Haus der Statistik

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Haus der Statistik
Haus der Statistik, 2010

Haus der Statistik, 2010

Daten
Ort Berlin-Mitte
Architekt Manfred Hörner, Peter Senf, Joachim Härter
Baustil Neue Sachlichkeit
Baujahr 1968–1970
Grundfläche 50.000[1] m²
Koordinaten 52° 31′ 22,5″ N, 13° 25′ 6,5″ OKoordinaten: 52° 31′ 22,5″ N, 13° 25′ 6,5″ O

Das Haus der Statistik ist ein Gebäudekomplex im Berliner Ortsteil Mitte in der Otto-Braun-Straße 70–72 (zwischen 1966 und 1995 Hans-Beimler-Straße), südlich an die Karl-Marx-Allee angrenzend. Er entstand 1968–1970 als Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung nutzten bundesdeutsche Behörden die Gebäude, seit dem Jahr 2008 stehen sie leer.

Das Bauwerk befand sich bis 2017 im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, die es abreißen lassen und das Areal verkaufen wollte. Doch im Rahmen des Hauptstadtfinanzierungsvertrags konnte der Berliner Senat den Baukomplex erwerben. Gemeinsam mit mehreren anderen Initiativen und Verwaltungen wird eine Grundsanierung erfolgen und eine breite anschließende Nutzung ist vorgesehen.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Restrukturierung des Alexanderplatzes nach sozialistischen Idealen wurden vier Hochhausscheiben (neun- und elfgeschossige Gebäude) in Stahlbetonskelettbauweise errichtet. Baubeginn war am 8. März 1968. Die Pläne stammten von dem Architektenkollektiv Manfred Hörner, Peter Senf und Joachim Härter. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten 1970 zog wie geplant die Zentralverwaltung für Statistik in das Gebäudeensemble. Abteilungen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) bezogen die oberen Stockwerke. Im Erdgeschoss wurden zwei Gaststätten (Jagdklause und Mocca-Eck), ein Geschäft für Jagd- und Anglerbedarf (Suhler Jagdhütte) und ein Laden für Produkte aus der UdSSR (Natascha) eingerichtet. Ein Kupferrelief von Fritz Kühn schmückt den Haupteingang; im Gebäudeinneren befand sich das Wandgemälde Lob des Kommunismus von Ronald Paris.

Haus der Statistik, 1970

Nach der deutschen Wiedervereinigung beherbergte das Gebäude die Berliner Außenstelle des Statistischen Bundesamtes und den Berliner Dienstsitz der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Beide Behörden zogen bis 2008 aus. Im Gegensatz zu den Gebäuden Haus des Lehrers, Haus des Reisens und Haus der Elektroindustrie aus der gleichen Zeit war keine Renovierung geplant.

Perspektive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Wettbewerb zur Neugestaltung des Areals, den im Januar 2010 das Architekturbüro Augustin und Frank aus Berlin gewonnen hatte, sollte das Haus abgerissen werden. Laut Helmut Kästner, dem Projektleiter der Senatsverwaltung für die Planungen am Alexanderplatz, war der Abriss mit dem Argument begründet, das Gebäude entspräche „nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Bürogebäude.“[3] Die Planung basierte auf einer intensiven Nutzung des Grundstücks mit mehr als 94.000 m² Geschossfläche.[4] Bis 2014 erfolgte keine Baumaßnahme an dem leerstehenden Gebäude, das abgerissen oder verkauft werden sollte.[5]

Weil seit Mitte der 2010er Jahre Nutzflächen und Wohnraum in Berlin immer knapper werden, brachte der Installationskünstler Alexander Callsen im Jahr 2015 an der Außenfläche des leerstehenden Statistikhauses folgendes Transparent „Hier entstehen für Berlin Räume für Kunst, Kultur und Soziales“ an und brachte damit den Stein ins rollen.[2]

In den Verwaltungen wurde zunächst daran gedacht, die nach Deutschland strömenden Flüchtlinge ab 2015 vorübergehend in dem Gebäude unterzubringen.[6] Im Frühjahr 2015 bot die Eigentümerin, die Liegenschaftsverwaltung des Bundes (BImA), dem Land Berlin das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft an, was jedoch abgelehnt wurde. Seit Herbst 2015 setzt sich die Initiative Haus der Statistik für die Entwicklung des Areals als Zentrum für Geflüchtete – Soziales – Kunst – Kreative ein. Diesem Vorschlag hatten sich der damalige Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke, und die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Mitte mit mehrheitlicher Zustimmung aller Fraktionen angeschlossen.[7][8][9]

Die angedachte Flüchtlingsunterkunft wurde nicht eingerichtet, sodass die Ideen einer Mischnutzung als „Ort für Verwaltung sowie Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen“ übrig blieben.[10]

Das Bezirksamt Berlin-Mitte, die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM), die Senatsbauverwaltung, die landeseigene Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) und die Stadtentwicklungsgenossenschaft Zukunft Berlin schlossen sich 2017 zu einem Projekt zusammen, um nach dem Kauf der Immobilie (für einen Kaufpreis von 50 Millionen Euro) durch Sanierung und Umbaumaßnahmen die großen Häuser einer neuen Nutzung zuzuführen. Auch kleinere Künstlerinitiativen beteiligen sich am Projekt, unter anderem die 50 Künstler aus dem Atelierhaus Post Ost, die bereits 2016 aus ihren Räumen an der Palisadenstraße gedrängt wurden. Der zwischenliegende Flachbau des Gebäudekomplexes soll dagegen abgerissen werden, die Fläche neu bebaut. Am 29. Januar 2018 unterschrieben alle Beteiligten eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Darin ist vorgesehen, bis August 2018 exakt festzulegen, wie die Nutzungsmischung erfolgen soll, sowohl organisatorisch als auch finanziell, und wer wann was dazu beisteuert.[2]

Das Bezirksamt Mitte benötigt ein neues Rathaus, weil der Mietvertrag für das gegenwärtige Gebäude 2028 ausläuft. Inzwischen gab es bereits mehrfache Verkäufe, die zu einer Verdreifachung der Miete geführt haben. Die WBM hat sich beim Senat verpflichtet, im Bezirk Mitte 4000 neue Wohnungen errichten. Der Senat selbst plant die Einrichtung seiner Finanzabteilung im rekonstruierten Haus; alles zusammen soll also ein Ämterzentrum werden.[11] Im Februar 2018 wurde ein neuer Wettbewerb ausgelobt, der eine Umgestaltung der Fassaden vorsieht, gegebenenfalls auch einen Teilabriss, wenn der Bauzustand zu schlecht ist, vor allem die Dämmung betreffend und das Vorfinden von Asbest. Als Zielstellung der Rekonstruktion und Einweihung für die neuen Zwecke wird das Jahr 2024 angegeben, für die Sanierung sind rund 100 Millionen Euro vorgesehen. Anstelle des Flachbaus soll es einen höheren Neubau mit Wohnungen geben, für den bis zum Jahr 2021 ein Bebauungsplan vorliegen soll.[2]

Mediales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Film Das Leben der Anderen wird das Haus im Zusammenhang mit Freitod-Statistiken erwähnt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haus der Statistik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bruttogeschossfläche aller 4 Hochhäuser
  2. a b c d Gerhard Lehrke: Die Nachbarn kennen sich schon. (Printausgabe), 30. Januar 2018, S. 13.; Leerstand endet – Haus der Statistik wird zum Symbol gegen Kommerz am Alex (Online-Ausgabe); abgerufen am 23. Februar 2018.
  3. Isabell Jürgens: Berlins Mitte wächst am Alexanderplatz. In: Berliner Morgenpost, 26. Januar 2010.
  4. Alexanderplatz / Land Berlin. Abgerufen am 24. Februar 2018.
  5. Debatte über die Gestaltung des Alexanderplatzes.
  6. „Haus der Statistik“ Grüne: Bund soll Bürogebäude für Flüchtlinge freigeben. In: Berliner Kurier. Abgerufen am 23. Februar 2018.
  7. 1000 Flüchtlinge am Alex – Hanke will neues Baukonzept. In: Die Welt Online. 11. Dezember 2015 (welt.de [abgerufen am 23. Februar 2018]).
  8. Drucksache – 2429/IV – Ehemaliges Haus der Statistik zum „Zentrum für Geflüchtete – Soziales – Kunst – Kreative“ entwickeln. In: berlin.de. Abgerufen am 23. Februar 2018.
  9. Initiative Haus der Statistik: Standortentwicklungskonzept Zentrum für Geflüchtete, Soziales, Kunst, Kreative. Hrsg.: Initiative Haus der Statistik. 1. Auflage. Berlin 2015, S. 32 (wordpress.com [PDF]).
  10. Ulrich Paul: Der Milliardendeal. In: Berliner Zeitung (Printausgabe), 9. Mai 2017, S. 2. Gleicher Beitrag in der Online-Ausgabe, 8. Mai 2017.
  11. Konzept für das Haus der Statistik – Künstler und Flüchtlinge statt Kommerz am Alexanderplatz. In: berliner-zeitung.de. Abgerufen am 23. Februar 2018.