Hauptsignal

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Signalbilder Formhauptsignal
Hp 0: Halt
Hp 1: Fahrt
Hp 2: Langsamfahrt
Ks-Signal im Bahnhof Kinding (Altmühltal) in der Funktion eines Hauptsignals. Signalbegriff: Halt (Hp 0)

Ein Hauptsignal (Hp) ist ein Eisenbahnsignal, das anzeigt, ob der anschließende Gleisabschnitt befahren werden darf. Gleisabschnitte in diesem Sinne sind Zugfolgeabschnitte. In ihnen darf sich jeweils nur ein Zug befinden. Hauptsignale an Strecken mit Streckenblock können nur in die Fahrtstellung gebracht werden, wenn der anschließende Zugfolgeabschnitt frei ist. Ein Hauptsignal wird in der Regel durch ein Vorsignal angekündigt.

Hauptsignale sind Formsignale oder Lichtsignale.

Hauptsignale werden je nach ihrer Funktion verwendet als:

Einfahrsignal
Das Einfahrsignal steht vor einem Bahnhof an der Grenze zwischen diesem und der freien Strecke und zeigt an, ob ein Zug aus einem Zugfolgeabschnitt in ein Bahnhofsgleis einfahren darf.
Ausfahrsignal
Das Ausfahrsignal steht am Ende des Bahnhofsgleises und zeigt an, ob ein Zug aus einem Bahnhofsgleis auf die freie Strecke (Blockabschnitt) ausfahren darf.
Zwischensignal
Das Zwischensignal steht in ausgedehnten Bahnhofsbereichen zwischen Ein- und Ausfahrsignal und zeigt an, ob der nachfolgende Gleisabschnitt des Bahnhofs befahren werden darf. In der Schweiz lautet daher die korrekte Bezeichnung „Gleisabschnittsignal“
Blocksignal
Das Blocksignal steht an einem Gleis der freien Strecke und zeigt an, ob der nachfolgende Streckenabschnitt (Blockabschnitt) befahren werden darf. Ein Selbstblocksignal überwacht den Blockabschnitt und regelt die Zugfolge automatisch: ist der Blockabschnitt besetzt, verbietet es die Weiterfahrt; ist er einschließlich des Schutzabschnittes hinter dem nächsten Signal frei, wird sie erlaubt.
Deckungssignal
Das Deckungssignal sichert eine Gefahrenstelle auf der freien Strecke, z. B. eine bewegliche Brücke, einen Bahnübergang oder eine Streckenkreuzung. Es kann zugleich ein Blocksignal sein. Hauptsignale kommen als Deckungssignale relativ selten vor.

Die Unterscheidung ist (insbesondere dem Triebfahrzeugführer) nicht anhand des Signalbilds oder der Signalbezeichnung möglich, sondern ergibt sich aus dem Standort in Verbindung mit Streckenkenntnis oder den Angaben im Buchfahrplan.

Das Verhalten an einem Halt zeigenden oder gestörten (auch erloschenen) Lichthauptsignal wird durch ein Mastschild geregelt. Dessen Gestaltung und Farbgebung hat eine festgelegte Bedeutung.

Ein weiß-rot-weißes Mastschild erlaubt die Vorbeifahrt eines Zuges nur auf Ersatzsignal, Vorsichtsignal, Gegengleisfahrt-Ersatzsignal, schriftlichen Befehl oder bei Signal Zs 12 auf (fern-)mündlichen Auftrag.[1]

An einem mit weiß-gelb-weiß-gelb-weißen Mastschild gekennzeichneten Hauptsignal dürfen Züge vorbeifahren, wenn nach Halt keine Verständigung mit dem Fahrdienstleiter möglich ist. Es darf bis zum nächsten Hauptsignal nur auf Sicht gefahren werden. Im DV-Bereich handelt es sich um ein Hauptsignal mit Vorsignalisierung.[2] Dieses Mastschild kommt nur an reinen Blocksignalen zum Einsatz, von denen keine beweglichen Fahrwegelemente (Weichen) gedeckt werden. In Neubauten kommt es nicht mehr zum Einsatz.

Bei Hauptsignalen mit Vorsignalisierung (»Mehrabschnittssignal«) sind die Regeln für Hauptsignale und Vorsignale entsprechend anzuwenden. Ein solches Hauptsignal enthält in den Fahrtbegriffen gleichzeitig die Vorsignalinformation für das Folgende.

Signalbegriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ks-Signal in Allersberg in der Funktion eines Hauptsignals. Signalbegriff: Fahrt (Ks 1); der Geschwindigkeitsanzeiger erlaubt im nachfolgenden Weichenbereich maximal 100 km/h

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es je nach verwendeten Signalsystem unterschiedliche Signalbegriffe. Allen gemeinsam ist der Signalbegriff Hp 0 (Halt).

Im H/V-Signalsystem gibt es die Signalbegriffe Hp 1 (Fahrt) und Hp 2 (Langsamfahrt).

Weiterhin existieren sogenannte Mehrabschnitts-Signalsysteme, z. B. die auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Reichsbahn noch verwendeten Hl-Signale, oder aber moderne Ks-Signale, welche heute bei fast allen Neubauten Verwendung finden.

Ks-Signale sind ausschließlich bei elektronischen Stellwerken vorhanden.

In Deutschland stehen Hauptsignale durchschnittlich in einem Abstand von 2,7 Kilometern (Stand: 2005).[3] In Deutschland wurden im Jahr 2014 470-mal Halt zeigende Hauptsignale überfahren.[4]

Zwei Eurobalisen, in spezieller Befestigung, an einem ETCS-Stop-Marker (an Stelle eines Licht-Hauptsignals) auf der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle

Auf der Ende 2015 in Betrieb genommenen Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle, die unter ETCS Level 2 ohne Signale (ETCS L2oS) betrieben wird, wurde in Deutschland erstmals auf ortsfeste (Licht-/Form-)Hauptsignale verzichtet.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich kam es erst durch den Anschluss zur Umstellung von der Wegesignalisierung zur Geschwindigkeitssignalisierung. Auch die Form der Signalflügel wurden 1938 von Deutschland übernommen. Doch nach dem Krieg trennte sich die Entwicklung des Signalwesens. 1954, als beim Wiederaufbau viele Weichen eingebaut worden waren, die mit 60 km/h befahren werden konnten, wurde auf vierbegriffige Signale umgestellt. Anders als in Deutschland, gibt es seit damals eine eigene Langsamfahrt mit 60 km/h. Damals wurden auch die Vorsignale nach Schweizer Muster eingeführt.

Das Hauptsignal der Österreichischen Bundesbahnen hat in der aktuellen Version von 1980 immer das gleiche Aussehen, egal ob es als Einfahr-, Ausfahr- oder Blocksignal verwendet wird. Die Lampen sind dabei in zwei Spalten nebeneinander angeordnet, maximal drei links und fünf rechts. Es können jedoch einzelne nie benötigte Lampen weggelassen werden. Die Hauptänderung im Aussehen zum Hauptsignal von 1954 ist, dass das rote Licht von der zweiten Stelle oben nach ganz links unten verschoben wurde und dass es nun mit einem Schutz- bzw. Verschubsignal kombiniert werden kann. Erst seit 1980 gilt ein „Halt“ am Hauptsignal auch für den Verschubdienst. Das Signal „Verschubverbot aufgehoben“ wurde daher in das Hauptsignal integriert.

linke Seite rechte Seite
weiß (Schutz/Ersatz)
oder rot (Vorsicht)
weiß (Schutz/Verschub)

rot (Halt)
AT HS A.svg
grün (Frei)
weiß (Verschub)
grün (Abfahrt)
gelb (Frei mit 40 km/h)
grün (Frei mit 60 km/h)

Das Hauptsignal kann folgende vier Begriffe anzeigen:

Bezeichnung Signalbild Lichtsignal Formsignal Bezeichnung Signalbild Lichtsignal Formsignal
Halt ein rotes Licht;
beim Formsignal ein waagerechter (und ein senkrechter) Signalflügel.
AT HS A 0.svg
Hp0 Form.svg
Frei ein grünes Licht;
beim Formsignal ein diagonaler Signalflügel nach rechts oben.
AT HS A 1.svg
Hp1 Form.svg
Frei mit 60 km/h ein grünes Licht, darunter ein grünes Licht.
AT HS A 2.svg
Frei mit 40 km/h ein grünes Licht, darunter ein gelbes Licht;
beim Formsignal zwei diagonale Signalflügel untereinander nach rechts oben.
AT HS A 3.svg
Hp2 Form.svg

Jeder Mast hat ein weiß-rot-weißes Mastschild, bei hängenden Signalen ist dieses am Signalschirm zwischen den Lampen angebracht.

Siehe Hauptartikel Eisenbahnsignale in Österreich

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch bei den Schweizerischen Bundesbahnen und den anderen Bahnen in der Schweiz gibt es verschiedene Signalsysteme. Die Lichtsignale des System L sind rechteckig und stellen die Geschwindigkeit mit Farbpunkten dar. Beim neueren System N, dessen Hauptsignale kreisförmig sind und nur 3 Lampen haben, geschieht dies mit zusätzlichen Ziffern. Mit dem System L werden sechs Begriffe dargestellt, deren Analogien zum System N in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt werden. Jedoch werden beim System N keine durchnummerierten Fahrbegriffe mehr benutzt, wie dies noch beim System L der Fall ist.

Begriff Lichtsignal System L Lichtsignal System N Formsignal
Halt ein rotes Licht 2. von oben ein rotes Licht oben Ein rückstrahlender Signalarm zeigt waagrecht nach rechts
Freie Fahrt (Fahrbegriff 1) ein grünes Licht oben ein grünes Licht rechts unten Ein rückstrahlender Signalarm zeigt schräg nach rechts aufwärts
Frei mit 40 km/h (Fahrbegriff 2) ein grünes Licht ganz oben in der Mitte ein oranges Licht ein grünes Licht rechts unten und eine gelbe „4“ darunter Zwei rückstrahlende Signalarme zeigen schräg nach rechts aufwärts
Frei mit 60 km/h (Fahrbegriff 3) zwei grüne Lichter untereinander ein grünes Licht rechts unten und eine gelbe „6“ darunter -
Frei mit 90 km/h (Fahrbegriff 5) drei grüne Lichter untereinander ein grünes Licht rechts unten und eine gelbe „9“ darunter -
Kurze Fahrt (40 km/h) (Fahrbegriff 6) zwei orange Lichter untereinander ein oranges Licht links unten und ein oranger „-“ darunter -

Siehe Hauptartikel Eisenbahnsignale in der Schweiz

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ril 301, Modul 301.0002, Abschnitt 8, Absatz 1
  2. Ril 301, Modul 301.0002, Abschnitt 8, Absatz 1
  3. Ulrich Maschek: Vorbeifahrten an Halt zeigenden Signalen. In: Deine Bahn. Nr. 2, 2016, ISSN 0948-7263, S. 28–33.
  4. Eisenbahn-Bundesamt (Hrsg.): Bericht des Eisenbahn-Bundesamts gemäß Artikel 18 der Richtlinie über Eisenbahnsicherheit in der Gemeinschaft (Richtlinie 2004/49/EG, „Sicherheitsrichtlinie“) über die Tätigkeiten als Sicherheitsbehörde: Berichtsjahr 2014. 15. September 2015, S. 9 (PDF-Datei).