Hauskirche

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Als Hauskirche oder Hausgemeinde bezeichnet man im Christentum Gruppen, die Gottesdienst eher integriert in ihren Lebensvollzug denn als gottesdienstliche Veranstaltung verstehen. Sie pflegen Gemeinschaft in kleineren Gruppen, oft in Privathäusern. Hauskirchen können einzeln existieren oder Teil einer mehr oder weniger organisierten größeren Gemeinschaft sein.

Im 20. Jahrhundert entstand in der evangelikalen Tradition eine sogenannte Hauskirchenbewegung, die Gemeinschaft von Christen in Alltagsnähe betont (Privathäuser) und dafür eine eigenständige Kirchenlehre entwickelt hat.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Urchristentum soll mit Hauskirchen begonnen haben, weil es noch keine Kirchengebäude gab. Während der Christenverfolgungen im Römischen Reich war die Hauskirche (ecclesia domestica) einer der Orte für geheime Zusammenkünfte. Stefan Heid stellt diese Hauskirchen-Theorie in Frage und hält sie für ein „Wissenschaftsphantom des 20. Jahrhunderts“. Als zentrale Belege für diese Theorie gälten die vier sogenannten „Hauskirchenformeln“ bei Paulus (Röm 16,5 EU; 1 Kor 16,19 EU; Kol 4,15 EU; Phlm 1–2 EU). „Kirche“ meine hier aber einfach wie für alle anderen griechisch sprechenden Menschen der damaligen Zeit die Gemeinschaft. Paulus grüße also in vier Briefen jeweils die Hausgemeinschaft eines befreundeten Menschen. Zu diesen Hausgemeinschaften gehörten selbstverständlich auch Nicht-Christen. Laut Heid habe dies mit Gottesdienst oder Eucharistiefeier nichts zu tun. Ist das richtig, so entfällt überhaupt jede Grundlage für höchst spekulative Behauptungen über die Existenz von Hauskirchen. Sicher haben auch reiche Christen in „Häusern“, also privaten Stadtresidenzen, gewohnt. Aber dass diese Residenzen eigene Gottesdienstzentren bildeten, sei nicht nachzuweisen. Umgekehrt weist Heid auf Texte, die dafür sprechen, dass es bis ins 4. Jahrhundert in jeder Stadt nur eine einzige Christen-Gottesdienstgemeinde gab, geleitet von einem Presbyterkollegium bzw. einem Bischof.

Zweifelhaft sei auch die Vorstellung, Christen hätten sich während der Christenverfolgung in den Katakomben versteckt.[1]

Während des Hoch- und Spätmittelalters gab es Hauskirchen notgedrungen in den meisten christlichen Bewegungen außerhalb der Kirche, beispielsweise bei den Waldensern und Lollarden.

Neben den Hauskreisen gibt es bis in die Gegenwart Hauskirchen, bei denen das gesamte kirchliche Leben in Privathäusern stattfindet. In kommunistischen und islamischen Ländern, in denen das Christentum offiziell verboten ist oder war, treffen sich die Hauskirchen im Untergrund. Eine große Rolle spielen Hauskirchen beispielsweise im chinesischen Christentum (siehe Chinesische Hauskirche).

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauskirchen zeichnen sich durch einen ausgeprägten Kongregationalismus und das Losgelöstsein von herkömmlichen Gemeinden, Kirchen, Konfessionen und Denominationen aus. Betont wird das Priestertum aller Gläubigen und weniger ein Gegensatz Kleriker–Laien. Die einzelne Hausgemeinde wird als Familie bzw. als Großfamilie verstanden. Ihre Strukturen und Beziehungen sind dieser entsprechend nachempfunden. Die Überschaubarkeit und das enge Beziehungsgeflecht wird als Leben im Leib Christi angesehen. Die Beteiligung aller mit ihren Gaben und Fähigkeiten am Gemeindeleben wird in der Hauskirche betont, was charismatische Aspekte in Liturgie und Gemeindeleben mit einschließt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauskirchenbewegung
  • Felicity Dale: Gesunder Start für Hauskirchen. GloryWorld-Medien, 2006, ISBN 3-936322-24-4.
  • Tony & Felicity Dale: Einfach(e) Kirche. GloryWorld-Medien, 2003, ISBN 3-936322-05-8.
  • Mike & Sue Dowgiewicz: Zeiten der Wiederherstellung. GloryWorld-Medien, ISBN 3-936322-23-6.
  • Robert Fitts: Die Kirche im Haus – Eine Rückkehr zur Einfachheit. GloryWorld-Medien, 2002, ISBN 3-936322-00-7.
  • Roger Gehring: Hausgemeinde und Mission. 2000, ISBN 3-7655-9438-5.
  • Paul Hattaway: Heavenly Man. 5. Auflage. Brunnen Verlag, Gießen 2007 (Erfahrungsbericht eines chinesischen Hauskirchenleiters aus den 1980er- und 1990er-Jahren).
  • Richard Schutty: Einfach(e) Gemeinde Leben. T.A.U.B.E. Verlag, 2010, ISBN 978-3-936764-04-8.
  • Wolfgang Simson: Häuser, die die Welt verändern. C&P Verlag, 1999, ISBN 3-928093-12-6.
  • Keith Smith: Hauskirchen-Manifest für Deutschland. GloryWorld-Medien, 2009, ISBN 3-936322-38-4.
Kirchengeschichte
  • Stefan Heid: Altar und Kirche. Prinzipien christlicher Liturgie. Schnell & Steiner, Regensburg 2019, ISBN 978-3-7954-3425-0, S. 69–160.
  • Stefan Heid: Gab es in Rom eine Gemeinde der Quartodezimaner? In: Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 114 (2019), S. 5–26.
  • Stefan Heid: Gab es „Hauskirchen“? Anmerkungen zu einem Phantom. In: Studia Teologiczno-Historyczne Śląska Opolskiego 38 (2018), nr 1, S. 13–48. online
  • Victor Saxer: *Domus ecclesiae* – οἶκος τῆς ἐκκλησίας in den frühchristlichen literarischen Texten. In: Römische Quartalschrift für Christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 83 (1988), S. 167–179.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hauskirche als Kirchenbauwerk in der evangelischen Diaspora in der Form eines (unauffällig sich in die Bebauung einreihendes) Hauses wie zum Beispiel die Hauskirche Kirchherten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Heid: Altar und Kirche. Prinzipien christlicher Liturgie. Schnell & Steiner, Regensburg 2019, ISBN 978-3-7954-3425-0.