Haus Bamenohl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Haus Bamenohl Frontansicht

Haus Bamenohl ist ein Schloss im Ort Bamenohl, Gemeinde Finnentrop, Kreis Olpe in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

14. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Besitzer des Hauses Bamenohl war vermutlich die Familie von Hundem genannt Pepersack. Durch Heirat kam die Familie von Heygen in den Besitz von Bamenohl. Am 5. März 1324 wird Bawenole inferiore erstmals urkundlich erwähnt[1]: Herbord Vogt von Heyen überlässt dem Grafen Wilhelm von Arnsberg seinen Eigenhörigen Conradum (Konrad), den Sohn des Dietrich von Adorpe, und erhält dafür im Tausch den Gobelinus von Bawenole inferiore (Nieder-Bamenohl). Dabei muss es sich nicht zwingend um das heutige Schloss handeln, allerdings sprechen Kellergewölbe und die bis zu zwei Meter dicken Mauern für eine Errichtung im 14. oder 15. Jahrhundert. Zu dieser Zeit gab es auch schon eine Kapelle, die erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1362 erwähnt wird.

1379 wird das huyss zu Babenole ein weiteres Mal erwähnt: Mit seinen Brüdern schwor Heidenreich van Heyen damals dem Erzbischof von Köln Friedrich III. von Saarwerden Fehdeverzicht (sogenannte Urfehde) und erklärte Haus und den hoff zu Overenbabenole zum Offenhaus[2]. Das Haus Bamenohl hatte daneben das Patronat über die Kirchen St. Jakobus in Elspe und St. Hippolytus in Helden.

Bereits im 14. Jahrhundert hat in Bamenohl ein Freistuhl gestanden: 1395 erwarb Ruprecht II., Pfalzgraf bei Rhein, gegen jährliche Zahlung von 30 rheinischen Gulden Besitzrechte am Schloss und dem freien Stuhl Bamelen.[3] Im selben Jahr verklagen Wilhelm Vogt von Elspe, Heinrich von Dusendschuren und Heineman von Heyen die Stadt Frankfurt am freien Stuhl vor der Feste zu Babenole zwischen den zwei Brücken, weil deren Söldner zwei Kirchen und Kirchhöfe zerstört hätten.[3]

15. bis 17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinplatte am Ostflügel

Im weiteren Erbgang kam um 1433 erstmals die Familie von Plettenberg in den (Mit-)Besitz von Haus Bamenohl. 1471 waren die Gebrüder Wilhelm und Johann Vogt von Elspe, Heidenreich von Plettenberg und Noldeke von Berninghausen gemeinsam Besitzer von Sloße Babenelle. Weitere Mitbesitzer waren die Herren von Dünschede.

Nach Erbteilung 1474 und Verkauf waren zu Anfang des 16. Jahrhunderts die Familien von Plettenberg und Vogt von Elspe mit je einem halben Anteil Eigentümer von Bamenohl. Im 16. Jahrhundert wurde der Besitz in ein Unteres und ein Oberes Haus geteilt. Zum Unteren Haus gehörte das heutige Schloss, das Obere Haus befand sich nur wenige Meter südwestlich davon. 1580 erbte Bernhard Vogt von Elspe zu Borghausen die andere Hälfte Bamenohls und verlegte seinen Wohnsitz dorthin.

1647 erbaut Adam Vogt von Elspe ein Nebengebäude, den heutigen Ostflügel, in GROSEM KRIG STRYT UND WIDERWERTIGKEIT wie es auf einer Steinplatte heißt. Dieser Bau konnte zum Ausgang des Dreißigjährigen Krieges nur gelingen, weil die Familie im Besitz mehrerer Schutzbriefe war, die das Haus vor Raub und Plünderung verschonten. Im gleichen Jahr wurde die in den 1930er Jahren abgebrochene Kapelle errichtet.[4]

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Wilhelm Georg von Plettenberg-Heeren, ab 1805 von Bodelschwingh-Plettenberg

Nachdem die Eigentümer des Oberhauses mehrfach gewechselt hatten (u.a. von Steckenberg, von Calenberg) erwirbt 1781 der letzte Vogt von Elspe, Moritz Georg Vogt von Elspe genannt Voss zu Rodenberg, damals Eigentümer des Unterhauses, das Oberhaus durch Kauf von der Äbtissin Caroline von Dalwigk zu Neuenheerse. Damit war die Vereinigung von Ober- und Niederbamenohl vollzogen. Im Winter 1784 wurden die Gebäude des Gutes Oberbamenohl abgerissen.[5]

Die Nichte des letzten Vogts von Elspe, Christine Anna Luise Gisbertine von Bodelschwingh (* 1766 auf Haus Bodelschwingh; † 1833 ebenda), erbt bei dessen Tod Oevinghausen, Schwerte, Westhemmerde, Werl, Bamenohl und Borghausen.[6] Durch ihre Heirat mit Karl Wilhelm Georg von Plettenberg (* 1765 auf Haus Heeren; † 1850 auf Gut Drais), Erbmarschall der Grafschaft Mark, Großkomtur der Deutschordensballei Utrecht und Großmeister des Freimaurerordens, gelangt Haus Bamenohl damit wieder in das Eigentum der Familie von Plettenberg. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1833 heiratete er 1834 im Alter von fast 70 Jahren in zweiter Ehe die 25-jährige Erbtochter seines Halbbruders Adolf, Bertha Freiin von Plettenberg (* 1808 in Sedan; † 1845 in Bodelschwingh); die beiden hatten eine Tochter namens Marie.

Sein Sohn Gisbert von Bodelschwingh-Plettenberg (* 1790 in Bodelschwingh; † 1866 ebenda) erbte Bamenohl, Borghausen, Bodelschwingh, Schwarzenberg, Haus Rodenberg, Haus Schörlingen bei Waltrop, sowie Burg Geretzhoven, Haus Katz und Katzcherhof im Herzogtum Jülich, Teschendorf in Hinterpommern, Gut Drais im Herzogtum Nassau und Huis Loowaard in der Provinz Gelderland. Er wurde 1826 auf Lebenszeit in das Herrenhaus des westfälischen Provinziallandtags gewählt.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Bamenohl um 1900
Haus Bamenohl um 1832

Die Ruine des Hauses Oberbamenohl wird 1851 von Carl Gisbert Wilhelm von Bodelschwingh-Plettenberg (* 1821 auf Burg Geretzhoven; † 1907 auf Bodelschwingh) abgerissen, der auch den Wassergraben zuschütten lässt, welcher das Anwesen von drei Seiten umgibt. Außerdem baut er 1851 bis 1853 mit Hilfe des Baumeisters Custodis aus Neuss das Haus Niederbamenohl (das heutige Schloss) auf seine heutigen Gestalt aus. Insbesondere errichtet er den Turm, legt den Park und den späteren Kraftwerksgraben an. Am Turmportal befinden sich noch heute die Wappen der Grafen von Bodelschwingh-Plettenberg sowie der Familie seiner Frau Eugenie Quadt-Wyckrath-Hüchtenbrock.

Nach dem Tod seines Vaters übersiedelte Carl 1866, wie testamentarisch bestimmt, nach Haus Bodelschwingh und übergab Haus Bamenohl an seinen Bruder Adolf Eugen Ludwig von Bodelschwingh-Plettenberg (* 1826 auf Geretzhoven; † 1902 in Heeren). Dieser heiratete 1856 seine Kusine Bertha von Plettenberg-Heeren (* 1832; † 1900), Besitzerin der Güter Heeren, Hilbeck, Werve und Hahnen. In der Folge wurde das Gebäude lediglich als Sommersitz der Familie genutzt.

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges wurde eine Abteilung der Mannesmannröhren-Werke aus Düsseldorf nach Bamenohl ausgelagert. Nach dem Krieg diente es als Unterkunft für Flüchtlinge, später erfolgte der Umbau in ein Altenheim. Dieses zog 1967 aus und hinterließ ein stark heruntergekommenes Gebäude. Nach einem Leerstand von ca. 20 Jahren wurden drei Räume für die Neuapostolische Kirchengemeinde hergerichtet. Anschließend begann eine sukzessive Renovierung des Schlosses und der drei Hofgebäude.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Krähenberg

Das gesamte Ensemble von Schloss, Hofgelände und Park mit Teichen steht unter Denkmalschutz. Die Gebäude sind bewohnt, Besichtigungen von Schloss und Park sind aber nach vorheriger Absprache möglich. Einzelne Räume im Erdgeschoss können für Veranstaltungen gemietet werden. Insbesondere sind standesamtliche Trauungen im Schloss möglich.

Zu einer beliebten Veranstaltung haben sich die jährlichen Open-Air-Konzerte am dritten Wochenende im August entwickelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haus Bamenohl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Wolf: Die Urkunden des Kölnischen Westfalen - Lieferung 3, 1321 - 1325, Indices. In: Historische Kommission für Westfalen (Hrsg.): Westfälisches Urkundenbuch. Band 11, Nr. 3. Aschendorff, Münster 2005, ISBN 978-3-402-06694-2 (Staatsarchiv Münster, Msc. VI 109 A (Kopiar des Grafen von Arnsberg), Bl. 33; Hist. A der Stadt Köln, Farragines Gelenii Bd. VII Bl. 63v-75).
  2. Landesarchiv NRW, Abt. Rheinland (Standort Düsseldorf), Kurköln, Lehen, Gen. 8 I fol. 127 b u. 8 II fol. 112 b
  3. a b Johann Suibert Seibertz: Zur Topographie der Freigraffschaften. Die Freigraffschaften in dem Lande Bilstein-Fredeburg. In: Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Hrsg.): Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde. Band 29. Regensberg, 1871, ZDB-ID 201422-1, S. 73–74, urn:nbn:de:bvb:12-bsb11041282-1.
  4. A. Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Meschede. Kommissions-Verlag von Ferdinand Schöningh, 1908.
  5. Albert K. Hömberg: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter in Westfalen. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens, Heft 10, 1975, Seite X124.
  6. Klaus Basner: Haus Westhemmerde: Geschichte eines westfälischen Adelssitzes von den Anfängen bis um 1800. Stadt Unna, Unna 2004, ISBN 3-927082-48-1.

Koordinaten: 51° 9′ 43″ N, 7° 59′ 14″ O