Hattendorf (Alsfeld)

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Hattendorf
Stadt Alsfeld
Wappen von Hattendorf
Koordinaten: 50° 47′ 38″ N, 9° 18′ 37″ O
Höhe: 270 m ü. NHN
Fläche: 4,49 km²[1]
Einwohner: 612[2]
Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 36304
Vorwahl: 06639
Südansicht
Südansicht

Hattendorf ist ein Stadtteil von Alsfeld im mittelhessischen Vogelsbergkreis mit etwa 600 Einwohnern. Es liegt ca. 8 km vom Stadtkern entfernt, im Tal der Berf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gesamte Gemarkung ist von großen Waldgebieten umgeben. Die auf einer Anhöhe stehende Kirche wurde 1857 erbaut und bildet den Mittelpunkt von Hattendorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet um Hattendorf wurde schon früh von Menschen aufgesucht und später besiedelt. Hinterlassenschaften früherer Kulturen, besonders Steinbeile, wurden bei Feldarbeiten oft gefunden.

Nach dem Namen fällt die Gründung des Orts in die fränkische Siedlungsperiode vom 6. bis 9. Jahrhundert. Die Zeit der Völkerwanderung war vorüber, und um Einzelgehöfte als grundherrlicher Wohnsitz bildete sich eine Siedlung. Wahrscheinlich hieß der Gründer Hatto und war ein fränkischer Freier. Die erste urkundliche Erwähnung Hattendorfs erfolgte 1248.

Der älteste Teil, Alt-Hattendorf, liegt auf dem rechten Ufer der Berfa und gehörte zum Einflussbereich des Klosters Immichenhain. 1427 wird Neu-Hattendorf auf dem linken Ufer der Berfa das erste Mal genannt. 1928 erfolgte die Eingemeindung von Teilen des in diesem Jahre aufgelösten Gutsbezirks Forst Immichenhain (mit dem Berfhof und der Berfmühle) nach Althattendorf. Am 1. Oktober 1937 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Alt-Hattendorf und Neu-Hattendorf zur Gemeinde Hattendorf zusammengeschlossen.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1972 wurde die Gemeinde Hattendorf im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Landesgesetz in die Stadt Alsfeld eingegliedert.[3][4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien in denen Hattendorf lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[5][6]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Neu-Hattendorf unterstand im Überblick:[9]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Hattendorf ab 1937 unterstand im Überblick:[1]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Ziegenhain wurde der Kreis Ziegenhain für die Verwaltung eingerichtet und das Justizamt Neukirchen war als Gericht in erster Instanz für (Alt- und Neu-) Hattendorf zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[10]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Neukirchen. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Neukirchen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[12]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. Das Amtsgericht Neukirchen wurde in den Jahren 1940 und 1941 zeitweise von Assessoren, 1943 bis zu seiner Umwandlung in eine Zweigstelle des Amtsgerichts Treysa vom Gladenbacher Amtsgerichtsrat mit verwaltet. 1947 wurde es wieder Vollgericht. Zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Neukirchen und die Zuordnung seines Bezirks zum Bezirk des Amtsgerichts Treysa. Der Bezirk des ehemaligen Amtsgerichts Oberaula ging mit diesem Tag im Bezirk des Amtsgerichts Treysa auf das 1970 in Amtsgericht Schwalmstadt umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 2006 sind:[1][5][9]

Alt-Hattendorf
1502: 6 Männer
1585: 22 Hausgesesse
1639: 10 Männer, 3 Witwen
1681: 16 Hausgesesse, 1 Ausschuss, 1 Junggeselle.
1777: 24 Wohnhäuser mit 172 Einwohnern. Erwerbspersonen: zwei Schmiede, ein Wagner, vier Schneider, ein Leineweber, ein Maurer, ein Branntweinbrenner, ein Müller, ein Lohnschäfer, eine Tagelöhnerin.
1838: Familien: 20 Ackerbau, 4 Gewerbe, 17 Tagelohnen.
1861: 309 evangelisch-reformierte Einwohner.
Neu-Hattendorf
1577: 5 Hausgesesse.
1747: 11 Hausgesesse.
1838: Familien: 14 Ackerbau, 1 Gewerbe, 6 Tagelöhner.
1861: 86 evangelisch-reformierte, 54 evangelisch-lutherische Einwohner.
Hattendorf
1961: 504 evangelische, 48 römisch-katholische Einwohner. Erwerbspersonen: 182 Land- und Forstwirtschaft, 59 produzierendes Gewerbe, 24 Handel und Verkehr, 16 Dienstleistungen und Sonstiges.
Alt- und Neu-Hattendof: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2006
Jahr  Einwohner
1834
  
397
1840
  
402
1846
  
420
1852
  
444
1858
  
443
1864
  
468
1871
  
442
1875
  
398
1885
  
417
1895
  
464
1905
  
478
1910
  
473
1925
  
509
1939
  
512
1946
  
724
1950
  
716
1956
  
601
1961
  
553
1967
  
569
1970
  
593
2006
  
574
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 2006;[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hattendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 7. März 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Alsfeld: Alsfeld und seine Stadtteile, abgerufen im September 2015.
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Alsfeld und Lauterbach (GVBl. II 330-12) vom 1. August 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 215, § 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  5. a b Alt-Hattendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 20. Mai 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 84 (online bei Google Books).
  8. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  9. a b Neu-Hattendorf, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 22. Mai 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  10. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  12. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  13. Stadtteil Hattendorf im Internetauftritt der Stadt Alsfeld, abgerufen im Oktober 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]