Haus der Kulturen der Welt

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Haus der Kulturen der Welt
Kongresshalle, Sitz des Hauses der Kulturen der Welt

Kongresshalle, Sitz des Hauses der Kulturen der Welt

Daten
Ort Berlin-Tiergarten
Architekt Hugh Stubbins
Baustil Neue Sachlichkeit
Baujahr 1956–1957
Koordinaten 52° 31′ 8″ N, 13° 21′ 55″ OKoordinaten: 52° 31′ 8″ N, 13° 21′ 55″ O

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) ist ein Ausstellungsort in Berlin für die internationalen zeitgenössischen Künste und ein Forum für aktuelle Entwicklungen und Diskurse. Es präsentiert künstlerische Produktionen aus aller Welt unter besonderer Berücksichtigung nichteuropäischer Kulturen und Gesellschaften.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus der Kulturen der Welt wurde 1989 in Berlin gegründet. Heute ist es Teil des Unternehmens Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, das auch die Internationalen Filmfestspiele (Berlinale) ausrichtet. Es steht unter der Leitung des Intendanten Bernd M. Scherer, der zuvor die Goethe-Institute in Karatschi und Mexico-City geleitet hatte.[1] Ihm steht ein international besetzter Programmbeirat zur Seite. Der Geschäftsführung gehören als kaufmännische Geschäftsführerin Charlotte Sieben sowie Dieter Kosslick und Joachim Sartorius an. Vorsitzender des Aufsichtsrates ist der Kulturstaatsminister (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien), derzeit Monika Grütters (Stand 2015).

Gliederung und Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachtansicht des Gebäudes

Das Haus der Kulturen der Welt gliedert seine Veranstaltungen in drei Themenbereiche:

  • Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft
  • Bildende Kunst, Film, Medien
  • Musik, Tanz, Performing Arts

Das Haus der Kulturen der Welt richtet nicht nur eigene Veranstaltungen aus, sondern stellt seine Räume und seine Infrastruktur auch externen Gastgebern zur Verfügung und kooperiert mit nationalen und internationalen Universitäten, Museen und anderen kulturellen Einrichtungen.

Das Haus der Kulturen der Welt hat seit seiner Gründung seinen Sitz in der ehemaligen Kongresshalle am Ufer der Spree im Großen Tiergarten. Die Kongresshalle ist ein architektonisches Wahrzeichen der westlichen Moderne. Im Berliner Volksmund ist das Gebäude in Anlehnung an seine Form auch unter dem Namen „Schwangere Auster“ bekannt. Es entstand als amerikanischer Beitrag zur Internationalen Bauausstellung Interbau 1957 und sollte die Freiheit des Gedankenaustauschs verkörpern. Hier wurden Gewerkschaftskongresse abgehalten, John F. Kennedy hielt eine Rede, auch der Bundestag tagte, zuletzt am 21. Mai 1980.[1] Dies verärgerte die Sowjetunion, die am selben Tag Militärmaschinen über das Gebäude fliegen ließ.[1] Das Dach stürzte wegen Materialermüdung am selben Tag ein.[1] Erst 1989 wurde der Bau wieder eröffnet.[1]

Von Beginn an war das Gebäude daher mit Ideen der westlichen Moderne sowie der damaligen Ost-West-Positionierung verbunden. Es sollte als Forum für nicht-westliche Kultur dienen, „eine Art Goethe-Institut mit umgekehrtem Vorzeichen.“[1] Viele der Verantwortlichen hatten davor an Goethe-Instituten gearbeitet und brachten nun das, was sie im Ausland gesehen hatten, nach Berlin, etwa im Programm China Avantgarde.[1] Doch der deutsche Standpunkt wurde nicht hinterfragt.[1]

Ab Mitte der neunziger Jahre organisierten nicht-europäische Kuratoren einen großen Teil des Programms.[1] Nun begriff sich das Haus der Kulturen der Welt als Ort für „alle von der westlichen Kulturhegemonie an den Rand Gedrängten.“[1] Doch auch dieses Vorgehen, „eine Art umgekehrter Eurozentrismus“, erwies sich als problematisch.[1]

Unter Scherers Intendanz wurde das Haus seit 2006 „von einem Forum für die postkoloniale Welt zu einem Thinktank der Zeitgenossenschaft umgebaut – und zu einer der ambitioniertesten Kulturinstitutionen Deutschlands.“[1] Sie „bewegt sich auf höchstem akademischem Niveau, ohne sich den akademischen Konventionen verpflichtet zu fühlen, sie zeigt Kunst, aber hat mit einem Museum nichts zu tun. Und sie kombiniert das eine mit dem anderen.“[1]

Das Programm des Hauses der Kulturen der Welt ist auf die einmalige architektonische Struktur des Gebäudes ausgerichtet: Ausstellungshalle, Konzertsaal, Theater, Konferenzraum, Produktionsstätte für Wissen und Erlebnisse, Ausflugsziel, Architekturdenkmal, Akademie und eine feste Radiostation, in der derzeit das Internetradio Reboot.fm residiert.

Das Labor Berlin fördert Projekte internationaler Künstler in Berlin, u. a. in Einzelausstellungen (etwa 2011/2012 Bethan Huws, Reading Duchamp).[2]

Seit 2015 führt das Haus der Kulturen der Welt das Großprojekt Anthropozän jenseits der Grenzen von Fachdisziplinen mit einer Vielzahl von Formen und Medien durch: Ausstellungen, Konferenzen, Akademien, Workshops, Fotoprojekte, Installationen, Publikationen.[1]

Das Haus der Kulturen der Welt wird gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Auswärtigen Amt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haus der Kulturen der Welt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n Jörg Häntzschel: Das Ministerium für Ideen. Was macht das Haus der Kulturen der Welt so besonders? Der Leiter Bernd Scherer und sein Team stellen die großen Fragen der Menschheit – und sie sprengen dabei die Fächergrenzen. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 59, 11. März 2016, S. 13.
  2. Homepage Haus der Kulturen der Welt Berlin, abgerufen am 7. Oktober 2012