Haushaltstheorie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Haushaltstheorie ist eine grundlegende Disziplin der Mikroökonomie innerhalb der Volkswirtschaftslehre. Sie untersucht die wirtschaftlichen Entscheidungen, insbesondere die Konsumentscheidungen, von (privaten) Haushalten (Haushaltsoptimum).

Grundlegende Annahmen[Bearbeiten]

Bedürfnisbefriedigung[Bearbeiten]

Den Überlegungen der Haushaltstheorie liegt zugrunde, dass alle Bedürfnisse (materiell wie immateriell) in einem Haushalt befriedigt werden. Die Befriedigung der Bedürfnisse ist der eigentliche Zweck eines wirtschaftlichen Handelns. Je besser die Bedürfnisse befriedigt werden, umso höher der Nutzen im wirtschaftlichen Sinne.

Präferenzen[Bearbeiten]

Die einzelnen Haushalte haben keine individuellen Präferenzen, das heißt, alle Haushalte können in der Mikroökonomie gleichgesetzt werden. Die Haushalte haben eine so genannte Präferenzordnung, das heißt, gewissen Gütern wird ein höherer Nutzen zugeordnet als anderen, und auch Kombinationen aus mehreren Gütern können hinsichtlich ihres Nutzens und damit ihrer Präferenz besser sein als andere. Das Verhältnis zwischen der Menge konsumierter Güter und deren Nutzen lässt sich durch die Nutzenfunktion abbilden. Das Verhältnis zwischen der Zusammensetzung verschiedener Güterbündel und deren Nutzen wird auf Indifferenzkurven dargestellt.

Rationales Verhalten[Bearbeiten]

Jeder Haushalt versucht, im Rahmen des ihm zur Verfügung stehenden Budgets seine Bedürfnisbefriedigung, also seinen durch den Güterverbrauch verursachten Nutzen, zu maximieren. Die Möglichkeiten zum Konsum, die der Haushalt hat, befinden sich auf und unterhalb der sogenannten Budgetgerade. Es wird unterstellt, dass der Haushalt sich rational verhält.

Zusätzlich wird angenommen, dass die individuelle Nachfrage bzw. Angebot keinen Einfluss auf die Marktpreise hat. Dies bedeutet, dass die Haushalte stets Mengenanpasser sind.

Entscheidungen des Haushalts[Bearbeiten]

Zur Bedürfnisbefriedigung muss der Haushalt zwei Entscheidungen treffen:

Nachfrageentscheidung[Bearbeiten]

Mit dem zur Verfügung stehenden Budget fragt der Haushalt auf den Produktionsmärkten Güter nach. Die nachgefragte Menge richtet sich danach, welches Güterbündel ihm den größten Nutzen bringt. Die Auswahl hängt dabei von den Konsumgüterpreisen ab. Die Analyse dieser Entscheidungen liefert die allgemeinen Nachfragefunktionen. Sie erklärt den Zusammenhang von Nachfrage und Güterpreisen (Preiselastizität) sowie von Nachfrage und Einkommen (Einkommenselastizität).

Angebotsentscheidung[Bearbeiten]

Jeder Haushalt bietet auf den Faktormärkten (Produktionsmärkten) Arbeit und Kapital an. Somit entscheidet der Haushalt:

  • wie viel Arbeit er auf dem Faktormarkt anbieten will (d.h. er entscheidet über die Aufteilung seiner Zeit auf Arbeitszeit und Freizeit). Die Analyse dieser Entscheidung liefert die individuelle Arbeitsangebotsfunktion.
  • wie viel Kapital er auf dem Faktormarkt anbieten will (d.h. er entscheidet über die Aufteilung seines Budgets auf Konsum und Ersparnis). Dies ist das so genannte intertemporale Nutzenmaximierungsproblem, weil der Haushalt zwischen heutigem und zukünftigem Konsum entscheidet. Es liefert unter anderem in der Finanzwirtschaft die Erklärung dafür, warum es überhaupt einen Kapitalmarkt gibt und inwiefern er Nutzen stiftet.

Angebots- und Nachfragemengen des Haushalts sind wechselseitig voneinander abhängig, weil sie das zur Verfügung stehende Budget beeinflussen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pindyck, R.S./Rubinfeld, D.L.: Mikroökonomie. 5. Aufl., München 2003.
  • Harald Wiese: Mikroökonomik, Springer Verlag, Heidelberg, vierte Auflage 2005, ISBN 3-540-24203-1.