Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen

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Der „Behrensbau“ an der Düsseldorfer Rheinuferpromenade

Die Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen ist eine Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf. „Zweck der Stiftung ist es, die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen, seine Vergangenheit, seine Entstehung und seine Entwicklung darzustellen und anschaulich werden zu lassen. Der Stiftungszweck wird insbesondere durch die Leitgedanken „Demokratie, Vielfalt, Wandel“ verwirklicht.“[1] Dies soll durch die Einrichtung eines modernen zeithistorischen Museums – dem Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens – im Behrensbau am Düsseldorfer Rheinufer geleistet werden.Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren In seiner Dauerausstellung und seinen Wechselausstellungen – erstmals in einer geplanten Jubiläumsausstellung anlässlich des 75. Jahrestages der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen – wird das Haus der Geschichte die Entwicklung des Bundeslandes bis in die Gegenwart einem breiten Publikum vermitteln und dazu einladen, sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Landes aktiv auseinander zu setzen.

Planungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Diskussionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits seit den 1980er Jahren gab es angestoßen durch Fachleute immer wieder Initiativen zu einem NRW-Landesmuseum. Im November 2010 griff der Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg die Anregung renommierter Landeshistoriker auf, ein Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens einzurichten.

Als Standort war die Villa Horion im Gespräch, weil in der früheren Staatskanzlei maßgebliche Entscheidungen der Landespolitik gefallen seien und das Haus eine günstige Lage, z. B. für Besucher des Landtags, besitze. Im Januar 2012 rief der Landtagspräsident eine Expertengruppe ein, um Impulse für ein Ausstellungskonzept und grundsätzliche politische Beratungen und Entscheidungen im Konsens der politischen Kräfte zu erhalten.[2] Mit dem zweiten Kabinett Kraft wurde als kleine Lösung 2016 das Haus der Parlamentsgeschichte in der Villa Horion realisiert. Die 2017 gebildete CDU-FDP-Regierungskoalition nahm die Pläne für ein großes Haus der Geschichte dann wieder in ihren Koalitionsvertrag auf.[3]

Landtagsentscheidung 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Januar 2018 wurde ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen im Landtag verabschiedet, der die Entwicklung eines Konzeptes für ein „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ als Verbindung von Forschungsinstitut und Museum umfasst. Die AfD im Landtag stimmte gegen den Antrag.[4] Ziel sei, „das Geschichtsbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger, ihr Verständnis für das politische, das gesellschaftliche und das kulturelle Leben in Nordrhein-Westfalen parteipolitisch neutral und zugleich auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung zu fördern.“[5]

Planungsgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entscheidung des Landtages wurde am 26. April 2018 eine parteiübergreifende und unabhängige Planungsgruppe „Geschichte, Politik und Demokratie Nordrhein-Westfalens“ mit wissenschaftlichen Experten unter der Leitung von Guido Hitze (Leiter), Stefan Goch (stellv. Leiter) und Florian Melchert (Geschäftsführer) eingesetzt. Aufgabe der Planungsgruppe war es, erste Grundlagen für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen zu entwickeln.

Begleitet wurde die Arbeit der Planungsgruppe durch ein Kuratorium, dem das Landtagspräsidium sowie sechs weitere Abgeordnete angehörten:

Am 25. Juni 2019 konstituierte sich ein 27-köpfiger Wissenschaftlicher Beirat aus führenden HistorikerInnen und Museumsfachleuten.

Am 18. Dezember 2019 beschloss der Landtag Nordrhein-Westfalen einstimmig bei Enthaltung der AfD das Gesetz zur Einrichtung einer Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Mit Gründung der Stiftung war die Aufgabe der Planungsgruppe, die wissenschaftlichen Grundlagen zu erarbeiten, erfüllt. Die Planungsgruppe mit Kuratorium und Wissenschaftlichem Beirat wurde planmäßig aufgelöst.

Organe der Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organe der Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“ hat das Land Nordrhein-Westfalen durch Gesetz vom 18. Dezember 2019 geregelt.[6]

Kuratorium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kuratorium besteht aus den Mitgliedern des Präsidiums des Landtags, je einem Abgeordneten der im Landtag vertretenen Fraktionen, fünf Mitgliedern der Landesregierung sowie den Vorsitzenden der beiden Landschaftsverbände. Die konstituierende Sitzung fand am 12. Februar 2020 im Behrensbau statt. Zurzeit gehören dem Kuratorium an:

Die Aufgaben des Kuratoriums betreffen Grundsatzfragen. So erlässt das Kuratorium die Satzung der Stiftung, beruft die Mitglieder des Präsidiums, des Wissenschaftlichen Beirates und des Arbeitskreises Gesellschaftlicher Gruppen, berät über die Grundzüge der Programmgestaltung und führt die Aufsicht über die Geschäftsführung des Präsidiums.

Präsidium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kuratorium hat in seiner ersten Sitzung ein dreiköpfiges nebenamtliches Präsidium berufen, das zunächst bis zum 31. Dezember 2022 tätig sein wird. Vorsitzender des Präsidiums ist Hans Walter Hütter (Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn). Hinzu kommen Gabriele Uelsberg (Direktorin des LVR-Landesmuseums, Bonn) und Prof. Heinrich Theodor Grütter (Direktor des Ruhr Museums, Essen). Das Präsidium führt die laufenden Geschäfte der Stiftung.

Wissenschaftlicher Beirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören bis zu 15 Mitglieder an. Er berät das Kuratorium und das Präsidium in wissenschaftlichen Fragen und garantiert so den wissenschaftlichen Austausch. Seine Berufung steht z. Zt. noch aus.

Arbeitskreis Gesellschaftlicher Gruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Arbeitskreis Gesellschaftlicher Gruppen umfasst bis zu 15 Vertreter relevanter gesellschaftlicher Gruppen. Er berät das Kuratorium und das Präsidium und ergänzt die fachliche Perspektive des Wissenschaftlichen Beirates. Seine Berufung steht z. Zt. noch aus.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behrensbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh legte sich die Politik fest, dass das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen seinen Sitz in Düsseldorf in Sichtweite des Landtages haben und ein möglichst authentischer Ort der Landesgeschichte sein müsse.[7] Im Sommer 2018 bat das Kuratorium der Planungsgruppe die Landesregierung zu prüfen, ob der Behrensbau als Standort für das Museum geeignet sei. Mit dem Stiftungsgesetz wurde dann das Gebäude als Ort des Hauses der Geschichte gesetzlich verankert.[8] Der 1912 fertiggestellte Bau ist eine Ikone der Verwaltungsarchitektur. Zugleich steht seine Geschichte für wichtige Aspekte der Landesgeschichte. Gebaut durch den berühmten Architekten Peter Behrens war es Sitz der Mannesmann-Hauptverwaltung, der französischen Besatzungsbehörden in den 1920er Jahren, beherbergte 1945/46 die britische Militärverwaltung, war dann erster Amtssitz der ersten Landesregierungen Nordrhein-Westfalens und später Ort des Übernahmekampfes von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000. Zudem macht ihn seine Lage direkt am Rhein im nordrhein-westfälischen Regierungsviertel zum idealen Standort für das geplante Museum.[8] Das Gebäude befindet sich in Landesbesitz.

Jägerhofstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aluminiumhaus

Die Büroräume der Stiftung befinden sich im sogenannten Aluminiumhaus, errichtet 1953–1954 von Helmut Hentrich für Olga van Meeteren, Jägerhofstraße 29.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“, § 2, vom 18. Dezember 2019 (online, abgerufen 14. Mai 2020).
  2. Detlev Hüwel: Ein Haus der Geschichte für NRW. In: Rheinische Post vom 24. August 2011 (online, abgerufen am 14. Mai 2020).
  3. Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen 2017–2022, S. 92 (online, abgerufen am 14. Mai 2020).
  4. DIE WELT: Landtag stellt Weichen für «Haus der Geschichte». In: Die Welt vom 18. Januar 2018 (online, abgerufen am 14. Mai 2020).
  5. Plenarprotokoll 17/19. Landtag Nordrhein-Westfalen, 18. Januar 2018, (online, abgerufen am 14. Mai 2020).
  6. Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“, § 7–11, vom 18. Dezember 2019 (online, abgerufen am 14. Mai 2020)
  7. [1], online, abgerufen am 14. Mai 2020.
  8. a b Gesetz zur Errichtung einer Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“, S. 17, Begründung, vom 19. November 2019 (online, abgerufen am 14. Mai 2020.)