Haus Demmin

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Haus Demmin
Ruine des Burgturmes nach der Sanierung

Ruine des Burgturmes nach der Sanierung

Alternativname(n): Alte Burg; Castrum Dimin
Entstehungszeit: 1127 Ersterwähnung
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Burgruine
Ständische Stellung: Fürstenburg, Herrenhaus
Ort: Demmin
Geographische Lage 53° 54′ 0″ N, 13° 2′ 1″ OKoordinaten: 53° 54′ 0″ N, 13° 2′ 1″ O
Haus Demmin (Mecklenburg-Vorpommern)
Haus Demmin

Der Name Haus Demmin bezeichnet die Ruinen einer pommerschen Fürstenburg (Wasserburg) und eines Herrenhauses auf einer Insel am Zusammenfluss von Peene und Tollense bei Demmin. Die Burgruine ist der älteste erhaltene Profanbau Pommerns und gilt als „Wiege“ dieser Region.

Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine des Burgturmes vor der Sanierung
Lage des Hauses Demmin auf einem Stadtplan von 1758

Bereits im 8. Jahrhundert befand sich an der Mündung der Tollense in die Peene eine slawische Burgwallanlage. 1127 erfolgt die erste Erwähnung als „Alte Burg“. Diese wurde 1128 dem Bischof Otto von Bamberg auf seiner Missionsreise als Nachtlager angewiesen, der sich hier auch mit dem Pommernherzog Wartislaw I. traf. Im 12. Jahrhundert wurde die Burg weiter ausgebaut. Urkundlich wird sie 1170 als Feste Demmin (castrum Dimin) erwähnt. Der Kernbau, in der Art eines Runddonjon aus Backstein errichtet, wurde in einer bauhistorischen Begutachtung auf die Zeit um 1200 datiert und ist damit das älteste weltliche Bauwerk Pommerns.[1] Bis zum Tode Wartislaws III. 1264 residierten hier die Herzöge von Pommern-Demmin.

In der Hauptlandesteilung des Herzogtums Pommern von 1295 kam Haus Demmin zu Pommern-Stettin, die Stadt Demmin aber zu Pommern-Wolgast. Haus Demmin war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts Mittelpunkt einer herzoglichen Vogtei und diente den Vögten als Sitz. Es war zugleich eine wichtige Zollstelle am Zusammenfluss von Peene und Tollense kurz vor der Landesgrenze zu Mecklenburg.

Der herzogliche Rat Peter Podewils erhielt Haus Demmin von Herzog Bogislaw X. zunächst als Pfand, 1512 dann als Lehngut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg durch schwedische und kaiserliche Truppen umkämpft, bis sie 1631 mit Ausnahme des Turmes niederbrannte. Dieser wurde 1648 durch den später berühmt gewordenen schwedischen Festungsbaumeister Erik Dahlberg, damals noch Erik Jönson, gesprengt. Die Podewils hatten bereits zuvor ihren Wohnsitz im benachbarten Sanzkow genommen. Später kehrte ein Zweig der Familie wieder in das angrenzende Dorf Vorwerk zurück. Das Gelände des Burgwalls blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unbewohnt.

Eine Sanierung der Burgruine zum Erhalt der bestehenden Bausubstanz wurde 2007 vorbereitet. Das Ergebnis wird aus denkmalpflegerischer Sicht stark kritisiert.[2]

Herrenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Demmin, Parkseite (2014)
Haus Demmin, Rückseite (2010)

1840 ließ die Familie Podewils ein Herrenhaus im spätklassizistischen Stil errichten, das französischen Barockschlössern nachempfunden war. 1881 ging es in den Besitz der Familie von Rohr über, bis diese 1945 enteignet wurden. In der Zeit von 1948 bis 1986 diente die Anlage als Internat und Schule.

1991 wurde das Haus der Familie von Rohr rückübertragen. 1998 brannte das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Nach dem Neubau der Brücke über die Tollense und der Sicherung der Ruine ging das Grundstück wieder in den Besitz der Hansestadt Demmin. 2006 wurde in Form einer Diplomarbeit ein Nutzungskonzept als Verwaltungssitz für einen geplanten Stiftungsnationalpark Peenetal vorgestellt. Das Haus Demmin wurde durch die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes Mecklenburg-Vorpommern („Invest in MV“) auf der Immobilienmesse Expo Real 2016 zum Verkauf angeboten.[3]

Das Herrenhaus war ein Putzbau von dreieinhalb Geschossen mit zweigeschossigen Seitenflügeln. Die Wände sind durch Putznutung geziert. Über den erhaltenen Fensteröffnungen der Obergeschosse befinden sich gerade bzw. flachbogige Verdachungen. Die Dächer waren durch Attiken verdeckt. Ein Altan auf hohen Pfeilern vor dem dritten Obergeschoss ist in Resten erhalten. In einem Zimmer befanden sich bemalte Bildtapeten, auf denen das Podewilssche Schloss Crangen und das neue Herrenhaus abgebildet waren.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtsort von

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Fuhrmann: Die Hansestadt Demmin in alten und neuen Ansichten. GEROS Verlag, Neubrandenburg 1998, ISBN 3-935721-00-5.
  • Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 1993, ISBN 3-88042-636-8.
  • Dirk Schleinert: Haus Demmin im Wandel der Zeiten. Zur Geschichte einer Herrenhausanlage in Pommern. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. 40. Jg. (2002), Heft 1, ISSN 0032-4167, S. 2–9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gunnar Möller: Adlige Burgen und Befestigungen im Raum Demmin In: Grenzregion zwischen Pommern und Mecklenburg. Bd. 1: Vorträge 1997–1999. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2000, ISBN 3-931185-63-X, S. 49.
  2. Sabine Bock: Von anonymen Baumeistern zu berühmten Architekten. Ihr Wirken zwischen Malchin, Altentreptow und Demmin, in: Grenzregion zwischen Pommern und Mecklenburg, 7 (Schriften des Fördervereins Demminer Regionalmuseum e.V.) Thomas Helms Verlag Schwerin 2011, ISBN 978-3-940207-65-4, S. 15.
  3. Haus Demmin: Vorpommerns Wiege sucht einen Käufer, Nordkurier, 27. September 2016
  4. Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Bezirk Neubrandenburg. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1982, S. 91–92.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haus Demmin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien