Hauptsatz (Grammatik)

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Hauptsatz ist in der Grammatik der Gegenbegriff zu Nebensatz. Je nach grammatischer Tradition kann sich die Definition des Hauptsatzes leicht unterscheiden: Teilweise wird nur der Teil eines größeren Satzgefüges so bezeichnet, der den Nebensätzen gegenübersteht, also der nicht untergeordnete Teil eines Satzgefüges.[1][2] In anderen Quellen wird jeder selbständige, nicht untergeordnete Satz als Hauptsatz bezeichnet, also einschließlich freistehender einfacher Sätze, die kein Satzgefüge bilden (diese Möglichkeit wird z.B. in der Dudengrammatik ausdrücklich hervorgehoben[3]).

Das Verhältnis, in dem ein Hauptsatz zum übrigen Satzgefüge steht, kann verschiedene Arten annehmen, die nachfolgend im Einzelnen dargestellt werden.

Hauptsatz mit einem angereihten Nebensatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Hauptsatz kann der Teil eines zusammengesetzten Gefüges sein, der selbständig gebraucht werden könnte, aber von einem angeschlossenen Nebensatz begleitet wird; der Nebensatz kann als untergeordneter Satz markiert werden, indem er z.B. durch eine Konjunktion eingeleitet wird. Der Hauptsatz ist im Deutschen typischerweise an der Verb-Zweit-Stellung erkennbar:

Bsp.: Die Feuerwehr traf schnell ein, sodass der Brand ohne Mühe gelöscht werden konnte.

Hier ist der Teil Die Feuerwehr traf schnell ein der Hauptsatz mit Zweitstellung des Verbs. Der angeschlossene Nebensatz mit sodass folgt dem Hauptsatz lediglich nach, ist aber nicht ins Innere des Hauptsatzes integriert, im Gegensatz zu den integrierten Nebensätzen, die weiter unten dargestellt sind. (Näheres hierzu siehe auch unter Adverbialsatz#Stellung im Satz).

Nebenordnung von zwei Hauptsätzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werden zwei selbständige Sätze mit und verbunden, bilden sie zwei gleichrangige Teilsätze, keine Unterordnung. Daher werden in einer solchen Verbindung beide Teile als Hauptsätze bezeichnet.[4]

Bsp.: Die Kinder bastelten, und der Großvater las die Zeitung

Hauptsatz, der einen Gliedsatz oder Attributsatz enthält[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn ein Satzglied eines Satzes die Form eines Nebensatzes hat, wird als Hauptsatz der Teil bezeichnet, der übrigbleibt wenn man den Nebensatz abzieht. Bei Adverbialsätzen (erstes Beispiel unten, Kausalsatz) ist eine solche Weglassung des Nebensatzes unproblematisch, ebenso bei Relativsätzen, also Attributsätzen, wie im zweiten Beispiel:

Bsp. 1: Wir mussten auf den Frühling lange warten, weil der Winter ungewöhnlich hart war.

Bsp. 2: Wir lieben den Frühling, auf den wir so lange warten mussten.

Eine Schwierigkeit entsteht jedoch, wenn ein Nebensatz Subjekt oder Objekt für den übergeordneten Satz ist. In diesem Fall ist der Rest ohne den Nebensatz kein vollständiger Satz:

Bsp. 3: Niemand verstand, was mit dieser Behauptung gemeint war

Der durch was eingeleitete Satz ist das Objekt zum Verb verstehen. In diesem Fall ergäbe sich nach traditioneller Einteilung, dass der „Hauptsatz“ kein Satz ist, sondern nur der Teil des Satzgefüges der uneingebettet ist. In der IDS-Grammatik wird zu diesem Zweck eine Unterscheidung getroffen zwischen Hauptsatz und Hauptsatzfragment: Der Teil Niemand verstand ist dann ein Hauptsatzfragment.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Hauptsatz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. durchgesehene Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0, S. 272
  2. Theodor Lewandowski: Linguistisches Wörterbuch. Band 3: S – Z. 4. neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1985, ISBN 3-494-02050-7 (UTB 300)
  3. z.B. Duden. Die Grammatik. 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009. S.1020, Abschn. 1637
  4. Dudengrammatik 2009, S. 1019, von wo der Beispielsatz stammt
  5. grammis 2.0, das grammatische informationssystem des instituts für deutsche sprache (ids)