Hausberufung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter einer Hausberufung versteht man die Berufung eines Hochschulbediensteten zum Professor an derselben Hochschule bzw. Universität, an der er bislang fest beschäftigt ist.

In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war die Hausberufung eine übliche Vorgehensweise.[1] In der Bundesrepublik Deutschland besteht in mehreren Ländern ein landläufig sogenanntes Hausberufungsverbot,[2] worunter kein eigentliches Verbot, sondern mehr oder weniger starke Einschränkungen für die Besetzung akademischer Stellen, insbesondere Professuren, mit Wissenschaftlern verstanden werden, die bereits derselben Einrichtung angehören, z. B. in Baden-Württemberg nach § 48 Absatz 2 Satz 3–5 des LHG oder in Brandenburg z. B. nach § 38 Abs. 3 BbgHG.[3] Ziel der Beschränkungen ist es, eine unerwünschte „Schulenbildung“ oder unlautere Bevorzugung aufgrund persönlicher Beziehungen bei der Besetzung akademischer Stellen zu verhindern.[4] Ist das nicht zu befürchten, so ist auch ein Hausbewerber im Berufungsverfahren nach seiner Eignung, Leistung und Befähigung, die möglichst von externen Gutachtern zu prüfen ist, berücksichtigungsfähig: Ein eigentliches, generelles und ausnahmsloses Hausberufungsverbot wäre verfassungswidrig[5] und stünde im Widerspruch zum Prinzip der Bestenauslese[6] und somit zu Art. 33 Abs. 2 GG[7] Grundgesetz.[8] Privatdozenten, die an einer Hochschule lediglich ihre unentgeltliche Titellehre anbieten, sind dagegen nicht von den Einschränkungen betroffen. Die landesrechtlichen Beschränkungen für Hausberufungen wurden daher mit Blick auf Art. 33 Abs. 2 GG mit Ausnahmeklauseln versehen, die auf dem Hintergrund des Grundgesetzes großzügig auszulegen sind. In jedem Fall sind Konkurrentenstreitverfahren auch von Hausbewerbern nicht ausgeschlossen.[9][10][11]

In Österreich werden Professuren in einem offenen Verfahren ausgeschrieben (§ 98 Universitätsgesetz 2002), bei dem es zumindest formal weder Vor- noch Nachteile bringt, an der betreffenden Universität/Hochschule bereits beschäftigt zu sein.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karin Zachmann: Mobilisierung der Frauen. Technik, Geschlecht und kalter Krieg in der DDR. Campus Verlag, 2004. ISBN 3593376296, zugleich: Darmstadt, TU, Habilitationsschrift, [1]
  2. Hartmer / Detmer (Hg.): Hochschulrecht – Ein Handbuch für die Praxis, 2. Aufl., Heidelberg: Müller, 2011, S. 146.
  3. Gesetz über die Hochschulen des Landes Brandenburg (Brandenburgisches Hochschulgesetz – BbgHG) vom 18. Dezember 2008.
  4. http://www.uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Dezernate/Dezernat_I/Dokumente/Grunds%C3%A4tze_Hausberufung.pdf; Hartmer, Detmer, S. 146
  5. http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=2824
  6. https://www.academics.de/wissenschaft/hausberufung_35944.html
  7. BayVGH, Beschluss vom 29. September 2010 · Az. 7 CE 10.1827
  8. Hartmer, Detmer (Hrsg.): Hochschulrecht – Ein Handbuch für die Praxis, 2. Aufl., Heidelberg: Müller, 2011, S. 146.
  9. BayVGH, Beschluss vom 29. September 2010 · Az. 7 CE 10.1827
  10. OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 16. Januar 2013 – Az 1 M 1/13
  11. http://www.landesrecht.sachsen-anhalt.de/jportal/?quelle=jlink&docid=MWRE130000475&psml=bssahprod.psml&max=true
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!