Hastings Kamuzu Banda

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Denkmal für Hastings Kamuzu Banda in Lilongwe

Hastings Kamuzu Banda (* 15. Februar 1898 nahe Kasungu (nach anderen Angaben 1906[1]), damals Njassaland; † 25. November 1997 in Südafrika) war Unabhängigkeitsführer, Minister in und seit 1966 Präsident Malawis mit zunehmend diktatorischer Amtsausübung.[1]

Seine Schulbildung erlangte Banda an verschiedenen Missionsschulen der Church of Scotland in Njassaland und Südafrika. Hastings Banda wurde als Presbyterianer aufgezogen, lebte während seiner Studienzeit in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich. Dabei besuchte er die Wilberforce Academy, Indiana University, University of Chicago und das Meharry Medical College (M.D.) in Nashville. In diesen Bildungseinrichtungen graduierte Banda auf den Gebieten Medizin, Philosophie, Geschichte und Politikwissenschaften. Später wandte er sich nach Großbritannien. Im Jahr 1941 lebte Banda in Liverpool und war als Arzt in den Stadtteilen der ärmsten Bewohner tätig. Es folgten Studien für Tropenmedizin an der University of Glasgow und der University of Liverpool. An letzterer hielt er sich zwischen 1942 und 1944 auf, wobei er einen Abschluss als Allgemeinmediziner erwarb.[1][2][3]

Bereits in Großbritannien begann im Nyasaland African Congress sein Engagement gegen die Föderation von Rhodesien und Njassaland. In diesem Kontext kam es zu einer zeitweilig engen Zusammenarbeit mit Jomo Kenyatta und Kwame Nkrumah (1945–1953). Von 1953 bis 1958 war Banda als praktizierender Arzt in Kumasi (Ghana) tätig. Im Jahre 1958 übernahm er die Führung des Nyasaland African Congress. Seine politischen Aktivitäten waren der Regierung der Föderation missliebig. Banda kam deswegen in Haft; das Gefängnis befand sich in Gwelo.[1] 1959 wurde der Nyasaland African Congress während eines Ausnahmezustands zu unrechtmäßigen Organisation erklärt. Am 30. September desselben Jahres gründeten daraufhin Verfechter der Unabhängigkeit, zu denen Banda gehörte, die Malawi Congress Party. Im Juli 1960 war er Teilnehmer an der Lancaster House Constitutional Conference in London.[4]

Nach seiner Freilassung war Banda von 1959 bis 1960 Minister of Natural Resources and Local Government.[1] Er trat schließlich gegen die Central African Federation an, die 1963 aufgelöst wurde, und führte das Land unter dem Namen Malawi zur Unabhängigkeit.

Am 1. Februar 1963 wurde er Premierminister, 1966 rief er die Republik aus und wurde ihr Präsident. 1971 erklärte er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit. Banda hatte auch weitere Regierungsfunktionen inne. Das waren Minister of External Affairs, Minister of Defence, Minister of Agriculture, Minister of Justice, Minister of Works and Supplies, Minister of Women's and Children's Affairs und Minister of Community Services. Sein prowestlicher Regierungsstil nahm immer mehr autokratische Formen an. Ernsthafte Oppositionsbestrebungen jenseits der Regierungspartei wurden repressiv behandelt. Seit 1977 verfügte Banda über eine umfassende Machtposition. Zusätzlich zu seinen Funktionen als Staatspräsident und Regierungschef Malawis war er Außenminister sowie Oberbefehlshaber der bewaffneten Kräfte seines Landes. Dazu zählte eine aus etwa 6000 Mitarbeitern bestehende Polizei und eine etwa 1500 Mann starke Armee.[5]

Banda war einer der wenigen afrikanischen Herrscher, die diplomatische und weitreichende politisch Beziehungen zu Südafrika während der Apartheid unterhielten und galt deshalb unter vielen anderen afrikanischen Führern als Kollaborateur.[2] Die Regierung Banda begann 1967 mit diplomatischen Beziehungen zu Südafrika. Es folgte eine intensive Entwicklung ökonomischer und militärischer Kooperationen. Nachdem 1968 der südafrikanische Außenminister Hilgard Muller in Malawi weilte, kam Banda 1969 zu einem Staatsbesuch nach Südafrika. Im selben Jahr reisten eine Parlamentariergruppe und eine Delegation des Afrikaanse Handelsinstituut nach Malawi. Am 6. Februar 1970 erstattete Hilgard Muller im Parlament über die Beziehungen zu Malawi einen Bericht, worauf bekannt wurde, dass Südafrika einen Kredit von 8 Mio. Rand für den Aufbau der neuen malawischen Hauptstadt Lilongwe bewilligt habe und die IDC für Investitionen und Exporte 10 Mio. Rand einsetzen werde. Im Mai 1970 stattete Premierminister Vorster einen Gegenbesuch ab, die erste Staatsvisite eines südafrikanischen Regierungschefs in einem unabhängigen afrikanischen Staat.[6][7][8] Um 1978 hielten sich 38.525 malawische Wanderarbeiter in Südafrika auf, mehr als beispielsweise aus Botswana oder Rhodesien.[9]

Der südafrikanische Nachrichtendienst BOSS sowie dessen Nachfolgeinstitution NIS unterhielten sehr gute Beziehungen zur Regierung Bandas. Pieter Willem Botha nutzte die langjährigen Arbeitskontakte in der öffentlichen Darstellung seiner Außenpolitik als Beleg für „normale“ Beziehungen zu anderen afrikanischen Staaten.[10]

Banda erlaubte Portugal während seines Kolonialkriegs, Ausrüstung und Truppen durch Malawi zu ihrem Einsatzgebiet zu bringen, was den Luftraum mit einschloss. Auch leistete er logistische Hilfe und verkaufte Treibstoff und andere Waren an die Portugiesen. Im Gegenzug erhielt er Geld und Waffen und portugiesische Truppen bildeten zeitweise malawische Sicherheitskräfte aus.

Bandas westlich geprägte Haltung war u. a. dafür verantwortlich, dass er die Kamazu-Akademie begründete, eine Schule nach dem Vorbild von Eton, in der malawische Kinder von ausländischen Lehrern in Latein und Altgriechisch unterrichtet wurden.[3][5]

Im Laufe seiner Ein-Parteien-Regierung häufte er ein Privatvermögen von mindestens 320 Millionen US-Dollar an.

1994 veranlasste Banda schließlich demokratische Wahlen, bei denen er mit großem Abstand Bakili Muluzi, einem Yao aus dem Süden des Landes, unterlag, dessen Regierungszeit nicht ohne Kontroversen auskommen sollte. Banda trat widerstandslos ab. Die Malawi Congress Party, die er begründet hatte, blieb nach seinem Tod bestehen und verlor nach einem Referendum von 1993 ihre große Bedeutung.[4]

Banda starb 1997 nach der Überführung aus einem malawischen Krankenhaus mit Fieber und einer Lungenentzündung in der Garden City Clinic von Johannesburg an Atemversagen. Die unterschiedlichen Angaben über sein erreichtes Lebensalter resultieren aus differierenden Angaben des Krankenhauses und malawischen Regierungsquellen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Sheila Keeble (Hrsg.) S. P. P. Kutumela, A. Booley: The Black Who’s Who of Southern Africa Today. African Business Publ., Johannesburg 1979, 1. Aufl., S. 95
  2. a b Richard Dowden: Obituary: Dr Hastings Banda. Meldung vom 27. November 1997 auf www.independent.co.uk (englisch)
  3. a b c Donald G. McNeil jr.: Kamuzu Banda Dies; 'Big Man' Among Anticolonialists. Meldung vom 27. November 1997 auf www.nytimes.com (englisch)
  4. a b British Library: EAP942: Preserving Nyasaland African Congress historical records. online auf www.eap.bl.uk (englisch), PDF-Dokument S. 2, 7 und 14
  5. a b Cay Lienau: Malawi. Geographie eines unterentwickelten Landes. Wissenschaftliche Länderkunden Bd. 20, Darmstadt 1981, S. 29–30
  6. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1969. Johannesburg 1970, S. 80
  7. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1970. Johannesburg 1971, S. 74
  8. Ronald Meinardus: Die Afrikapolitik der Republik Südafrika. (ISSA - wissenschaftliche Reihe. 15). Bonn 1981, ISBN 3-921614-50-3, S. 72–73
  9. Ronald Meinardus: Die Afrikapolitik der Republik Südafrika. S. 222
  10. Niël Barnard, Tobie Wiese: Secret Revolution. Memoirs of a Spy Boss. Tafelberg, Cape Town 2015. ISBN 978-0-624-07457-1 S. 120, 236