale, wobei der Charakter der Burg als Reichsburg durch das bis zu ihrer Verpfändung (1269) intakte Burglehensystem und die damit noch bestehenden reichslehnbaren Harzburgsitze weitgehend erhalten geblieben waren.

Weitere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Danach erfolgten häufige Besitzerwechsel. Im 15. Jahrhundert ging sie als Pfandbesitz an drei Brüder von Schwicheldt über, die sie in eine Raubritterburg umfunktionierten.[4] Die Bedeutung der Anlage nahm ständig ab, was einen langsamen Verfall zur Folge hatte. Ein im 16. Jahrhundert geplanter Wiederaufbau wurde wegen der hohen Kosten nicht durchgeführt. Während des Dreißigjährigen Krieges wechselte die Burg mehrfach die Besatzung, blieb aber unbeschädigt. Da dieser Befestigungstyp wegen der veränderten Kriegsführung unbedeutend geworden war, begann man 1650 mit dem Abriss der verbliebenen Ruinenteile. Die Burganlage ist seit dieser Zeit bis auf einige Mauerreste und den Brunnen nicht mehr vorhanden. Die städtische Ansiedlung „Neustadt“ am Fuß des Großen Burgbergs übernahm den Burgnamen.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Keibel-Meier: Die Harzburg (Große Baudenkmäler, Heft 327). München/Berlin 1980.
  • E. J. G. Leonhard: Die Harzburg und ihre Geschichte. Fleckeisensche Buchhandlung, Helmstedt 1825.
  • Wolf-Dieter Steinmetz: Geschichte und Archäologie der Harzburg unter Saliern, Staufern und Welfen 1065–1254. Bad Harzburg 2001.
  • Friedrich Stolberg: Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit. Lax, Hildesheim 1968.
  • Heinrich Spier: Die Geschichte der Harzburg. Harzburger Altertums- und Geschichtsverein, Bad Harzburg 1985.
  • Ernst Andreas Friedrich: Die Ruine der Harzburg, S. 54-56, in: Wenn Steine reden könnten, Band II, Landbuch-Verlag, Hannover 1992, ISBN 3-7842-0479-1.
  • Maria Keibel-Meier: Die Harzburg. Zur Geschichte, den Ausgrabungen und Ergebnissen in: Ausgrabungen in Niedersachsen. Archäologische Denkmalpflege 1979–1984. Stuttgart 1985.
  • Thomas Moritz und Philipp Matschoß: Befund, Aufmaß und Rekonstruktion am Beispiel der Großen Harzburg und der Burg Plesse in: Archäologie in Niedersachsen, Band 16, Isensee Verlag Oldenburg, 2013. ISBN 3899959876

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Harzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Höhe Großer Burgberg laut topographischer Karte, auf natur-erleben.niedersachsen.de
  2. a b Standorthöhe Canossasäule und Berghöhe Kleiner Burgberg laut Deutsche Grundkarte (M = 1:5.000, topographische Karte), Niedersächsisches Landesvermessungsamt, Hrsg. Georg Westermann Verlag, Braunschweig, 1976; damals galt noch Normalnull (NN)
  3. Der Ortsnamenforscher auf NDR 1 Niedersachsen, Recherche Jürgen Udolph
  4. Joachim Lehrmann: Raubritter zwischen Heide, Harz und Weser, Lehrte 2007, Lehrmann-Verlag, ISBN 978-3-9803642-6-3, S. 262–268.