Haus Busch (Hagen)

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Haupthaus

Haus Busch ist ein altes Herrenhaus der Adelsfamilie von Syberg zum Busch in Hagen-Helfe, das seit 1974 der Gesellschaft für publizistische Bildungsarbeit als Sitz und als so genanntes Journalisten-Zentrum des von der Gesellschaft getragenen Deutschen Instituts für publizistische Bildungsarbeit, kurz Haus Busch, diente. Im November 2019 wurde Insolvenzantrag gestellt. Das Haus wurde zum Jahresende 2019 geschlossen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutshaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Journalistenzentrum
Alte Wirtschaftsgebäude

Der vermutlich seit dem 13. Jahrhundert bestehende Adelssitz (Rittergut) gehörte von 1369 bis 1826 den Herren von Syberg und anschließend durch Einheirat den Freiherren von Vincke. Die Herren von Syberg zählten zum Dienstadel und zu wichtigen Amtsträgern des Grafenhauses Mark bzw. der Herzöge von Kleve-Mark. Das Haupthaus des Adelssitzes war ursprünglich ein Wohnturm, der um 1700 zu dem heutigen Herrenhaus mit dem eindrucksvollen Kellergewölbe erweitert wurde. Es ist das Geburts- und Elternhaus von Georg von Vincke (1811–1875). Mitte des 19. Jahrhunderts wurde zudem ein Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Im Zuge von Umbau- und Aufräumarbeiten wurde in den 1930er Jahren im Keller des Haupthauses ein aus Bronze gegossenes Rohr einer Hakenbüchse aus dem 15./16. Jahrhundert entdeckt. Vermutlich im früheren Wohnturm als Verteidigungswaffe benutzt.

Ab 1920 war Franz Pfeffer von Salomon Gutspächter. 1928 erwarb die Stadt Hagen das zuletzt als Gut genutzte Ensemble. In den dreißiger Jahren befand sich auf Haus Busch ein Lager des Reichsarbeitsdienstes für die weibliche Jugend. Von 1936 bis 1943 plante die Stadt Hagen, das Haupthaus als Gedenkstätte für den früheren westfälischen Oberpräsidenten Ludwig von Vincke (1774–1844) sowie – in Erinnerung an seinen einwöchigen Besuch im Juni 1926 – für Adolf Hitler (1889–1945) zu nutzen.[2] In dem 1868 erbauten ehemaligen westlichen Wirtschaftsgebäude befindet sich heute die Biologische Station des Umweltzentrums Hagen.

Deutsches Institut für publizistische Bildungsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft für publizistische Bildungsarbeit wurde 1960 in Düsseldorf, vorrangig von Emil Dovifat und Karl Bringmann gegründet, die in den 1950er Jahren dort den ersten Zeitungsfachlichen Fortbildungskurs als Vorläufer der heute üblichen Volontärseminare eröffnet hatten. 1974 zog das zwischenzeitlich gegründete Deutsche Institut für publizistische Bildungsarbeit ins Hagener Haus Busch um. In dem Institut wurden Journalisten in Kurzzeitkursen aus- und weitergebildet.

Im Altbau befanden sich die Institutsverwaltung mit Büros, kleinere Seminarräume und eine Präsenzbibliothek. Das Kellergewölbe wurde als Kneipe Buschkeller genutzt. In modernisierten und erweiterten Nebengebäuden befanden sich Hörsäle und die Kantine sowie der zum Journalisten-Zentrum gehörende Hotelbetrieb.

Haus Busch war außerdem Sitz der vom ehemaligen Handelsblatt-Herausgeber Friedrich Vogel gegründeten Vogel-Stiftung sowie der deutschsprachigen Sektion der Society for News Design (SND).

Im Juni 2005 wurde bekannt, dass Haus Busch nach Kürzung der Zuschüsse vom Land NRW und nach angekündigtem Austritt der Verlegerverbände (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV und Zeitungsverlegerverband NRW) aus der Trägergesellschaft unmittelbar vor der Insolvenz steht, die im Juli auch angemeldet wurde. Vor allem der drastische Rückgang der Teilnehmerzahlen für die angebotene einjährige Ausbildung zum Pressestellenjournalisten oder Multimedia-NewsDesigner, die pro Person rund 9.000 Euro kostet, wurde als ursächlich für die Finanzschwierigkeiten benannt. Grund für den Rückgang war die wegen Hartz IV wegfallende staatliche Förderung, insbesondere der Übernahme der Wohnkosten in Haus Busch.

Das Journalistenzentrum hat am 15. November 2019 angekündigt, den Betrieb zum 31. Dezember einzustellen. Laut Pressemitteilung[3] lief zum einen die Nutzungsvereinbarung mit der Stadt Hagen aus, zum anderen stelle der Trägerverein seinen Betrieb ein. Hintergrund sei laut Pressemitteilung eine hohe Rückforderung von Fördermitteln des Landes Nordrhein-Westfalen aus den Jahren 2010–2017, die der Verein in dieser Höhe nicht leisten könne.[4]

Zum 1. Januar 2020 hat das neu gegründete Journalistenzentrum Herne[5] im Shamrockpark Herne als faktischer Nachfolger seinen Geschäftsbetrieb aufgenommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Haus Busch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quelle: Newsroom vom 3. Dezember 2019, abgerufen 10. Februar 2020.
  2. Ralf Blank / Mirjam Kötter / Sebastian M. Sonntag: Hagener Fundstücke – 111 Archäologische Fundstücke, Hagener Beiträge zur Kultur u. Geschichte Band 2, Klartext-Verlag Essen 2020, S. 224
  3. Pressemitteilung vom 15.11.2019. Abgerufen am 17. November 2019.
  4. Pressemitteilung vom 15.11.2019. Abgerufen am 17. November 2019.
  5. Journalistenzentrum Herne. Abgerufen am 17. November 2019.

Koordinaten: 51° 23′ 46,6″ N, 7° 29′ 35″ O