Haubitze

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Als Haubitzen werden seit dem 19. Jahrhundert Geschütze der Artillerie bezeichnet, die sowohl in der oberen als auch in der unteren Winkelgruppe schießen können und sich dadurch von den Feldkanonen und Mörsern unterscheiden. Wie auch mit Kanonen können mit Haubitzen Ziele im direkten Richten (Flachfeuer) bekämpft werden.

Video einer M777-Haubitze beim Einsatz in Afghanistan
Schwere Feldhaubitze 18, Kaliber 15 cm, deutsches Standardgeschütz bis 1945 (hier ohne Schutzschild)

Einsatzmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Haubitzen mit getrennter Ladung (Granate und Treibladung, zum Beispiel 1.–6. Ladung) feuern, kann die nötige Schussweite durch entsprechende Rohrerhöhung und Treibladungswahl erreicht werden. Bei der Bekämpfung von Hartzielen wie Bunkern im direkten Richten wird die größte Treibladung gewählt. Denn je stärker die Treibladung, um so gestreckter ist die Geschossflugbahn und um so höhere Mündungsgeschwindigkeit () und zielballistische Wirkung beziehungsweise Durchschlagskraft werden erreicht.

Im Rahmen der Weiterentwicklung der Geschütze wurden auch Feldkanonen entwickelt, die in der unteren und oberen Winkelgruppe schießen können (Bsp,: Kanone M107).

Namensentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ursprünglich eine Steinbüchse zum Beschuss von lebenden Kräften im Feld (bereits 1410 in der Schlacht bei Tannenberg durch das Heer des Deutschen Ritterordens eingesetzt).
  • Zuerst als „auf(e)niz“, tschech. „houfnice“,[1] (aus „houf“ = Schlachthaufen für das Ziel), im Deutschen wurde daraus zunächst Hauffnitz,[2] ital. obice. Erstmals urkundlich im 15. Jahrhundert erwähnt, wurde sie in den Hussitenkriegen (1419–1436) als (Feld)geschütz aus der Wagenburg heraus gegen die taktische Formation „Haufen“ (siehe zum Beispiel Gewalthaufen) eingesetzt; eher durch ihre akustische Wirkung auf die Pferde als durch Treffsicherheit und Geschosswirkung zum „Aufbrechen“ der geordneten Schlachtformation dienend.
  • Sie wurde den Hauptbüchsen zugeordnet.
  • Die Bezeichnung Haubitze wurde dann im 19. Jahrhundert auf die entstandenen Mehrzweck-Geschütze angewendet.

In Europa kamen die ersten sogenannten Haubitzen (mit glattem Rohr mittlerer Länge) im 15. Jahrhundert in Deutschland und Italien auf. Mit ihnen wurden Steinkartätschen, ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit Sprengstoff gefüllte Granaten verschossen. In Russland gab es Haubitzen ab Mitte des 17. Jahrhunderts, sie wurden als Gakownizy, Gaufnizy (Gafunizy) bezeichnet.

Besondere Ausführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schraubverschluss der Panzerhaubitze M 109 (US-Ausführung)
Französische Haubitze System CAESAR

Feldhaubitzen sind auf Lafetten montiert, die von Zugmaschinen gezogen werden und Teil der Feldartillerie sind. Hier hat sich seit der Einführung dieser Geschützart nicht viel geändert; Das Prinzip ist immer noch dasselbe. Es existieren spezielle Ausführungen wie zerlegbare Gebirgshaubitzen und leichte Geschütze, die luftverlastbar sind. Manche Geschütze wie die FH 155-1 haben einen Hilfsmotor, um im Eigenantrieb einen Stellungswechsel vornehmen zu können.

Bereits während des Zweiten Weltkrieges wurden gepanzerte und auf Kettenfahrgestell beweglich gemachte Haubitzen wie die M7 Priest oder die deutsche Panzerhaubitze Wespe eingesetzt. Diese Geschützart wird als heute von der Bundeswehr Panzerhaubitze bezeichnet und gehört zur Panzerartillerie. In der Sowjetunion und bei ihren Verbündeten sowie in deren Nachfolgestaaten ist hierfür der Begriff Selbstfahrlafette üblich. Auch im englischen Sprachraum heißen selbstfahrende Haubitzen self propelled howitzer. Der Turm, in den das Geschütz integriert ist, schützt Besatzung und Geschütz vor Witterungseinflüssen und gegen Granatsplitter. Der Vorteil gegenüber gezogenen Haubitzen ist die Möglichkeit des schnellen Stellungswechsels, was vor allem bei schnell vorrückenden Streitkräften einen besonderen Wert einnimmt.

Da diese Geschütze kostenintensiv sind, werden von vielen Staaten auch gezogene Haubitzen eingesetzt oder Haubitzen mit Radfahrgestell konstruiert. So entwickelte Frankreich eine ungepanzerte selbstfahrende Haubitze, die Camion Equipé d’un Système d’Artillerie (CAESAR), auf einem LKW-Fahrgestell.

Beispiele

Feldartillerie, Selbstfahrlafette (SF) Kette

Feldartillerie, gezogene Geschütze

Panzerhaubitzen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haubitzen – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: Haubitze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haubitze (Lexikoneintrag). In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig/ Wien 1905-1909. 1909, abgerufen am 8. August 2018.
  2. Hauffnitz (Lexikoneintrag). In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig/ Wien 1905-1909. 1909, abgerufen am 8. August 2018.