Haubitze

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Als Haubitzen werden seit dem 19. Jahrhundert Mehrzweckgeschütze der Artillerie bezeichnet, die sowohl in der oberen als auch in der unteren Winkelgruppe schießen können und sich dadurch von den Feldkanonen und Mörsern klar abgrenzen. Es ist ihnen daher möglich, sowohl sichtbare Ziele im direkten Richten mit Flachfeuer als auch Ziele hinter Deckungen mit indirektem Steilfeuer zu bekämpfen – was allerdings auf größere Entfernungen auch mit Feldkanonen möglich ist.

Video einer M777-Haubitze beim Einsatz in Afghanistan
schwere Feldhaubitze 18, Kaliber 15 cm, deutsches Standardartilleriegeschütz bis 1945 (hier ohne Schutzschild)

Einsatzmöglichkeiten[Bearbeiten]

Als die Befestigungen im 19. Jahrhundert immer mehr verstärkt wurden, war eine wirksame Bekämpfung nur noch durchführbar, wenn der Auftreffwinkel der fallenden Granaten so steil wie möglich gehalten wurde, um Auftreffwucht und Durchdringungsenergie zu maximieren. Die inzwischen mit Beton verstärkten Bunkerdecken konnten mit den üblichen Geschützen und ihren flachen Flugbahnen nicht mehr effektiv bekämpft werden. Hier kamen zunächst Steilfeuergeschütze, die sogenannten Mörser zum Einsatz. Aus Gründen der Zweckmäßigkeit verwendete man später als Mischung aus dem Flachfeuer- und dem Steilfeuergeschütz die Haubitze (es gab zwar schon seit langem – in Preußen seit 1683 – so genannte Haubitzen, hierbei handelte es sich jedoch nicht um Mehrzweckgeschütze, sondern um reine Steilfeuergeschütze) mit der beide Möglichkeiten abgedeckt werden konnten. Da Haubitzen immer mit getrennter Ladung (Granate und Treibladung) feuern, kann zur Regulierung der Schussweite neben der Rohrerhöhung auch die Treibladung variiert werden (zum Beispiel 1.–6. Ladung): eine größere Treibladung ergibt eine größere Reichweite. Auch bei der Bekämpfung von Hartzielen wie Bunkern im indirekten Schuss spielt die Treibladung eine Rolle. Je stärker die Treibladung, desto höher steigt das Geschoss nach oben, desto höher wird die Auftreffwucht werden.

In der heutigen Artillerie werden, von Restbeständen (z. B. in Drittweltländern) abgesehen, keine Feldkanonen mehr verwendet, sondern nur noch Haubitzen.

Namensentwicklung[Bearbeiten]

  • Ursprünglich eine Steinbüchse zum Beschuss von lebenden Kräften im Feld (bereits 1410 in der Schlacht bei Tannenberg durch das Heer des Deutschen Ritterordens eingesetzt).
  • Zuerst als „auf(e)niz“, tschech. „houfnice“, (aus „houf“ = Schlachthaufen für das Ziel), im Deutschen wurde daraus Haussnitz, ital. obice. Erstmals urkundlich im 15. Jahrhundert erwähnt wurde sie in den Hussitenkriegen (1419–1436) als (Feld)geschütz aus der Wagenburg heraus gegen die taktische Formation „Haufen“ (siehe zum Beispiel Gewalthaufen) eingesetzt; eher durch seine akustische Wirkung auf die Pferde, statt durch Treffsicherheit und Geschosswirkung zum „Aufbrechen“ der geordneten Schlachtformation dienend.
  • Sie wurde den Hauptbüchsen zugeordnet.
  • Die Bezeichnung Haubitze wurde dann im 19. Jahrhundert auf die entstandenen Mehrzweck-Geschütze angewendet.

In Europa kamen die ersten sogenannten Haubitzen (mit glattem Rohr mittlerer Länge) im 15. Jahrhundert in Deutschland und Italien auf. Mit ihnen wurden Steinkartätschen, ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Sprengstoff gefüllte Granaten verschossen. In Russland gab es Haubitzen ab Mitte des 17. Jahrhunderts, sie wurden als Gakownizy, Gaufnizy (Gafunizy) bezeichnet.

Besondere Ausführungen[Bearbeiten]

Feldhaubitzen sind auf Lafetten montiert, die von Zugmaschinen gezogen werden und Teil der Feldartillerie sind. Hier hat sich seit der Einführung dieser Art von Geschütz nicht viel geändert. Das Prinzip ist immer noch das gleiche. Es existieren spezielle Ausführungen wie zerlegbare Gebirgshaubitzen und leichte Geschütze, die luftverlastbar sind. Manche Geschütze wie die FH 155-1 haben auch einen Hilfsmotor, um im Eigenantrieb einen Stellungswechsel vornehmen zu können.

Schraubverschluss der Panzerhaubitze M 109 (US-Ausführung)
Französische Haubitze System CAESAR

Bereits während des Zweiten Weltkrieges wurden gepanzerte und auf Kettenfahrgestell beweglich gemachte Haubitzen eingesetzt wie die M7 Priest oder die deutsche Panzerhaubitze Wespe. Diese Geschützart wird als Panzerhaubitzen bezeichnet, sie zählen zur Panzerartillerie. Der Turm, in den das Geschütz integriert ist, schützt Besatzung und Geschütz vor Witterungseinflüssen und weitgehend gegen feindliche Waffenwirkung.

Da diese Geschütze kostenintensiv sind, werden von vielen Staaten auch noch gezogene Haubitzen eingesetzt, neuerdings auch selbstfahrende Haubitzen. Frankreich verwendet sogar die Neuentwicklung einer nicht gepanzerten Haubitze, die Camion équipé d'un système d'artillerie (CAESAR) verlastet auf einem LKW. Neben den Kosten liegt der Grund auch darin, dass Artillerieeinheiten in asymmetrischen Konflikten selten oder nie feindlichen Feuerschlägen ausgesetzt sind.

Beispiele

Feldartillerie Selbstfahrlafette Kette

Feldartillerie gezogene Geschütze

Panzerhaubitzen

Weblinks[Bearbeiten]