Haube (Architektur)

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Kombination von Welscher Haube und gebauchtem, aber nicht gerundeten Zwischenteil (Zwiebelhaube) an der barocken Johanniskirche in Frankfurt-Bornheim

Der Begriff Haube bezeichnet in der Architektur eine glockenförmig geschweifte Dachform eines Turmes, die sich deutlich von den üblichen mittelalterlichen Spitzhelmen oder den auch später noch gebräuchlichen Pyramidendächern abhebt. Die vergleichsweise niedrigen Hauben waren in der Anfangszeit gegenüber den hohen Spitzhelmen meist kostengünstiger und weniger anfällig gegen Winddruck.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff „Haube“ impliziert im Wesentlichen abgerundete Formen, eventuell auch mit horizontalen Ebenen und seitlichen Schwüngen. Der Begriff „Welsch“ bezeichnet eine fremdländische – meist romanische – Herkunft oder Abstammung. Wann diese Begriffe erstmals zur Bezeichnung eines neuen und augenfälligen Architekturelements kombiniert wurden, ist unklar.

Geschichte[Bearbeiten]

Obwohl genauere Untersuchungen fehlen, ist davon auszugehen, dass die erstmalige Konstruktion einer geschwungenen Turmhaube frühestens in der Zeit der Spätgotik mit ihren Flamboyant-Formen möglich war. Die sogenannte Welsche Haube oder die gebauchte Zwiebelhaube wurden in der Renaissance und vor allem im Barock oft als Bedachung von Kirch- und Rathaustürmen verwendet. Bei der Welschen Haube besteht die Turmbekrönung zumeist aus mehreren übereinander liegenden Hauben und laternenartigen Zwischenstücken.

Formen[Bearbeiten]

Eine genaue Abgrenzung der verschiedenen Haubenformen ist von der architektonischen Forschung bislang nicht unternommen worden; auch zur Zeit und zum Ort der Entstehung des häufig verwendeten Begriffs „Welsche Haube“ oder des seltener verwendeten Begriffs „Thüringische Haube“ fehlen bislang genauere Untersuchungen, so dass die Verwendung der Begrifflichkeiten weitestgehend dem jeweiligen Verfasser überlassen blieb. Die Übergänge zu manchen Turmhelmen sind fließend; wesentliche Unterschiede sind die geschwungenen Formen sowie das Fehlen von ausgeprägten Spitzen. Folgende bauliche Abgrenzungen sind möglich und sinnvoll, wobei auch Kombinationen möglich sind:

  • Geschwungene Haube ohne Laterne (Glockenhaube)
  • Geschwungene Haube mit Laterne (Welsche Haube)
  • Gebauchte Haube (Zwiebelhaube)

Zitat[Bearbeiten]

„Unter Zwischenschaltung einer Laterne kann die Konstruktion einer Welschen Haube mehrfach übereinander wiederholt werden, so dass ein hoher Turmhelm entsteht.“[1]

Regionale Verteilung[Bearbeiten]

Alpenraum

Das Hauptgebiet der Verbreitung in Deutschland und Österreich liegt im alpenländischen Raum. Vereinzelte Beispiele finden sich auch in Schwaben, Hessen, Thüringen und in Böhmen. Genauere Untersuchungen sind notwendig.

Franche-Comté

Im Gebiet der Franche-Comté, die bis zum Jahr 1477 noch zum Herzogtum Burgund gehörte, dann an das Haus Habsburg kam und erst im 17. Jahrhundert von Frankreich annektiert wurde, gibt es Zählungen zufolge über 600 geschwungene Turmhauben (clochers comtois), doch auch hier fehlen Untersuchungen zu deren genauem Alter. Sie finden sich vorzugsweise auf Renaissance-Kirchen, doch könnten sie auch später aufgesetzt worden sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmuth Zebhauser, Michael Hartig: Hauben und Zwiebeln. Europäische Turmauswüchse. Merkbilder bayerischer Architektur. Bayerischer Bauindustrieverband, 1989.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kleines Wörterbuch der Architektur. Reclam, Stuttgart 2008, Seite 140, ISBN 978-3-15-009360-3.