Hasen-Röhrling

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Hasen-Röhrling
2008-08-16 Gyroporus castaneus mod.jpg

Hasen-Röhrling (Gyroporus castaneus)

Systematik
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Dickröhrlingsartige (Boletales)
Unterordnung: Sclerodermatineae
Familie: Blassporröhrlingverwandte (Gyroporaceae)
Gattung: Blasssporröhrlinge (Gyroporus)
Art: Hasen-Röhrling
Wissenschaftlicher Name
Gyroporus castaneus
(Bull. : Fr.) Quel.

Der Hasen-Röhrling (Gyroporus castaneus), auch Hasen-Blasssporröhrling oder Zimt-Röhrling, ist eine sehr seltene, essbare Pilzart aus der Familie der Blasssporröhrlingsverwandten.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelfruchtkörper des Hasen-Röhrlings

Der dickfleischige Hut misst 3–10 cm im Durchmesser und hat einen scharfen Rand. Er ist beim jungen Fruchtkörper halbkugelig und flacht sich mit dem Alter zunehmend ab. Er ist blass- bis rostig-braun und wird mit fortschreitendem Alter dunkler. Der Stiel hat ähnliche, zur Spitze hin möglicherweise hellere Färbung. Er ist weitgehend zylindrisch, an der Basis oft bauchig geformt. In jungem Stadium ist er voll, später gekammert mit verschiedengroßen, senkrecht geschichteten Hohlräumen. Sowohl Hut als auch Stiel tendieren dazu, in trockenen Perioden oder im Alter aufzubrechen. Die Röhrenschicht ist nicht am Stiel angewachsen und dunkelt geringfügig auf Druck. Die Poren bzw. Röhrenmündungen sind klein und weiß und werden mit zunehmendem Alter dreckiger. Die Röhren sind ebenfalls weißlich und verfärben durch das blass- bis strohgelbe Sporenpulver entsprechend. Das Fleisch ist fest, brüchig[1] und mild in Geruch und Geschmack; Schnittflächen ändern ihre Farbe an der Luft nicht.

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der nächstverwandte Kornblumen-Röhrling läuft meist intensiv kornblumenblau an, ist weißlich, strohgelb bis ocker-braun gefärbt und hat einen stärker gekammerten Stiel.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hasen-Röhrling ist ein Mykorrhizapilz, der mit verschiedenen Laubbäumen, in Mitteleuropa vor allem Eichenarten eine Symbiose bildet. Die Art kommt in Mitteleuropa vor allem in Eichen-Hainbuchen-Wäldern und verschiedenen Typen von Buchenwäldern vor, seltener in Fichtenwäldern mit eingestreuten Laubbäumen. Der Hasen-Röhrling bevorzugt stets frische, lehmige bis sandige, meist saure Böden, kommt aber auch auf neutralem Untergrund vor. Die Fruchtkörper erscheinen in Mitteleuropa zwischen der letzten Juni- und ersten Oktoberwoche.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pilz findet sich gelegentlich in Europa mit Ausnahme des äußersten Nordens, Australien, Asien und dem östlichen Nordamerika, sehr selten im westlichen Nordamerika.[2] In Deutschland ist der Hasen-Röhrling gleichmäßig verbreitet, aber sehr selten.

Er ist in einigen Ländern (Russische Föderation, Norwegen, Montenegro) auf den Roten Listen gefährdeter Arten geführt.[3][4][5]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hasen-Röhrling ist essbar und meist hochangesehen. Er soll in jungem Stadium angenehm nussig schmecken. Marcel Bon verzeichnet ihn in seinem 1987 erschienenen Buch „The Mushrooms and Toadstools of Britain and North Western Europe“ allerdings als verdächtig.[6] Er kann wohl für manche Personen unverträglich sein.[7] Es wird auch von einer in Küstenregionen Portugals vorkommenden giftigen Art berichtet,[8] dem Falschen Hasenröhrling (Gyroporus ammophilus).

Taxonomie und Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art wurde erstmals von dem französischen Mykologen Jean Baptiste François Pierre Bulliard beschrieben. Früher als Mitglied der Familie Paxillaceae betrachtet, wird er nunmehr zu den Blasssporröhrlingsverwandten (Gyroporaceae) eingeordnet.

„Gyroporus“ bedeutet „rundporig“, „castaneus“ verweist auf die kastanienähnliche Farbe.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Roger Phillips: Mushrooms. Pan MacMillan, 2006, ISBN 0-330-44237-6.
  2. David Arora: Mushrooms Demystified. Ten Speed Press, 1986, ISBN 0-89815-169-4.
  3. Каштановий Гриб. In: Red Book of Moscow Oblast. Archiviert vom Original am 17. Mai 2008; abgerufen am 5. September 2008.
  4. The Provisory Red List of Endangered Macromycetes of Montenegro. (PDF; 51 kB) Montenegrin Mycological Center, abgerufen am 5. September 2008.
  5. Red List of Threatened Fungi in Norway. In: Fungiflora 1998. Abgerufen am 5. September 2008.
  6. Marcel Bon: The Mushrooms and Toadstools of Britain and North Western Europe. Hodder and Stoughton, 1987, ISBN 0-340-39935-X.
  7. Markus Flück: Welcher Pilz ist das? 3. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-440-11561-9, S. 103.
  8. Thomas Laessoe: Mushrooms (flexi bound). Dorling Kindersley, 1998, ISBN 0-7513-1070-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gyroporus castaneus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien