Haslital
Das Haslital, auch Hasli oder Oberhasli genannt, ist der obere Teil des Aaretals inklusive seiner Seitentäler etwa zwischen dem Grimselpass und Meiringen im Kanton Bern (Schweiz).
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Sage nach erfolgte eine Besiedlung des Haslitals während der Völkerwanderung durch Schweden oder Friesen. Diese Geschichte entstand zusammen mit vielen anderen Gründungslegenden im Rahmen des entstehenden Selbstbewusstseins der einzelnen Orte der heutigen Zentralschweiz während des Konzils von Basel, als insbesondere die Heldenlegenden Schwedens auf Beachtung stiessen und von Bischöfen anderer Regionen übernommen wurden: Schwyz stammte demnach von den Goten in Schweden ab, die als erste das Christentum übernommen hätten, das Oberhaslital wurde von Friesen, die mit jenen Schweden nach Süden zogen, besiedelt, und die Hunnen zogen nach Uri.[1] Im 13. Jahrhundert war die Kirche von Meiringen im Besitz des deutschen Kaisers und damit reichsfrei. Im Jahre 1275 schloss das Hasli ein Bündnis mit der Stadt Bern. Nach dem Verlust der Reichsfreiheit 1310 übernahm die Stadt Bern 1334 die Pfandschaft. Das Haslital wurde bernisches Untertanenland. Es stellte im Laupenkrieg 1339 ein Kontingent von 300 Mann.
Während der Reformation dominierten im Haslital die Altgläubigen, was Bern nicht duldete und die Reformation erzwang.
Zur Zeit der Helvetik wurde das Haslital ein Teil des Kantons Oberland.
Nach der Einführung der Mediationsverfassung 1803 entwickelte sich die neue Ordnung nur langsam. Auf der Grundlage der Verfassung des Kantons Bern von 1831 wurde die Landschaft Hasli 1833 zum Amtsbezirk Oberhasli mit den sechs Gemeinden Gadmen, Guttannen, Meiringen, Innertkirchen, Hasliberg und Schattenhalb.
Tourismus
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Seit dem 13. September 2007 heisst die Tourismusregion Brienz-Meiringen-Hasliberg Haslital. Berner Oberland. Der Schriftzug wird mit der Alpenblume Edelweiss und dem Schweizerkreuz zur Destinationsmarke und nimmt zudem eine geographische Bezeichnung auf, die bereits früher für das ganze Gebiet vom oberen Brienzersee bis zu Grimsel und Susten verwendet wurde.
2012 verordnete der Regierungsrat des Kantons Bern den Zusammenschluss der Tourismusdestinationen Interlaken (Interlaken Tourismus, TOI), Jungfrau-Region (Jungfrau Region Tourismus AG, JRMAG)[2] und Haslital (Haslital Tourismus), da eine Reduktion der Destinationen im Kanton von zehn auf fünf vorgesehen war.[3] Per 2014 konnten die lokalen Tourismusorganisationen aber den Regierungsrat überzeugen, für das Oberland-Ost die Destinationen Interlaken und Jungfrau-Region beizubehalten. Allerdings forderte der Regierungsrat eine Marketingkooperation. Dem Haslital steht es frei, über einen Beitritt selbst zu entscheiden, doch bliebe es alleinstehend keine Einrichtung laut Tourismusentwicklungsverordnung.[4]
Wasserkraftwerke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Haslital, insbesondere mit den Stauseen am Grimselpass, sowie das zum Sustenpass führende Gadmertal gehören zum Einzugsgebiet der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), Innertkirchen, mit ihren Wasserkraftwerken am Grimsel, in Handegg und in Innertkirchen.
Die Anlagen bilden eines der komplexesten Wasserkraftsysteme der Alpen. In zahlreichen Bauetappen entstanden seit der Gründung im Jahre 1925 neun Kraftwerke, acht Speicherseen, 150 km Stollen, Hunderte von Kilometern Rohrleitungen sowie Strassen und Seilbahnen. Jährlich produziert die KWO Strom aus Wasserkraft für mehr als 1,2 Millionen Menschen.
Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Gegen Ende des Jahres findet im Haslital das Trycheln statt, ein traditioneller Umzug, mittels dessen böse Geister vertrieben werden sollen.
Das Haslitiitsch ist der lokale Dialekt. Der Meiringer Pfarrer Otto Hopf (1855–1921) sammelte von 1879 bis 1894 zahlreiche Wörter für ein Wörterbuch, dessen Manuskript in etwas abgewandelter Form allerdings erst 1969 im Druck erschien.[5] Eine Grammatik publizierte 1992 Hans Dauwalder.[6] Eine eingehende Arbeit mit akademischem Anspruch zur Dialektlandschaft des Hasli veröffentlichte 1981 der Berner Germanistikprofessor Peter Glatthard.[7] Mehrere belletristische Werke in der Talmundart hat die Schneiderin Lisa Krischel-Brog (1939–2016) in den Jahren zwischen 1994 und 2014 verfasst.[8]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Josef Brülisauer: Oberhasli (BE). In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2016.
- Andreas Fischer (Hrsg.): Aufzeichnungen zweier Haslitaler. 1. Chronik 1792 bis 1821 von Johann von Weissenfluh dem Aelteren. 2. Alpenreisen 1850 und 1851 von Johann von Weissenfluh dem Jüngeren. Francke, Bern 1910.
- Gottlieb Kurz, Christian Lerch: Geschichte der Landschaft Hasli. Brügger, Meiringen 1979, ISBN 3-85583-001-0.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Guy P. Marchal: Die Helvetier und ihre Nachbarn, Kelten in der Schweiz. In: Archäologie der Schweiz 14, 1991, S. 5.
- ↑ Impressum ( vom 23. April 2016 im Internet Archive), jungfrauregion.ch
- ↑ Tourismuspolitik – Destinationsverdichtung: Fünf statt zehn Destinationen. Medienmitteilung, Regierungsrat Bern, 29. Oktober 2012, auf be.ch;
Nur noch fünf Destinationen werben fürs Bernerland. In Der Bund online, 29. Oktober 2012. - ↑ Schluckt die Jungfrau-Region den Haslital Tourismus? ( vom 15. Februar 2015 im Internet Archive) Benjamin Fischer in: Berner Oberländer online, 24. Oktober 2014.
- ↑ Originaltitel des Manuskripts: Hasli-Ditsch. Idiotikon des Haslethales. Publikation unter dem Titel Hasli-Deutsch von Otto Hopf. Ein altes Wörterbuch, gesammelt von 1879–1894. Hrsg. von Andreas Würgler. Gemeinnütziger Verein Meiringen, Meiringen 1969.
- ↑ Hans Dauwalder: Haslitiitsch. Wie mma s seid und cha schriiben. Eine haslideutsche Kurzgrammatik. Gemeinnütziger Verein Meiringen, Meiringen 1992.
- ↑ Peter Glatthard: Dialektologisch-volkskundliche Probleme im Oberhasli (= Sprache und Dichtung. Neue Folge. Band 29. Sonderreihe: Berner Arbeiten zur Dialektologie und Volkskunde). Bern/Stuttgart 1981.
- ↑ Ds Groosi ufem Hoori und andri Haslitiitschi Gschichtleni, Zürich 1994; Miis Deerffli, Meiringen 1997; Ma hed gseid … Mischterleni usem aalten Hasli, Meiringen 2004; Still Momänta, Meiringen 2008; Ziidelli und Muschelli und andri Tiergschichtleni, Meiringen 2014.
Koordinaten: 46° 40′ 3,1″ N, 8° 16′ 17,1″ O; CH1903: 663729 / 168815