Haus Hannover

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Wappen des Hauses Hannover

Das Haus Hannover oder (engl.) „House of Hanover“ bzw. „The Hanoverians“ war eine deutschstämmige Königsdynastie, die dem Haus Stuart von 1714 bis 1901 als Könige von Großbritannien folgte. Diese Epoche wird in der Geschichtsschreibung daher oftmals auch als „Hanoverian England“ tituliert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus Hannover ist die jüngere Linie des Welfengeschlechts aus dessen zweiter Dynastie Welf-Este. Die ältere Linie waren die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel. Das vom Haus Hannover regierte Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg war 1692 aus einer Reihe von Territorien des Heiligen Römischen Reiches entstanden: dem Fürstentum Calenberg, dem Fürstentum Grubenhagen, der Grafschaft Hoya, dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg, dem Fürstentum Lüneburg (ab 1705), dem Herzogtum Bremen und dem Herzogtum Verden (ab 1715). Calenberg, Grubenhagen und Lüneburg waren, ebenso wie Braunschweig-Wolfenbüttel, nominell Teilfürstentümer des 1235 gebildeten Herzogtums Braunschweig und Lüneburg.

Ernst August von Calenberg-Grubenhagen wurde 1692 von Kaiser Leopold I. zum Kurfürsten von Hannover erhoben. Seine Gemahlin Sophie von der Pfalz, die Tochter des pfälzischen Kurfürsten und böhmischen "Winterkönigs" Friedrich aus dem Hause Wittelsbach und der Elisabeth Stuart, Prinzessin von Großbritannien und Irland aus dem Haus Stuart, wurde durch den Act of Settlement ab 1701 zur designierten Thronfolgerin der britischen Monarchie ernannt, als künftige Nachfolgerin ihrer direkten Cousine Anne Stuart, deren zahlreiche Kinder zu diesem Zeitpunkt sämtlich bereits im Kindesalter verstorben waren. Sophie starb jedoch im Juni 1714, Queen Anne erst zwei Monate später. Dieser folgte daher Sophies ältester Sohn, Kurfürst Georg, auf dem Thron in London.

Die beiden ersten hannoverschen Regenten auf dem englischen Thron, Georg I. und Georg II., waren noch in Hannover geboren. Die Träger der britischen Krone waren in Personalunion auch Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg und nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reichs 1806 Könige im souveränen Königreich Hannover, nachdem Georg IV. als damaliger Prinzregent für seine hannoverschen Stammlande 1814 den Königstitel angenommen hatte. Die Personalunion endete 1837, als der Thron von Hannover nach dem Salischen Gesetz nicht an Königin Viktoria, sondern an ihren Onkel, den Herzog von Cumberland und nunmehrigen König Ernst August I. von Hannover, überging.

Durch die preußischen Annexionen in der Folge des Krieges von 1866 wurde das Königreich zur preußischen Provinz und das Königshaus ging ins Exil nach Österreich. Es kehrte jedoch von 1913 bis 1918 auf den Thron im Herzogtum Braunschweig zurück.

Britische Monarchen aus dem Haus Hannover
Königreich Großbritannien
Name Herrschaft Bemerkungen
Georg I. 1714–1727
Georg II. 1727–1760
Georg III. 1760–1820 (Die Königreiche von Großbritannien und Irland vereinigten sich 1801 zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland.)
Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland
Name Herrschaft Bemerkungen
Georg III. 1760–1820
Georg IV. 1820–1830
Wilhelm IV. 1830–1837
Viktoria 1837–1901

Als Viktoria 1901 starb, folgte dem Haus Hannover mit ihrem Sohn Eduard VII. das Haus Sachsen-Coburg und Gotha, benannt nach ihrem Mann Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Ihr Enkel, Georg V. änderte im Jahr 1917 den Namen seines Hauses in Windsor. Die britische Königin Elisabeth II. ist eine direkte Nachfahrin Georgs I., denn der Act of Settlement erfordert, dass der Monarch ein protestantischer Nachkomme der Kurfürstin Sophie von Hannover ist.

Könige des Königreichs Hannover
Name Herrschaft Bemerkungen
Georg III. 1814–1820
Georg IV. 1820–1830
Wilhelm IV. 1830–1837
Ernst August I. 1837–1851
Georg V. 1851–1866
Oberhäupter des Hauses Hannover der Welfenfamilie ab 1866
Name Zeitraum Bemerkungen
Georg V. 1866–1878
Ernst August II. Kronprinz von Hannover 1878–1913
Ernst August III. Prinz von Hannover 1913–1953, von 1913 bis 1918 regierender Herzog von Braunschweig
Ernst August IV. Prinz von Hannover 1953–1987
Ernst August V. Prinz von Hannover 1987 bis heute

Memoria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der damaligen britischen Königsdynastie bzw. ihren Mitgliedern wurden zahlreiche Provinzen und Orte in den Britischen Kolonien und Protektoraten benannt, darunter der heutige US-Bundesstaat Georgia, die Stadt Hanover (New Hampshire), die Stadt Hanover (Pennsylvania), Hanover County und Caroline County (Virginia), Brunswick County (Virginia), Brunswick County (North Carolina), die Hanover Township in Illinois sowie Orte namens Georgia in New Jersey, Vermont, Arkansas und South Dakota, ferner sieben Städte in den USA und Kanada nach Königin Charlotte, in Kanada außerdem die Provinz New Brunswick, die Stadt Hanover (Ontario), die Stadt Guelph in Ontario und die Stadt Victoria (British Columbia), in Südafrika der Ort Hanover (Südafrika), in Australien der Bundesstaat Victoria und die Stadt Adelaide, in Großbritannien sechs Orte und in den USA dreizehn Städte und zwölf Ortsteile namens Brunswick, ferner je einer in Australien und Neuseeland sowie weltweit über fünfzig Orte namens Victoria. Außerdem zahlreiche Straßen und Plätze wie der Hanover Square in der City of Westminster und der Brunswick Square in Camden, London, der Hanover Square in Downtown New York City und der Hanover Square in Syracuse (New York). Straßen im Zentrum von Brisbane, Australien, sind nach Mitgliedern des Hauses Hannover benannt, parallel zur Queen Street nach den weiblichen, senkrecht dazu nach den männlichen.

Die Georgianische Architektur prägt bis heute Städte und ländliche Orte in allen Erdteilen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]