Hattendorf (Alsfeld)

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Hattendorf
Stadt Alsfeld
Wappen von Hattendorf
Koordinaten: 50° 47′ 38″ N, 9° 18′ 37″ O
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 4,49 km²[1]
Einwohner: 484 (31. Dez. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 108 Einwohner/km²
Postleitzahl: 36304
Vorwahl: 06639
Südansicht
Südansicht

Hattendorf ist ein Stadtteil von Alsfeld im mittelhessischen Vogelsbergkreis mit etwa 600 Einwohnern. Es liegt ca. 8 km vom Stadtkern entfernt, im Tal der Berf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesamte Gemarkung ist von großen Waldgebieten umgeben. Die auf einer Anhöhe stehende Kirche wurde 1857 erbaut und bildet den Mittelpunkt von Hattendorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet um Hattendorf wurde schon früh von Menschen aufgesucht und später besiedelt. Hinterlassenschaften früherer Kulturen, besonders Steinbeile, wurden bei Feldarbeiten oft gefunden.

Nach dem Namen fällt die Gründung des Orts in die fränkische Siedlungsperiode vom 6. bis 9. Jahrhundert. Die Zeit der Völkerwanderung war vorüber, und um Einzelgehöfte als grundherrlicher Wohnsitz bildete sich eine Siedlung. Wahrscheinlich hieß der Gründer Hatto und war ein fränkischer Freier. Die älteste bekannte und gesicherte Erwähnung Hattendorf's erfolgte 1248 unter dem Namen Hatthendorf.[3]

Der älteste Teil, Alt-Hattendorf, liegt auf dem rechten Ufer der Berfa und gehörte zum Einflussbereich des Klosters Immichenhain. Von 1427 stammt die älteste erhaltene Erwähnung von Neu-Hattendorf auf dem linken Ufer der Berfa.

Nach den hessischen Landesteilungen des 16. und 17. Jahrhunderts gelangte der Ort 1648 mit dem Westfälischen Frieden zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die ihn 1708 an die Landgrafschaft Hessen-Kassel abtrat.[4]

1928 erfolgte die Eingemeindung von Teilen des in diesem Jahre aufgelösten Gutsbezirks Forst Immichenhain (mit dem Berfhof und der Berfmühle) nach Althattendorf. Am 1. Oktober 1937 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Alt-Hattendorf und Neu-Hattendorf zur Gemeinde Hattendorf zusammengeschlossen.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. August 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Hattendorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Alsfeld eingegliedert.[5][6] Für den Stadtteil Hattendorf, wie für die übrigen Stadtteile von Alsfeld, wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[7]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Alt-Hattendorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][8][9]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Neu-Hattendorf unterstand im Überblick:[13]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Hattendorf ab 1937 unterstand im Überblick:[1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Kreisen übernommen. In Ziegenhain wurde der Kreis Ziegenhain für die Verwaltung eingerichtet und das Justizamt Neukirchen war als Gericht in erster Instanz für (Alt- und Neu-) Hattendorf zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[15]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Neukirchen. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[16] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Neukirchen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[17]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. Das Amtsgericht Neukirchen wurde in den Jahren 1940 und 1941 zeitweise von Assessoren, 1943 bis zu seiner Umwandlung in eine Zweigstelle des Amtsgerichts Treysa vom Gladenbacher Amtsgerichtsrat mit verwaltet. 1947 wurde es wieder Vollgericht. Zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Neukirchen und die Zuordnung seines Bezirks zum Bezirk des Amtsgerichts Treysa. Der Bezirk des ehemaligen Amtsgerichts Oberaula ging mit diesem Tag im Bezirk des Amtsgerichts Treysa auf das 1970 in Amtsgericht Schwalmstadt umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Hattendorf 549 Einwohner. Darunter waren 12 (2,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 99 Einwohner unter 18 Jahren, 237 zwischen 18 und 49, 84 zwischen 50 und 64 und 126 Einwohner waren älter.[18] Die Einwohner lebten in 210 Haushalten. Davon waren 42 Singlehaushalte, 54 Paare ohne Kinder und 81 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 93 Wohngemeinschaften. In 51 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 126 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.[18]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1][3][13]

Alt-Hattendorf
1502: 6 Männer
1585: 22 Hausgesesse
1639: 10 Männer, 3 Witwen
1681: 16 Hausgesesse, 1 Ausschuss, 1 Junggeselle.
1777: 24 Wohnhäuser mit 172 Einwohnern. Erwerbspersonen: zwei Schmiede, ein Wagner, vier Schneider, ein Leineweber, ein Maurer, ein Branntweinbrenner, ein Müller, ein Lohnschäfer, eine Tagelöhnerin.
1838: Familien: 20 Ackerbau, 4 Gewerbe, 17 Tagelohnen.
1861: 309 evangelisch-reformierte Einwohner.
1885: 291 evangelische (= 100 %) Einwohner
Neu-Hattendorf
1577: 5 Hausgesesse.
1747: 11 Hausgesesse.
1838: Familien: 14 Ackerbau, 1 Gewerbe, 6 Tagelöhner.
1861: 86 evangelisch-reformierte, 54 evangelisch-lutherische Einwohner.
Hattendorf
1961: 504 evangelische, 48 römisch-katholische Einwohner.
Erwerbspersonen: 182 Land- und Forstwirtschaft, 59 produzierendes Gewerbe, 24 Handel und Verkehr, 16 Dienstleistungen und Sonstiges.
Alt- und Neu-Hattendof: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2020
Jahr  Einwohner
1834
  
397
1840
  
402
1846
  
420
1852
  
444
1858
  
443
1864
  
468
1871
  
442
1875
  
398
1885
  
417
1895
  
464
1905
  
478
1910
  
473
1925
  
509
1939
  
512
1946
  
724
1950
  
716
1956
  
601
1961
  
553
1967
  
569
1970
  
593
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2006
  
574
2011
  
549
2015
  
500
2020
  
484
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 2006;[19], 2015:[20], 2020[2]; Zensus 2011[18]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Hattendorf (Alsfeld)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hattendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 28. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Hattendorf. In: Webauftritt. Stadt Alsfeld, abgerufen im Juli 2021.
  3. a b c Alt-Hattendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 2. Juli 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. L. Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 52.
  5. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Alsfeld und Lauterbach (GVBl. II 330-12) vom 1. August 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 215, § 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  7. Hauptsatzung. (PDF; 205 kB) § 8. In: Webauftritt. Stadt Alsfeld, abgerufen im Juli 2021.
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  10. a b Die Zugehörigkeit des Amtes Neukirchen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  11. a b Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 84 (online bei Google Books).
  12. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.
  13. a b Neu-Hattendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 28. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  14. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27, § 40 Punkt: 3) (Online bei google books).
  15. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  16. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  17. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10509837~SZ%3D237~doppelseitig%3D~LT%3DPr.%20JMBl.%20S.%20221%E2%80%93224~PUR%3D)
  18. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 34 und 74;.
  19. Stadtteil Hattendorf im Webauftritt der Stadt Alsfeld, abgerufen im May 2019.
  20. Haushaltsplan 2017, Vorbericht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hattendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien