Haus der Europäischen Geschichte

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Haus der Europäischen Geschichte
Eastman-Gebäude (2011)
Eastman-Gebäude im Jahr 2011
Daten
Ort Brüssel, Belgien
Art Geschichtsmuseum
Architekt Atelier Chaix & Morel et Associés, Paris, JSWD Architekten, Köln, und TPF Group, Brüssel
Eröffnung 6. Mai 2017[1]
Website [1]

Das Haus der Europäischen Geschichte ist eine Initiative des Europäischen Parlaments. Durch das Haus der Europäischen Geschichte als kulturelle Einrichtung und Museum wird beabsichtigt, alle zur Verfügung stehenden Mittel – angefangen bei einer Dauerausstellung sowie Wechsel- und Wanderausstellungen über eine Sammlung von Gegenständen und Dokumenten, die für die europäische Geschichte stehen, bis hin zu Bildungsprogrammen, Kulturveranstaltungen und Veröffentlichungen sowie vielfältige Online-Inhalte – für ein besseres Verständnis der europäischen Geschichte und Integration einzusetzen. Es befindet sich im Europaviertel in Brüssel, in unmittelbarer Nähe zum Europäischen Parlament.

Die Entstehung des Projekts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee zur Errichtung eines Hauses der Europäischen Geschichte wurde erstmals am 13. Februar 2007 in der Antrittsrede von Hans-Gert Pöttering als Präsident des Europäischen Parlaments vorgetragen. Im Oktober 2008 legte ein Sachverständigenausschuss, dem Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,[2] vorstand, einen Bericht mit dem Titel „Konzeptionelle Grundlagen für ein Haus der Europäischen Geschichte“ vor, in dem das allgemeine Konzept und der Inhalt des Projekts festgelegt sowie der institutionelle Rahmen entworfen wurde. Herausragendes Ziel des Hauses der Europäischen Geschichte soll es sein, „die Kenntnisse der Europäer aller Generationen über ihre eigene Geschichte zu vertiefen und so zu einem besseren Verständnis der Entwicklung Europas in Gegenwart und Zukunft beizutragen.“ [3]

Im Juni 2009 entschied das Präsidium des Parlaments, die ehemalige Zahnklinik Eastman in das künftige Museum umzubauen, und im Juli wurde ein internationaler Architekturwettbewerb lanciert. Am 31. März 2011 standen die Preisträger fest: Chaix & Morel et associeés aus Frankreich,[4] JSWD Architekten aus Deutschland [5] und TPF aus Belgien [6] wurden mit der Renovierung und Erweiterung des Gebäudes beauftragt. Unterstützt von einem wissenschaftlichen Beirat, dem international renommierte Fachleute unter dem Vorsitz von Włodzimierz Borodziej angehörten, wurde ein interdisziplinäres Expertenteam unter der Leitung der Historikerin und Kuratorin Taja Vovk van Gaal innerhalb der Generaldirektion Kommunikation des Europäischen Parlaments[7] eingesetzt, um den Inhalt der Ausstellungen vorzubereiten und um die künftige Einrichtung auszugestalten.

Konzept, Inhalt und Aufbau des Hauses in Brüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Konzept wurde im Jahre 2008 von einem Sachverständigenausschuss unter der Leitung von Hans Walter Hütter konzipiert und ausgearbeitet. Er ist Mitglied sowohl im wissenschaftlichen Beirat als auch im Kuratorium des Hauses der Europäischen Geschichte. Der Sachverständigenausschuss setzte sich aus Wissenschaftlern aus ganz Europa zusammen. Der Kommission gehörten an: Włodzimierz Borodziej (Polen), Giorgio Cracco (Italien), Michel Dumoulin (Belgien), Hans Walter Hütter (Deutschland), Marie-Hélène Joly (Frankreich), Matti Klinge (Finnland), Ronald de Leeuw (Niderlande), António Reis (Portugal) und Mária Schmidt (Ungarn).

Der polnische Historiker Wlodzimierz Borodziej spricht von einem modernen und attraktiven Museum. Es soll ein Erinnerungsort werden, dass über das tägliche Leben der Menschen und die Kulturgeschichte Europas berichtet. Ferner kommt er zu dem Punkt, dass das Haus weniger die großen Taten von einzelnen Personen hervorheben wird, obwohl die wichtigsten für die europäische Geschichte von Robert Schuman bis Jean Monnet aber lobend erwähnt werden. Nach seiner Aussage ist das Konzept nicht darauf ausgerichtet die Summe der nationalen Historiographien darzustellen, sondern europäische Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Eben das ist auch ein wichtiger Punkt, der den Sinn dieses Projekt weiter untermauert. Durch dieses Haus soll laut Borodziej versucht werden, ein europäisches Wir-Gefühl zu bekräftigen, um die europäische Identität weiter zu stärken.

Ein erster Anlauf ein solches Geschichtshaus zu gestalten, ist bereits Mitte der 1990er Jahre vollzogen worden. Zu dieser Zeit scheiterte das Projekt jedoch aufgrund von Protesten, Uneinigkeiten, Geldmangel sowie dem fehlenden politischen Willen und der unterschiedlichen Vorstellung bezüglich eines geeigneten Ortes. Zu jener Zeit wurde ein Konzept entworfen, welches die Geschichte Europas mit Karl dem Großen beginnen wollte. Das stieß allerdings auf Proteste, vor allem bei den Griechen, welche der Ansicht waren, dass die Geschichte Europas im antiken Athen beginnen sollte. Die ersten Schwierigkeiten ein solches Projekt gemeinsam umzusetzen entstanden schon bei der Fragestellung, wo die Geschichte Europas überhaupt beginnen soll. Im zweiten Anlauf im Jahre 2008 einigte man sich darauf, dass man sich auf das 20. Jahrhundert und somit auf die moderne europäische Einigungsgeschichte fokussieren will. Im folgenden Kapitel werden das Konzept und der inhaltliche Aufbau der geplanten Ausstellung näher betrachtet.

Inhalt und Aufbau des Hauses in Brüssel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzeptionelle Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innensicht des Hauses der Europäischen Geschichte

Die Inhalte des Hauses der Europäischen Geschichte konzipiert ein interdisziplinäres Projektteam aus Sachverständigen und Historikern aus ganz Europa. Geleitet wird es von der Historikerin und Kuratorin Taja Vovk van Gaal.[8] Sie stellte die neuen konzeptionellen Grundlagen in einem Vortrag im Juli 2011 vor. Gemäß dem Konzept sollen Themenfelder bestimmt werden, welche sich auf den hohen Integrationsgrad Europas und auf die Spezifik der europäischen Geschichte beziehen. Die slowenische Historikerin van Gaal stellte ferner drei Kriterien auf, welche diese europatypischen Entwicklungen, Ereignisse und Prozesse erfüllen müssen:

  • Es soll sich um Ereignisse und Entwicklungen handeln, welche einen europäischen Ursprung haben.
  • Es soll sich um politische Entwicklungen und Entscheidungen handeln, die sich europaweit auf die Menschen ausgewirkt haben.
  • Alle gewählten Themenfelder sollten immer noch relevant für Europa sein.[9]

Diese Kriterien und Schwerpunkte bilden das neue Konzept der Dauerausstellung, welche im Mai 2017 in Brüssel eröffnet wurde. Um alle Menschen in Europa damit ansprechen zu können, wurde die Ausstellung in 24 Amtssprachen aufgebaut. Zurückzuführen ist dieses Konzept vor allem auch auf die Tatsache, dass sich eine Erweiterung der Europapolitik auf einen stärkeren die kulturelle Integration betreffenden Faktor erweitert hat.

Aus der Homepage vom Europaparlament gehen noch einige Details zur Gestaltung der Ausstellung hervor.[10] Es wird darauf hingewiesen, dass der Besucher im Mittelpunkt stehen soll. Die Gestaltung des Hauses wird so umgesetzt, dass sie den Erwartungen der Menschen mit differenzierten historischen Vorkenntnissen entspricht. Jeder Besucher soll die Möglichkeit haben, das Haus für sich zu erkunden, und es werden zudem noch umfangreiche Bildungs- und Kulturprogramme mit eingeplant. Doch nicht nur der Besucher soll von dieser Einrichtung profitieren können. Ebenso im Vordergrund steht die Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb Europas zwischen den verschiedenen Einrichtungen, Netzwerken und Gremien auf lokaler-, nationaler- und internationaler Ebene. Eine der angestrebten Zielsetzungen ist, dass sich das Haus der Europäischen Geschichte zu einem festen Bestandteil der Kulturlandschaft in Europa entwickelt. Gleichzeitig wird darauf abgezielt, durch dieses Projekt eine Fusion zwischen Partnereinrichtungen aufzubauen und somit eine engere Zusammenarbeit an einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur zu erwirken.

Die drei zentralen periodischen Abschnitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Teil – Punkt 27 bis 50[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bereits in den Kapiteln zuvor erwähnt wurde, bezieht sich der thematische Schwerpunkt vorwiegend auf das 20. Jahrhundert ab 1946 und die europäische Integration. Dabei gliedert sich der gesamte Themenblock in drei nacheinander folgende Phasen der Geschichte. Der erste Teil umfasst den Zeitraum 1850 bis 1914, der zweite Teil die Jahre 1914 bis 1945 und der dritte und größte Teil die Zeit von 1945 bis 2007. In diesen drei Unterkapiteln soll aufgezeigt werden, welche spezifischen Ereignisse die jeweiligen Blöcke der europäischen Geschichte umfassen. Marcel Siepmann hat in seinem Text zur Entstehung des Hauses der Europäischen Geschichte diese drei Phasen sehr präzise herausgearbeitet, wobei als Hauptquelle die konzeptionelle Basis des Experten-Komitees mit seinen 116 Punkten diente. An dieser Stelle sollte noch der Zusatz angemerkt werden, dass es sich bei genauer Betrachtung in dem Konzept um vier Punkte handelt. Die ersten drei behandeln die europäische Geschichte bis ins Jahr 2007, der vierte Punkt umfasst noch Fragen, Überlegungen und Anmerkungen im Hinblick auf den Ausblick und die Zukunft Europas. Der erste Teil des Konzeptentwurfes reicht bis in das Jahr 1917 und wird nur in groben Zügen aufgezeichnet. Unter den Punkten 27 bis 50 des inhaltlichen Konzeptes werden die Ursprünge und Entwicklungen Europas behandelt. Erste Formen europäischer Kulturen entwickelten sich im Zuge des Handels im östlichen Mittelmeerraum sowie am Schwarzen Meer. Die lange türkische Vorherrschaft in den Schwarzmeerregionen hatte ebenfalls einen großen Einfluss auf die europäische Geschichte. Die Kolonisation und die Wanderungsbewegungen werden als bedeutende Triebkräfte der europäischen Geschichte aufgegriffen, welche durch Überbevölkerung Migration verursachten. Themen wie das Phänomen der Migration und der Kolonien werden als wichtige Punkte der europäischen Geschichte dargelegt. Auch der griechisch-römische Raum mit seinen hoch entwickelten Kulturen wird als großer Einflussfaktor für die europäische Kultur erwähnt, welcher die philosophische und literarische Entwicklung der europäischen Kultur maßgeblich geprägt hat.

Weiter geht es mit der Renaissance der Antike im 16. Jahrhundert und des neuen Informationsmediums „Buch“. In demselben Zuge wird die Relatinisierung der französischen und romanischen Sprachen aufgegriffen, wobei das Latein eine wichtige Rolle für die Universitäts- und Schulsysteme und die katholische Kirche gespielt hat. Der nächste Abschnitt befasst sich mit dem Mittelalter und der bedeutenden Relevanz, welche die Klöster im gesellschaftlichen und kulturellen Leben eingenommen haben. Das klerikale System und damit die Einteilung der Menschen in die Stände des Klerus, des Bürgertums, der Bauernschaft und des Adels, wird als eine weitere wichtige Entwicklung dargestellt. Mit dem zügigen Fortschritt des Wissens bis zum 18. Jahrhundert, des Jahrhunderts der Aufklärung, entstand ein neues Verständnis der Menschen. Es entwickelte sich ein kritisches Verständnis sowie eine Meinungs- und Gewissensfreiheit, welche folglich zum Sturz der Privilegien des Klerus geführt haben.

Im Zuge der industriellen Revolution wird anschließend auf die gewaltige Zunahme der Städtebevölkerung hingewiesen, vornehmlich in den großen Hauptstädten. Der Gedanke an ein soziales Sicherungssystem sowie die Herausbildung von Gewerkschaften und die Modernisierung in der Produktion waren weitere wichtige Schritte in der europäischen Geschichte, die in diesem Konzept ebenfalls einen Platz einnehmen. Das 19. Jahrhundert war eine Epoche der liberalen und nationalen Emanzipation mit zunehmender Mitwirkung und Partizipation der Bürger in politischen Bereichen. Zum Ende dieses ersten konzeptionellen Abschnittes wird schließlich der Erste Weltkrieg behandelt. Es war ein sehr zerstörerischer Krieg, welcher ganz Europa betraf. Der Völkerbund, welcher 1920 gegründet wurde und der Vorläufer der gegenwärtigen Organisation der Vereinten Nationen ist, schließt den ersten Teil des Konzeptes mit dem Punkt 50 ab.

Zweiter und dritter Teil – Punkt 51 bis 116[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zweite Teil erstreckt sich bis ins Jahr 1945 bevor mit der Zäsur nach dem Zweiten Weltkrieg der Schwerpunkt der Ausstellung, nämlich der Weg der europäischen Integration eröffnet wird. Die Betonung im zweiten Teil liegt überwiegend auf der klassischen Politikgeschichte, wobei die Erzählstruktur und die Linie der Geschichtserzählung chronologisch verlaufen. Beginnend mit dem Punkt 51 behandelt dieser Teil den Beginn der Entstehung eines „alternativen Gesellschaftsentwurfs“ und stellt den „Ost-West“ Konflikt dabei an den Anfang. Die Integration der beiden geteilten Staaten mit ihren jeweiligen Ideologien bildet das historische Setting für die nachfolgende inhaltliche Differenzierung. Die Zwischenkriegszeit endet schließlich mit den Themenpunkten aus der Machtergreifung Hitlers, dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Überfall auf Polen im Jahre 1939. Die Kriegsphase wird sowohl mit Blick auf die Sowjetunion als auch auf das Dritte Reich als eine äußerst aggressive Zeit beschrieben.

Die Punkte 69 bis 112 bilden den dritten Teil der Ausstellung, welcher im Vergleich zu den beiden Teilen zuvor den größten Raum erhalten hat. Themenpunkte sind dabei die erfolgreiche europäische Integration seit 1945 und die Überwindung von Krieg und Erbfeindschaften in den früheren Jahrhunderten. Im ersten Abschnitt werden die Weichenstellungen die bereits zum Ende des Krieges durch die Alliierten getroffen wurden behandelt. Die Erklärung der Menschenrechte und die Gründung der Vereinten Nationen folgen im Anschluss. Der gescheiterte Nationalismus sowie der Untergang des Dritten Reiches bleiben als zurückschreckendes Negativbeispiel bestehen. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker seitens der Alliierten und die Erhaltung der eroberten Territorien auf der Seite der Sowjetunion betonen den Beginn der Teilung zwischen dem Osten und dem Westen. Anschließend kommen auch berühmte europäische Figuren im Konzept vor, unter anderem Schuman, Gasperi, Monet und auch Adenauer. Die europäische Zweiteilung bleibt von da an stets gegenwärtig und es folgt der Blick auf die unterschiedliche Entwicklung im Osten und im Westen. Während der Bau der Mauer diese Zweiteilung der östlichen und westlichen Zone noch weiter unterstreicht, wird gleichzeitig die deutsch-französische Europapolitik als Schwerpunkt der weiteren Integration hervorgehoben. Darauf folgend wird der Wertewandel innerhalb der Gesellschaft erwähnt, welcher als Basis für die Entstehung der Grünen Parteien zu verstehen ist. Schließlich werden bis zum Jahr 1989 noch der Transformationsprozess im Süden Europas im Punkt 98 thematisiert sowie die Zuspitzung des Kalten Krieges unter den Punkten 101 bis 103.

Der letzte Abschnitt behandelt die Schlüsselereignisse von 1989 bis in die Jahrtausendwende. Der Fall der Mauer in Berlin wird als ein weltpolitisches Ereignis und als ein Fanal für die Zukunft beschrieben. Die kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan während der 1990er Jahre bilden einen weiteren Themenpunkt. Der 11. September 2001 stellt in dem Konzept ein neues weltpolitisches Kapitel dar, im Hinblick auf die Anschläge von militanten Islamisten auf die USA. Zudem werden die weiteren Anschläge in Madrid und London aufgegriffen, welche die Tatsache näher bringen, dass auch Europa im Visier von islamistischen Terroristen steht. Schließlich kommt es noch zu einem vertieften Einblick in die Integrationsbemühungen, wie der Euroeinführung, dem Vertrag von Maastricht und dem Jahr 2004 mit der Aufnahme von zehn weiteren Nationen in die Europäische Union.

Das Konzept endet mit Fragen an die europäische Zukunft, einem Ausblick und möglichen Fragen an die künftigen Besucher. Hierbei werden die Grenzen Europas als weitgehend offen beschrieben, ebenso wie die zukünftige Erweiterung der EU, das europäische Sozialmodell, der demographische Faktor und die zukünftige Außenpolitik Europas. Die Punkte 114 bis 116 werfen die Fragen auf, warum die EU keine wirkliche Begeisterung unter den Mitgliedstaaten hervorrufen kann, wann die Erweiterung der EU beendet sein wird und ob sich die EU zur Föderation, einem Staatenbund oder einem Bundesstaat entwickelt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Granaten aus dem Ersten Weltkrieg, etliche künstlich von Soldaten bearbeitet, und historisches Bild einer Granatenwerkstatt

Im Haus der Europäischen Geschichte wird den Besuchern die Möglichkeit geboten, sich mit geschichtlichen Prozessen und Ereignissen in Europa vertraut zu machen und kritisch darüber zu reflektieren, was diese Vorgänge für die Gegenwart bedeuten. Es ist ein Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum entstanden, in dem die Vorgänge und Ereignisse in einen breiteren historischen und kritischen Kontext eingeordnet und die gegensätzlichen Erfahrungen von Europäern im Laufe der Geschichte zusammen- und einander gegenübergestellt werden. Es zeichnet sich durch sein Bestreben aus, einen länderübergreifenden Überblick über die europäische Geschichte[3] zu bieten und dabei ihrer Vielfalt sowie ihren Deutungen und Perzeptionen Rechnung zu tragen. Einem breiten Publikum soll die jüngere Geschichte im Kontext vergangener Jahrhunderte, die Ideen und Werte geprägt haben, vermittelt werden. Auf diese Weise möchte das Haus zu Diskussionen und Debatten über Europa und die Europäische Union anregen.

Mit einer verfügbaren Fläche von ungefähr 4000 m² wird die Dauerausstellung das Herzstück des Hauses der Europäischen Geschichte sein. Unter Nutzung verschiedenster Medien wird mit Hilfe von Gegenständen und Dokumenten eine Reise durch die Geschichte Europas, vornehmlich die des 20. Jahrhunderts, mit Rückblicken auf Entwicklungen und Ereignisse früherer Epochen mit besonderer Tragweite für den gesamten Kontinent, vorgeschlagen. Dabei wird die Geschichte der europäischen Integration in ihrer ganzen Einzigartigkeit und Komplexität veranschaulicht. Der Aufbau der Ausstellung gliedert sich in sechs Themenabschnitte: „Die Gestaltung Europas“, „Weltmacht Europa“, „Europa in Schutt und Asche“, „Wiederaufbau eines geteilten Kontinents“, „Erschütterte Gewissheiten“ sowie „Lob und Kritik“.[11]

Das Haus ist besucherfreundlich und steht in Einklang mit den Grundsätzen des Parlaments hinsichtlich der Zugänglichkeit allen offen. Zu diesem Zweck wird es sein Hauptangebot mindestens in den 24 Sprachen anbieten, die zum Zeitpunkt der Eröffnung Amtssprache der Europäischen Union sind. Mehrsprachigkeit wird als Ausdruck der kulturellen Vielfalt in Europa verstanden, und das „Haus der Europäischen Geschichte“ möchte seinen Besuchern sein mehrsprachiges Angebot als einen seiner Hauptvorzüge präsentieren.

Unterbringung des Museums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Eastman-Gebäude[12], das ursprünglich für die Unterbringung einer Zahnklinik konzipiert war, wurde nach George Eastman, dem amerikanischen Philanthropen und Erfinder der Kodak-Kamera, benannt. Seine großzügigen Spenden ermöglichten die Errichtung von Zentren für zahnmedizinische Behandlungen in New York, London, Rom, Paris, Brüssel und Stockholm; darin werden benachteiligte Kinder kostenlos zahnmedizinisch behandelt.

Die Eastman-Stiftung wendete sich 1933 an den Schweizer Architekten Michel Polak, der für seinen Art-déco-Stil, insbesondere für das berühmte Résidence-Palace-Gebäude, in Brüssel bekannt war, und beauftragte ihn mit einem Entwurf für das neue Gebäude. Im Jahre 1935 eingeweiht, ist das Gebäude sowohl aufgrund der Bauweise als auch wegen seiner Art-déco-Elemente bemerkenswert. Im ehemaligen Wartezimmer für Kinder ist auch eine Reihe von Wandmalereien des Malers Camille Barthélémy angebracht, die Fabeln von La Fontaine bildlich darstellen.

Der Leopoldpark mit seinen historischen Gebäuden, z. B. dem Pasteur-Institut oder der Solvay-Bibliothek, wurde 1975 unter Denkmalschutz gestellt. Das Eastman-Gebäude selbst steht nicht unter Denkmalschutz. Die Zahnklinik wurde geschlossen, bevor sie in den 1980er Jahren zu Büroräumen der europäischen Institutionen umgebaut wurde.

Voraussichtliche Kosten und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklungsphase 2011 bis 2015: 31 Millionen Euro[13] für die Renovierung und Erweiterung des Gebäudes, 21,4 Millionen Euro für die Dauerausstellung und die ersten Wechselausstellungen (15,4 Millionen Euro für die Umgestaltung der Ausstellungsflächen und anderer Flächen, 6 Millionen Euro für Mehrsprachigkeit) sowie 3,75 Millionen Euro für den Aufbau der Sammlung.

Die Entwicklungskosten werden vom Europäischen Parlament getragen, die Betriebskosten hingegen werden von der Europäischen Kommission mitfinanziert, deren Präsident seine Bereitschaft hinsichtlich einer Beteiligung erklärt hat.

Durchführung und Verwaltung des Projekts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf eine Initiative des Europäischen Parlaments hin geschaffen, werden für die institutionelle Umsetzung des Hauses der Europäischen Geschichte verschiedene Strukturen aufgeboten.

Das Kuratorium, dem der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, vorsitzt, ist ein pluralistisches Gremium, dem hochrangige Politiker aus mehreren europäischen Institutionen und den Brüsseler Behörden angehören. Die wichtigsten politischen Überzeugungen und Hauptgremien des Parlaments sind darin vertreten. Das Kuratorium überwacht die Verwaltung des Projekts.

Dem Kuratorium gehören Włodzimierz Borodziej, Étienne Davignon, Hans Walter Hütter, Miguel Ángel Martínez Martínez, Gérard Onesta, Tibor Navracsics, Petra Kammerevert, Jean Arthuis, Algirdas Saudargas, Wojciech Roszkowski, Peter Sutherland, Rudi Vervoort, Diana Wallis und Francis Wurtz an.[8]

Der wissenschaftliche Beirat, dem der Historiker Włodzimierz Borodziej vorsitzt und in dem Historiker und Experten aus international renommierten Museen vertreten sind, hat eine beobachtende und beratende Aufgabe bei Fragen der Geschichte und der museologischen Transkription.

Dem wissenschaftlichen Beirat gehören Norman Davies, Hans Walter Hütter, Matti Klinge, Anita Meinarte, Hélène Miard-Delacroix, Mary Michailidou, Oliver Rathkolb [14], Maria Schmidt und Jean-Pierre Verdier an.

Das interdisziplinäre Projektteam, das von der Historikerin und Kuratorin Taja Vovk van Gaal geleitet wird, ist zuständig für die Vorbereitung von Ausstellungen und für die Gestaltung des künftigen Museums.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Włodzimierz Borodziej: Das Haus der Europäischen Geschichte – ein Erinnerungskonzept mit dem Mut zur Lücke. In: Volkhard Knigge u. a. (Hg.), Arbeit am europäischen Gedächtnis. Diktaturerfahrungen und Demokratieentwicklung. Köln u. a. 2011, S. 139–146.
  • Taja Vovk van Gaal, Christine Dupont: The House of European History [2] In: Bodil Axelsson et al. (eds.), Entering the Minefields: the Creation of New History Museums in Europe. Linköping 2012, S. 43–53.
  • Andrea Mork: Presentation of the House of European History [3] European Remembrance. Gdansk 2012.
  • Marcel Siepmann: Ein Haus der Europäischen Geschichte wird eingerichtet. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. Band 63, Nr. 11–12/2012. Erhard Friedrich Verlag, 2012, ISSN 0016-9056, S. 690–704.
  • Taja Vovk van Gaal, Constanze Itzel: The House of European History project in Brussels. In: Włodzimierz Borodziej/Joachim von Puttkamer (Hg.), Europa und sein Osten. Geschichtskulturelle Herausforderungen. München 2012, S. 75–80.
  • Andrea Mork: Nach Nationalismus, Diktatur und Krieg – Bausteine einer europäischen Geschichte der Demokratie. Das Haus der Europäischen Geschichte. In: Thomas Hertfelder u. a. (Hg.), Erinnern an Demokratie in Deutschland. Demokratiegeschichte in Museen und Erinnerungsstätten der Bundesrepublik. Göttingen 2016, S. 37–56.
  • Martí Grau Segú: Proposing a New European Narrative: The House of European History Project. In: Jordi Guixé i Coromines (ed.), Past and Power: Public Policies on Memory. Debates, from Global to Local. Barcelona 2016, S. 57–73.
  • Andrea Mork: Constructing the House of European History. In: Edgar Wolfrum et al. (eds.), European Commemoration: Locating World War I. Stuttgart 2016, S. 218–235.
  • Andreas Fickers: Kompromissgeschichte, serviert auf dem »Tablet«. Das Haus der Europäischen Geschichte in Brüssel. In: Zeithistorische Forschungen 15 (2018), S. 173–183.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Europäisches Parlament eröffnet Haus der Europäischen Geschichte am 6. Mai 20170, Europäisches Parlament, 4. Mai 2017
  2. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – Organisation, abgerufen am 16. Mai 2017.
  3. a b Sachverständigenausschuss, Haus der Europäischen Geschichte – Konzeptionelle Grundlagen für ein Haus der Europäischen Geschichte, abgerufen am 16. Mai 2017.
  4. http://www.chaixetmorel.com/en/cat/2/
  5. http://www.jswd-architekten.de/
  6. http://tpf.eu/projects/the-house-of-european-history/
  7. http://www.communication-director.com/author/taja-vovk-van-gaal
  8. a b Aufbau Haus der Europäischen Geschichte, abgerufen am 16. Mai 2017.
  9. Eckstein einer EU-Geschichtspolitik? Das Museumsprojekt „Haus der Europäischen Geschichte“ in Brüssel, abgerufen am 16. Mai 2017.
  10. Haus der Europäischen Geschichte, abgerufen am 16. Mai 2017.
  11. Haus der Europäischen Geschichte – Dauerausstellung, abgerufen am 16. Mai 2017.
  12. http://wikimapia.org/9859513/Eastman-Building-European-Parliament-formerly-the-George-Eastman-Dental-Institute
  13. Nikolas Busse: Stolz und Scham. In: FAZ.net. 28. Januar 2012, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  14. http://thedanubememorial.org/wp-content/uploads/2011/10/Oliver-Rathkolb.pdf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: House of European History – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 50′ 18″ N, 4° 22′ 48″ O